Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
7. November 1900 - 27. April 1945

Dokumente und Bilder
(zum Vergrößern anklicken)

Rudolf Lentzsch.
Quelle: GDW

Rudolf Lentzsch. Quelle: GDW

„Am Abend des 27. April 1945 wurde Lentzsch unter dem Vorwand, ihm Brot und Speck für die Hausgemeinschaft zu geben, auf die Straße gelockt. Dort entriss ihm ein sowjetischer Soldat die Lederjacke und gab einen Schuss auf ihn ab. An dessen Folgen starb Rudolf Lentzsch am 29. April 1945.“ Mit diesen Worten beschreiben Hermann Weber und Andreas Herbst im „Handbuch Deutsche Kommunisten“ die tragischen Umstände des Todes von Rudolf Lentzsch. Diese trugen dazu bei, dass Lentzsch, obwohl treibende Kraft bei den Aktivitäten des illegalen Einheitsverbandes der Metallarbeiter Berlins (EVMB), einer der größten gewerkschaftlichen Widerstandsgruppen, in der vergleichsweise umfangreichen DDR-Widerstandsforschung kaum eine Rolle spielte.

Von Siegfried Mielke und Stefan Heinz

Eine Auseinandersetzung mit der Biographie von Lentzsch hätte ein Tabu gebrochen, sich mit Vergehen der sowjetischen Befreiungsarmee zu befassen. Nach „offizieller Sprachregelung“, die selbst die Mutter von Rudolf Lentzsch übernahm, kam ihr Sohn durch „einen tragischen Unglücksfall“ ums Leben, sodass er „den Sieg der Roten Armee nicht mehr erlebte“. Gleichzeitig fügte sie in einem Schreiben an das VdN-Referat des Magistrats von Großberlin hinzu: „Wenn über diesen Tod aber nähere Auskünfte verlangt werden, sind wir [meine Kinder und ich] bereit, diese zu geben.“ (LA Berlin, C-Rep. 118-01, Nr. 26208)

Rudolf Adolf Emil Lentzsch wurde am 7. November 1900 in Torgelow, Kreis Ückermünde, geboren. Da die Eltern politisch und gewerkschaftlich organisiert waren, kamen er und seine Geschwister schon früh in Kontakt mit dem Milieu der Arbeiterbewegung des beginnenden 20. Jahrhunderts. Sein Vater, der Modelltischschlosser Rudolf Lentzsch sen., war 1898 Mitbegründer des sozialdemokratischen Wahlvereins, dem auch seine Frau Anna, geborene Neumann, angehörte. Beide Elternteile organisierten sich in der Ortsgruppe des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV). Nach Aussagen von Anna Lentzsch gehörte ihr Sohn Rudolf im April 1919 zu den Mitbegründern der KPD-Ortsgruppe in Torgelow und zu den „Organisatoren des aktiven Widerstandes“ (Ebd.) gegen den Kapp-Putsch im März 1920. Zuvor war er in der USPD organisiert gewesen. Während des kurzen KPD-Verbotes 1923/24 soll Lentzsch nach Aussagen seiner Mutter „aktiv an der Vorbereitung des Widerstandes der Torgelower Arbeiterschaft“ (Ebd.) gegen die Reichsregierung beteiligt gewesen sein und unter anderem Waffen besorgt haben, die auf dem Grundstück der Familie in Torgelow versteckt wurden. Aus diesem Grund führte die Polizei mehrfach Hausdurchsuchungen auf dem Gehöft der Eltern durch.

Da Rudolf Lentzsch und seine Brüder Wilhelm und Benno aufgrund ihrer politischen Aktivitäten in Torgelow keine Arbeit mehr bekamen, siedelten sie 1924/25 nach Berlin über. Die Eltern folgten bald ihren Söhnen. Rudolf Lentzsch, der gelernte Eisenformer, engagierte sich im DMV und stieg zu einem leitenden Funktionär der Branche der Eisenformer im Berliner DMV auf. 1928 wurde Rudolf Lentzsch jedoch „wegen kommunistischer Umtriebe“ (Ebd.) aus dem DMV ausgeschlossen und gehörte Ende 1930 zu den Gründungsmitgliedern des EVMB. Kurz zuvor hatte er noch die Internationale Leninschule in Moskau besucht und sich dort über die Aufgaben der revolutionären Partei- und Gewerkschaftsarbeit in Deutschland unterrichten lassen.

