Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
30. August 1905 - ?

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Max Gehder geb. 1905, (Quelle: BLHA, Rep 35 G KZ Oranienburg, 3/9 Bl. 74)

Max Gehder geb. 1905, (Quelle: BLHA, Rep 35 G KZ Oranienburg, 3/9 Bl. 74)

Als Stadtverordneter für die KPD in Dessau geriet Max Gehder frühzeitig ins Visier der NS-Machthaber. Bereits kurz nach dem Gleichschaltungsgesetz vom 31. März 1933 wurde er verhaftet und ins KZ Oranienburg verschleppt.

Von Andreas Möller

Max Gehder kam am 30. August 1905 in Elbing, Ostpreußen zur Welt1. Er erlernte den Beruf des Schmieds. Über seine familiären Verhältnisse ist lediglich bekannt, dass er verheiratet war. Da seine Frau schon frühzeitig verstarb, ist zu vermuten, dass die Ehe kinderlos blieb.

Gehder war Mitglied der KPD und wurde am 25. Oktober 1931 bei der letzten demokratischen Wahl vor dem Beginn der NS-Diktatur zum Stadtverordneten des Dessauer Stadtparlaments gewählt2. Er war dort einer von vier Abgeordneten der KPD.

Zwei Monate nach der Machtübernahme Hitlers verlor er zusammen mit seinen KPD-Genossen Otto Fleischhauer, Paul Kmiec und Helene Meier3 durch das „Vorläufige Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“ sein Mandat und wurde schließlich am 5. Juli 1933 als politischer Gegner des NS-Regimes in das Konzentrationslager Oranienburg eingeliefert. Die Anordnung zur sogenannten “Schutzhaft” erfolgte bereits am 23. Juni 19334. Der letzte Wohnort vor seiner Inhaftierung war Dessau.

Am 19. September 1933 wurde Gehder zusammen mit Otto Fleischhauer und Paul Kmiec aus der Haft in Oranienburg entlassen und an die Polizeiverwaltung Dessau überstellt5. Die hier Verantwortlichen lieferten ihn in das Untersuchungsgefängnis nach Berlin-Moabit ein. Hier musste er auf seine Hauptverhandlung warten.

In der Anklageschrift vom 6. März 1934 warf man Gehder vor, sich maßgeblich an der Vorbereitung zur gewaltsamen Änderung der Verfassung des Deutschen Reiches beteiligt zu haben. Am 25. Juni 1934 verurteilte ihn der 5. Strafsenat des Kammergerichts Berlin wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einem Jahr und sechs Monaten Haft im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee6. Dabei wurde ihm ein Jahr durch die bereits erlittene Haft im Untersuchungsgefängnis angerechnet. Insgesamt war Gehder vom 27. Juni 1934 bis zum 5. November 1934 in Berlin-Plötzensee inhaftiert7.

Über den weiteren Lebensweg von Max Gehder und seinen Tod konnte leider nichts ermittelt werden.

1 Vgl. BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/9, Bl. 71. 

2 Vgl. Reuter, Bärbel und Ziegler, Günter: Zwischen Wörlitz und Mosigkau – 100 Jahre Stadtverordnete in Dessau 1833–1933, Museum für Stadtgeschichte Dessau, Dessau 1998. 

3 Vgl. ebd. 

4 Vgl. BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/9, Bl. 74. 

5 Vgl. ebd., Bl. 68-75. 

6 Vgl. Urteilsschrift vom 16. Juli 1934, in: BArch, NJ 9450. 

7 Vgl. Lagerkartei des Zuchthauses Berlin-Plötzensee, in: BArch, DY 55/V278/5/46(1). 

Soziale/Regionale Herkunft: Elbing (Ostpreußen)

Ausbildung/Berufstätigkeit: Schmied

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: nicht bekannt

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: KPD

Politische Mandate/Aktivitäten: 25. Oktober 1931 - 31. März 1933 Stadtverordneter für die KPD in Dessau

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 5. Juli 1933 - 19. September 1933 KZ Oranienburg; anschließend Untersuchungshaft Berlin-Moabit; 27. Juni 1934 - 5. November 1934 Zuchthaus Berlin-Plötzensee

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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