Der EVMB war der erste eigenständige „rote Verband“ der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO). Die Kommunisten erkannten ab 1928 den Beginn einer „dritten Periode“ in der „allgemeinen Krisentendenz“ des Kapitalismus, wodurch die Klassenkämpfe verschärft würden und die Radikalisierung in der Arbeiterschaft anwachse. Die SPD avancierte zum „Hauptfeind“ und eine „Einheitsfront“ sollte jetzt nur noch „von unten“ – also zur Einbeziehung einfacher SPDler in die Aktionen der Kommunisten – möglich sein. (Weber, Hauptfeind, S. 13 ff.) Die RGO stellte (1928/29) zunächst den Zusammenschluss der kommunistisch orientierten Arbeiter innerhalb des sozialdemokratisch dominierten Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) dar. Als der KPD nahe stehende „Organisation“ bestand ihre Aufgabe darin, wirtschaftliche Auseinandersetzungen um Lohn, Arbeitszeit oder Arbeitsbedingungen „selbständig“ – also auch gegen den Willen der freigewerkschaftlichen Führung – vorzubereiten und zu organisieren. Die Taktik der KPD, innerhalb der freien Gewerkschaften die kommunistische Opposition zu formieren, sorgte dafür, dass kommunistische Gewerkschafter wie Lentzsch, die ihren radikal-antikapitalistischen Vorstellungen durch „offensive Fraktionsarbeit“ Ausdruck verleihen wollten, immer häufiger aus den ADGB-Einzelverbänden ausgeschlossen wurden. Die RGO sollte nach dem Willen der KPD im Jahr 1929 zunächst Bestandteil der freigewerkschaftlichen Organisationen bleiben, andererseits ihre Mitglieder gesondert zusammenfassen und ökonomische Kämpfe auslösen. Diese Argumentation war jedoch schwer an die Basis zu vermitteln. Dennoch bemühten sich die meisten Spitzenpolitiker der KPD darum, den Eindruck aufrechtzuerhalten, die RGO sei ein Teil der freien Gewerkschaftsbewegung. (Heinz, Experiment, S. 37 ff.) Da die RGO bisher Nichtorganisierte aufnahm, die Ausgeschlossenen in eigenen Strukturen zusammenfasste und Ende 1929 einen Reichskongress veranstaltete, wurde die Eigendefinition brüchiger. Die in der KPD-Mitgliedschaft vorhandenen Befürworter einer kommunistischen Sondergewerkschaft konnten sich in ihren Plänen bestärkt fühlen, die freien Gewerkschaften zu spalten. Zu ihnen gehörte auch Rudolf Lentzsch. (Ebd.)

Die Gründung des EVMB Anfang November 1930 war insofern ein Ergebnis der seit 1928 schrittweise veränderten Gewerkschaftspolitik der Kommunistischen Internationale (KI), der Roten Gewerkschafts-Internationale (RGI) und der KPD. (Ebd.; Müller, Lohnkampf) Das Vorgehen war immer offener darauf gerichtet, die RGO als autonome Konkurrenz- und Kampforganisation gegen die freien Gewerkschaften, gegen den Staat und die Unternehmer auszubauen. Allerdings sollte die Verselbständigung in Form von „roten Verbänden“ nur unter der Voraussetzung erfolgen, dass es in einzelnen Industriezweigen zu größeren Streikaktivitäten kam, in denen eine freigewerkschaftliche Schwächung erkannt werde. (Ebd.) Diese Bedingung schien aus Sicht der RGO-Metall beim Berliner Metallarbeiterstreik im Oktober 1930 erfüllt zu sein. Denn der freigewerkschaftliche DMV versuchte zwar, einen Lohnabbau von acht Prozent (für männliche Facharbeiter) bzw. sechs Prozent (für Frauen und Jugendliche) mit diesem Arbeitskampf abzuwehren, die Ortsverwaltung des Verbandes verhielt sich aber in der Art und Weise der Streikführung tendenziell defensiv. (Ebd.) Die Lohnkürzung war zuvor durch einen Schiedsspruch der Reichsregierung verfügt worden, woraus ein erheblicher Unmut in der Berliner Arbeiterschaft resultierte.

Mitte Oktober 1930 traten ungefähr 130.000 Metallarbeiter in den Streik. Unter ihnen waren ca. 40.000 Arbeiterinnen und mehr als 1.000 Lehrlinge. Viele Kommunisten betrachteten den Streik als Beginn des „Massenkampfes“ gegen den „Faschisierungskurs“ der Brüning-Regierung und als „Beweis“ für den sinkenden Einfluss der sozialdemokratischen DMV-Führung. Doch die DMV-Ortsverwaltung war an einem schnellen Ende des Streiks interessiert, weil unter den Bedingungen der Weltwirtschaftskrise die Streikkassen nicht gefüllt waren und Befürchtungen existierten, Erwerbslose könnten als Streikbrecher fungieren. Die RGO spekulierte hingegen darauf, zahlreiche erwerbslose Arbeiter und die mit über 50 Prozent an dem Streik beteiligten Unorganisierten in die RGO eingliedern zu können, da diese vom DMV keine finanzielle Unterstützung während des Arbeitskampfes erhielten. (Ebd.)

Die DMV-Ortsverwaltung nahm in der zweiten Streikwoche die Verhandlungen mit den Unternehmern wieder auf. Beide Tarifparteien einigten sich auf die Einrichtung eines neuen Schiedsgerichts, dessen Schlichtungsspruch bereits im Voraus anerkannt werden sollte. Wenige Tage später wurde der Streik abgebrochen und die Masse der Streikenden nahm wieder ihre Arbeit auf – obwohl eben noch kein neuer Schiedsspruch gefällt war. (Ebd.) Der Streik wurde von der KPD-Führung als Auftakt zu größeren ökonomischen Auseinandersetzungen angesehen, die sich zu „politischen Massenkämpfen“ entwickeln würden. Der neue Schiedsspruch schrieb ein ungünstiges Ergebnis fest: acht Prozent Lohnkürzung für alle Arbeiter, einschließlich der weiblichen Beschäftigten sowie sechs Prozent für Jugendliche. (Jahr- und Handbuch, S. 199 ff.) Damit endete der Streik mit einer Niederlage, insbesondere für die weiblichen Beschäftigten. In den Betrieben breitete sich Resignation aus, wenngleich der DMV selbst schrieb, die „Empörung der Arbeiterklasse“ (Metallarbeiter-Zeitung, 22.11.1930) lasse sich kaum beschreiben. Doch gegen einen „verbindlichen Schiedsspruch“ durfte nach Meinung der DMV-Verwaltung nicht gestreikt werden, obwohl das Schlichtungswesen zu einem Instrument des Staates zum Lohnabbau geworden war.

Die RGO nahm diesen Arbeitskonflikt zum Anlass, um als Reaktion auf den unterstellten „Streikbruch“ des DMV den EVMB zu gründen. KPD und RGO ignorierten offenbar das Faktum, dass die Art, wie der Streik ein Ende fand, eher ein Zeichen der Passivität als ein Signal des revolutionären Aufbruchs war. Die „Zentrale Streikleitung“ der RGO zog aus dem Umstand, dass es ihr durchaus gelang, in einzelnen Bewegungen dieses Streiks die Initiative zu übernehmen, falsche verallgemeinernde Schlussfolgerungen bezüglich einer eigenständigen gewerkschaftlichen Organisierung. Dem obersten RGO-Streikgremium gehörte auch Rudolf Lentzsch an. Durchaus bekamen die RGO bzw. ihre Basis-Streikleitungen in Berlin während des Streiks einen Zulauf aus den Reihen der bisher Unorganisierten und Erwerbslosen. Mit diesem Anhang gelang es der RGO in Teilen der Arbeiterschaft, eine radikale Streikstimmung zu erzeugen, letztlich war sie aber dem Machtfaktor DMV nicht gewachsen. Da die RGO-Metall nur in sehr kleinem Umfang Unterstützungszahlungen leisten konnte, traten in der zweiten Streikwoche zahlreiche bisher Unorganisierte wieder aus der RGO-Metall aus. Die Entwicklung des Streiks bewies, dass die RGO im Moment, in dem es nach ihrer Ansicht darauf ankam, den Streik weiterzuführen, dazu nicht in der Lage war. RGO und KPD schätzten die Entrüstung der Metallarbeiter über den Streikabbruch durch die DMV-Führung trotzdem als stark genug ein, um eine „parallele Massenorganisation“ aufbauen zu können. Doch dem EVMB sollte es nicht gelingen, den Ausstand eigenständig weiterzuführen.

An der EVMB-Gründungsversammlung am 4. November 1930 in Berlin-Wedding nahmen etwa 1.400 Personen teil. Der Vorstand war relativ groß. Um auf die „innerverbandliche Demokratie“ verweisen zu können, bestand das Gremium aus 60 Mitgliedern, von denen 40 aus den Betrieben und zwölf aus der Gruppe der Erwerbslosen kamen sowie acht weitere aus Ämtern der RGO „integriert“ wurden. Ein engerer Vorstand mit elf Mitgliedern übernahm die Leitung. Rudolf Lentzsch gehörte dazu und wurde zum „Erwerbslosenleiter“ ernannt. Die Erwerbslosenpolitik sollte einen Schwerpunkt der Arbeit des Verbandes darstellen. Walter Ulbricht erklärte für das Zentralkomitee und die Berliner Bezirksleitung der KPD sein Einverständnis mit der Gründung, in der er eine „Grundsteinlegung für den entschiedenen Klassenkampf“ (RF, 06.11.1930) erblickte. Die Lentzsch nahe stehenden kleinen Branchenverbände der aus dem DMV ausgeschlossenen Former und Dreher gingen sogleich im EVMB auf.

Im Mittelpunkt der parteipolitischen Diskussionen der KPD stand den gesamten November 1930 über die Auswertung der Streikaktivitäten in der Metallindustrie. Bereits zwei Tage nach der Gründung des EVMB hielt Lentzsch das Hauptreferat auf einer Parteiarbeiterkonferenz des Unterbezirks Nordost über die „Lehren des Metallarbeiterstreiks“ (NARA, T 175, Roll 320, S. 2821 086 ff., Überwachungsbericht der Berliner Polizei vom 07.11.1930). An dem Treffen im „Ledigenheim“ (Pappelallee) beteiligten sich ungefähr 350 kommunistische Funktionäre. Am Anfang sprach Lentzsch von der „großen Bedeutung“ des Metallarbeiterstreiks. Der Kampf der Metallarbeiter richtete sich gegen die Politik der Brüning-Regierung und habe deshalb zum Verrat der DMV-Bürokraten führen müssen, da diese sich gemeinsam mit der SPD und dem ADGB der herrschenden Politik verschrieben hätten. Die RGO unter Führung der KPD müsse deshalb in „schärfster Form“ die Rolle der DMV-Bürokraten „entlarven“. Es hätten sich hierbei bisher Schwächen gezeigt, da viele Kommunisten in ihrem „Einheitsfrontfimmel“ (Ebd.) befangen gewesen und deshalb nicht in aller Schärfe gegen die DMV-Demagogen aufgetreten seien. Ein großer Fehler sei, dass die Parteimitglieder es nicht verstanden hätten, die RGO-Anhänger zu „praktischer Streikarbeit“ wie zum Beispiel Massenstreikposten, Solidaritätssammlungen, Propagandatätigkeiten heranzuziehen, sondern diese Arbeit hauptsächlich für die Erwerbslosen übrig geblieben wäre. Ferner habe man bei den Unorganisierten Illusionen geweckt, die RGO sei eine „Unterstützungsorganisation“. Er stellte bereits zu diesem Zeitpunkt fest, dass die Kraft der RGO überschätzt worden sei. Viele RGO-Gruppen hätten den Streik nicht weiterführen wollen und wären schnell wieder in die Betriebe „gerannt“. Im Hinblick auf die EVMB-Gründung stellte Lentzsch fest, die Entstehung des „roten Verbandes“ sei ein „Produkt des Kampfes“ selbst. (Ebd.) Es müsse nun gelingen, den neuen Verband in kürzester Zeit ebenso stark zu machen wie den Berliner DMV. Die Aussichten für den neuen Verband seien aufgrund der „Rebellion im DMV“ und wegen des Kampfwillens der Unorganisierten ziemlich günstig. Die Gründung des EVMB bedeute daher keine Spaltung der Gewerkschaften, sondern eine Kampfgründung, welche die KPD benötige, um die Millionen Arbeiter von den freigewerkschaftlichen Organisationen zu lösen.

In den darauf folgenden Wochen unternahm der EVMB jeden Versuch, um die oppositionellen DMV-Mitglieder zum Übertritt zu bewegen. Lentzsch gehörte zum Präsidium der ersten Generalversammlungen des „roten Verbandes“. Aufgrund des Hohnes der DMV-Führung über die aufgebauschten Erfolgsmeldungen des neuen Verbandes, gab der EVMB-Vorsitzende, Paul Peschke, am 30. November 1930 bekannt, dass der Verband inzwischen 11.473 Mitglieder habe, davon seien etwa die Hälfte zuvor unorganisierte Arbeiter. Am 25. Dezember 1930 erklärte Peschke, unter den inzwischen rund 15.000 Mitgliedern befänden sich 40 Prozent Frauen und Tausende Kollegen, die dem DMV den Rücken gekehrt hätten. Zudem seien über 200 Betriebssektionen und 20 Erwerbslosensektionen gebildet worden. (RF, 30.11.1930; RF, 25.12.1930) Die vom EVMB mit bis zu 18.000 oder vom Kammergericht Berlin sogar mit 20.000 bezifferten Mitgliederzahlen sind deutlich überhöht. Interne Polizeiberichte von Anfang 1931 registrierten rund 4.000 „betriebstätige“ und 4.000 erwerbslose Mitglieder, später insgesamt etwas über 10.000 Mitglieder. Ab Ende 1931 ist zunächst von einer rückläufigen Entwicklung auszugehen. Anfang 1932 liegen Schätzungen bezüglich der Gesamtmitgliederzahl bei 6.500, darunter 3.000 Erwerbslose. Erst gegen Ende 1932 soll die Mitgliederzahl wieder auf über 10.000 gestiegen sein. Die Zahl der Betriebssektionen lag 1930/31 zwischen 300 und 350, Ende 1932 bei 260. Dagegen hatte sich die Zahl der Erwerbslosensektionen von 20 (Anfang 1931) auf 74 (Ende 1932) erheblich erhöht. (NARA, T 175, Roll 320, Überwachungsberichte der Berliner Polizei)

Ursprünglich wollte der Verband an die Traditionen der Frühzeit der freien Gewerkschaften anknüpfen. Als kommunistische Organisation bekannte sich der Verband zum revolutionären Klassenkampf: „Der EVMB führt den Kampf für die unmittelbaren Interessen und Tagesforderungen als einen Teil des Befreiungskampfes der deutschen Arbeiterklasse und aller Werktätigen mit dem Ziele der Beseitigung der kapitalistischen Lohnknechtschaft, um an ihrer Stelle die Herrschaft der Arbeiterklasse und den Sozialismus aufzurichten.“ (RF, 25.12.1930) Aber auch niedrige Beiträge, ein auf dem Betriebs- statt auf dem Wohngebietsprinzip basierender Organisationsaufbau sowie Versprechen für Gemaßregelte und Streikende sollten den EVMB attraktiv machen und die Oppositionsrolle gegenüber den Verbänden des ADGB demonstrieren. Doch es gelang dem EVMB in den Jahren seiner Existenz nicht, diese Prinzipien zu verwirklichen. Am stärksten personell vertreten war der Verband in den ersten Monaten seines Bestehens in den Berliner Betrieben des AEG-Konzerns, bei Siemens und den Osram-Werken. Der Großteil der Mitgliedschaft verteilte sich jedoch auf über 400 Mittel- und Kleinbetriebe. Eine Konzentration von EVMB-Mitgliedern fand in ca. 20 Betrieben statt, in denen vor allem Dreher oder Former arbeiteten und der EVMB zum Teil mehr als die Hälfte der Belegschaft gewann. Mit seiner Redegewandtheit versuchte Lentzsch auf Veranstaltungen, Anhänger des „roten Metallarbeiterverbandes“ für Streikaktivitäten zu gewinnen. Das Ziel, die Entwicklung einer „Massenorganisation“, wurde dennoch nicht erreicht. Mit der fluktuierenden Anhängerschaft konnte der EVMB keine größeren ökonomischen Bewegungen auslösen. Das ursprünglich propagierte Vorhaben, den Verband zu einem Einheitsverband der Metallarbeiter Deutschlands auszubauen, ließ die KPD fallen.

Damit wurde Ende 1931 innerhalb der KPD und von Teilen der RGO die autonome gewerkschaftliche Organisierung immer umstrittener, und es begann eine sprunghafte Korrektur dieser Politik, worauf die Partei gleichzeitig ihr Engagement im Verband verringerte. Die Forderung, die Arbeit in den freien Gewerkschaften zu verstärken, trat wieder in den Vordergrund. An der Praxis des EVMB änderte die parteioffizielle Kritik jedoch wenig. Nachdem der EVMB die ihm folgenden Arbeiter aus dem DMV einmal herausgezogen hatte, fiel es denen umso schwerer, dort wieder Fuß zu fassen. Zumal sich der EVMB inzwischen so weit verselbständigt hatte, dass sich zahlreiche Mitglieder gegen diese „Umkehr“ wehrten, andere in Passivität versanken und aus dem Verband austraten, wieder andere eine pragmatische Gewerkschaftspolitik für den EVMB mit wenig revolutionärem Anspruch betrieben. (Heinz, Experiment, S. 89 ff.) Zudem stießen bei zahlreichen Mitgliedern die Bestrebungen des Verbandes auf Unverständnis, beständig Streiks initiieren zu wollen, bei denen die Mitglieder, wenn sie die „Streikdisziplin“ wahren wollten, in Bedrängnis gerieten. Denn der EVMB war kaum in der Lage, Unterstützungsgelder zu zahlen. Streikbrecher wurden zudem aus der Organisation ausgeschlossen, was vertrauensbildende Maßnahmen in den Betrieben erschwerte. Rudolf Lentzsch hielt jedoch wie auch ein wichtiger Teil der EVMB-Basis am offensiven klassenkämpferischen Charakter des EVMB fest. Er referierte auf einer Versammlung Anfang Januar 1932 vor etwa 250 Personen über die Auswirkungen der „Notverordnungspolitik“ und forderte, dass die Betriebsvertreter des Verbandes Versammlungen einzuberufen hätten, um festzustellen, ob die Betriebe streikfertig seien. (NARA, No. T 175, Roll 320, S. 2821 958 ff., Überwachungsbericht der Berliner Polizei, 04.01.1932) Wo eine nicht genügende Vorbereitung diagnostiziert werde, hätten die Funktionäre sofort alles Notwendige zu veranlassen. Auch die „reformistischen Betriebsräte“ des DMV sollten zum Streiken veranlasst werden, eventuell sogar mit militanten Aktionen. Der Streik sollte nicht so folgenlos ablaufen, wie die vorherigen. Die Streikenden müssten im Gegensatz zum Vorjahr mit einem „brutaleren Vorgehen der Machthaber“ und ihrer Vollzugsorgane rechnen. Seine Erklärung ist somit Ausdruck des sich im Jahr 1932 beschleunigenden Verfalls der politischen Ordnung. Für die Weimarer Demokratie standen die Zeichen auf Sturm. Gefahr drohte dennoch vor allem von den rechtsextremen Parteien und Verbänden, die – an der Spitze die NSDAP – ihre Position ausbauen konnten.

Da der EVMB die Risiken seiner revolutionären Gewerkschaftspolitik auf die Gewerkschafter an der Basis abgewälzt hatte, blieb er eine Organisation mit begrenztem Einfluss. Dennoch konnte der Verband bei den Betriebsrätewahlen im Jahr 1931 in einigen Betrieben Erfolge erringen. Die Politik des Verbandes löste aber im Alltag derart viele Widersprüche aus, dass er ein ungeliebtes Kind der Partei wurde. Zwar sollte der Verband eine Gewerkschaft werden, doch er erhielt weder den Status eines tarifschließenden Zusammenschlusses noch die Anerkennung als Vertretungsorgan vor den Arbeitsgerichten. Eine hohe Mitgliederfluktuation, ein erheblicher Anteil Erwerbsloser unter den rekrutierten Mitgliedern und nicht zuletzt der politische Ansatz des Verbandes waren Gründe für eine begrenzte betriebliche Verankerung und eine geringe Kontinuität in der Betriebsarbeit des EVMB.

Rudolf Lentzsch, der nach Angaben seiner Mutter bereits 1930 Bezirksleiter der RGO in Halle und Merseburg geworden war, und gleichzeitig eine Funktion in der Reichsleitung der RGO Metall bekleidete, wurde in der Illegalität der führende Kopf und Motor der EVMB-„Widerstandsorganisation“. Wie alle KPD-nahen Strukturen wurde auch der EVMB nach dem Reichstagsbrand Ende Februar 1933 verboten. Es setzte eine wahre Hetzjagd auf bekennende oder vermeintliche Kommunisten ein. Da Rudolf Lentzsch vom 22. März bis 11. Mai 1933 in „Schutzhaft“ saß, wurde – folgt man dem Urteil des Kammergerichts zu Berlin vom 19. Juni 1934 – erst seit Juni/Juli 1933 der Versuch unternommen, den alten „Apparat des EVMB in aller Stille allmählich und systematisch illegal“ wieder aufzuziehen, sodass er „bis zum Dezember 1933 Hunderte von alten Mitgliedern des EVMB in sich vereinigte.“ (BArch, NJ 15018, Urteil des Kammergerichts in der Strafsache gegen Willi Schulz und andere, 19.06.1934) Bis Ende 1933 sollen etwa rund 1.000 Arbeiter im illegalen EVMB zusammengefasst worden sein.

Der Aufbau des EVMB, geplant für 18 Berliner Bezirke, erfolgte in einer Doppelstruktur, indem neben einem illegalen Apparat, der einen Leiter (Rudolf Lentzsch), vier Instrukteure, 18 Bezirksleiter und Verbindungsmänner in den einzelnen Bezirken und Stempelstellen umfassen sollte, ein Kurier-Apparat aufgebaut wurde, der ebenfalls über einen Leiter, Bezirkskassierer und Verbindungsmänner (Kassierer) in den Betrieben und Stempelstellen verfügen sollte. Konkret war die Tätigkeit des illegalen Kaderapparates des EVMB auf drei Bereiche gerichtet: auf die Propagandaarbeit in den Betrieben und die Verteilung unregelmäßig herausgegebener illegaler Schriften, auf die Kassierung von Beiträgen und Spenden, um die illegale Arbeit zu finanzieren, und auf die Sammlung und Weitergabe von Stimmungsberichten und anderen Informationen aus den Betrieben und Stempelstellen. Da Aufbau und Aktivitäten des illegalen EVMB nur unzureichend den eigentlichen konspirativen Erfordernissen angepasst waren, gelang es den Verfolgerbehörden, die im Aufbau befindliche Organisation erheblich zu schwächen.

Der Mangel an konspirativem Verhalten entsprach in gewisser Weise auch dem Selbstverständnis der illegalen RGO-Arbeit. Diese propagierte die Schaffung „unabhängiger Klassengewerkschaften“. Erwartet wurde, dass die RGO und ihre Verbände die Belegschaften in Kampfhandlungen führen solle, um eine Desillusionierung der Arbeiterschaft gegenüber dem NS-Staat zu erreichen – eine Zielsetzung, die mit konspirativen Mitteln kaum durchzusetzen war. Am 14. Dezember 1933 wurde Rudolf Lentzsch in der Lychener Straße 15 verhaftet. Zum Umstand der Verhaftung gibt seine zweite Ehefrau Ella, geborene Wolke, an: „Verrat seitens eines Genossen sehr wahrscheinlich durch Misshandlungen desselben.“ (LA Berlin, C-Rep. 118-01, Nr. 6250, VdN-Fragebogen, 1945) Noch am gleichen Tag wurde Rudolf Lentzsch zusammen mit zahlreichen anderen Funktionären des EVMB ins KZ Columbiahaus eingeliefert, wo er bis zum 5. Januar 1934 blieb. Über diese Haftzeit und seine Haft vom 5. bis 19. Januar 1934 im KZ Oranienburg liegen kaum Informationen vor. Bis zur Urteilsverkündung des Kammergerichts in Berlin am 19. Juni 1934 war Lentzsch wie zahlreiche andere EVMB-Funktionäre im Untersuchungsgefängnis in Moabit inhaftiert. Nicht alle der inhaftierten kommunistischen Gewerkschafter hielten den grausamen Verhörmethoden stand und machten Aussagen. Lentzsch schwieg und belastete keine Mitverschworenen. Das Kammergericht verurteilte die Beschuldigten Rudolf Lentzsch und August Bolte, einen der vier Instrukteure, „mit Rücksicht auf ihr umfangreiches und gefährliches verbrecherisches Treiben“ zu drei Jahren Zuchthaus. Das Kammergericht begründete die Höchststrafe von drei Jahren Zuchthaus wie folgt: „Diese Angeklagten haben sich nicht gescheut, bis lange Zeit nach der nationalen Erhebung des Deutschen Volkes es zu unternehmen, die von der nationalsozialistischen Regierung geschlagene Brücke zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, soviel es nur in ihrer Macht lag, wieder aufzureißen und die Einheit des Deutschen Volkes aufs Neue zu gefährden. Immer wieder haben sie ruhig und zufrieden gewordene Volksgenossen gegen andere Volksgenossen aufgewiegelt und versucht, sie als zuverlässiges Instrument für eine im gegebenen Zeitpunkt anzuzettelnde Revolution fest in die Hand zu bekommen, was ihnen teilweise auch schon gelungen war. Bei ihnen schien irgendwelche Milde des Gerichts nicht am Platze.“ (BArch, NJ 13322, Urteil des Kammergerichts in der Strafsache gegen Rudolf Lentzsch und andere, 19.06.1934).

Trotz dieser Repressionsmaßnahmen setzte der illegale EVMB unter der Leitung von Ewald Degen, Max Gohl und später unter Ernst Altenkirch in bescheidenerem Umfang seine Widerstandstätigkeit bis Ende 1934 fort. Es erschienen vereinzelte Ausgaben von antifaschistischen Metallarbeiter-Zeitungen, die an vertrauenswürdige Arbeiter weitergegeben wurden. In einem der letzten Berichte des „illegalen EVMB“ von August 1934 wurde davon gesprochen, dass bisher zwölf Besprechungen stattgefunden hätten, bei denen unter anderem zur Frage des Herantretens an ehemalige DMV-Kollegen Stellung genommen worden sei. (BArch, RY I 4/6/15-16, Bl. 408 ff., Bericht des illegalen EVMB, August 1934)

Die Sitzungen fanden teils in Wohnungen, teils auf der Straße statt. Erkannt wurde die unbedingte Notwendigkeit solch konspirativer Besprechungen von Gewerkschaftern, auch unter dem enormen Druck der nationalsozialistischen Diktatur. Gleichzeitig reflektierten einige Teilnehmer bereits in der autonomen Organisation angelegte grundsätzliche Schwächen der EVMB-Gewerkschaftspolitik nach 1930: „Einige Kollegen vertraten – obgleich sie niemals politisch organisiert waren – den Standpunkt, dass die[se] Gewerkschaft eine kleine aktive Gruppe sein muss, in der alle Kollegen sich vollständig klar sein müssen über das Endziel der proletarischen Revolution […]. Ein vollständiges Übersehen der betrieblichen, gewerkschaftlichen Arbeit machte sich bei diesen Kollegen bemerkbar. Die Aussprache brachte eine Klärung in diesen Fragen. In einer weiteren Sitzung begrüßten die anwesenden Kollegen die aufgezeigten Mängel in unserer Arbeit und waren mit der Wendung voll einverstanden.“ (Ebd.) Des Weiteren ergaben diese Besprechungen, dass EVMB-Mitglieder mit einzelnen DMV-Mitgliedern weiterhin in Verbindung standen, eine systematische Zusammenarbeit jedoch fehlte. Daher sollten die DMV-Gewerkschafter zunächst mit Zeitungen versorgt werden und dann zu Besprechungen hinzugezogen werden. Gleichzeitig versuchte die EVMB-Widerstandsgruppe, ab Sommer 1934 an ehemals in der SPD organisierte Arbeiter heranzutreten, die ihre kommunistischen Positionen laut dem Bericht teilten, jedoch durch die verbalen Attacken gegen die Sozialdemokratie verschreckt würden. „Ein Beweis, wie wichtig es ist, derartige Kollegen zunächst für das nächste Etappenziel des Kampfes gegen Lohnraub und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zu gewinnen.“ (Ebd.) Doch die Erreichung dieses Ziel konnte der kleiner werdenden Gruppe in den folgenden Monaten kaum mehr gelingen. Dies lag nicht nur an der Repression, sondern auch an der real kaum vorhandenen Bereitschaft, die Interessen von Sozialdemokraten zu akzeptieren. Die Widerstandsorganisation stellte ab Ende 1934 ihre illegale Tätigkeit weitgehend ein. Nicht zuletzt deshalb, weil der KPD-Führung die „sektiererische“ Ausrichtung des EVMB immer mehr missfiel.

Rudolf Lentzsch war inzwischen bereits einige Zeit im Zuchthaus Brandenburg-Görden inhaftiert, als seine Ehefrau sich von ihm trennte. Der Sohn, über den sich keine weiteren Angaben ermitteln ließen, wurde bei der Scheidung aus „politischen Gründen“ der Mutter zugesprochen. Nach Verbüßung der dreijährigen Zuchthausstrafe wurde Rudolf Lentzsch am 20. Januar 1937 als „Schutzhäftling“ in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Er erhielt die Häftlingsnummer 484 und war zunächst im Block 12 untergebracht. In einem Arbeitskommando des Lagers übte er die Häftlingsfunktion eines Vorarbeiters aus. Auf Anweisung der Politischen Abteilung wurde Rudolf Lentzsch am 29. Dezember 1938 aus dem KZ entlassen, wo er zuletzt in Block 6 untergebracht war. Nach der Entlassung setzte er nach Angaben seiner Mutter trotz einer permanenten Polizeibeobachtung illegale Tätigkeiten fort und stand in Kontakt mit Hans Jendretzky, dem späteren Vorsitzenden des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Im Widerstand wurde Lentzsch nun von seiner Mutter unterstützt. Sie leistete Zubringerdienste und vernichtete mehrmals bei Gefahr einer Hausdurchsuchung belastendes Material. Rudolf Lentzsch bekam in dieser Zeit sehr schwer Arbeit, was sein ohnehin kompliziertes Leben nicht einfacher machte. Zum Militärdienst im Zweiten Weltkrieg zog ihn die Wehrmacht nicht heran, da er als „wehrunwürdig“ betrachtet wurde. Im Jahr 1943 heiratete Lentzsch die KPD-Genossin, Ella Wolke, die bereits 1933/34 mit seinem Bruder Benno in einer kommunistischen Widerstandszelle aktiv gewesen war und deshalb wie dieser eine Haftstrafe verbüßt hatte. Sie war 1945 Mitarbeiterin im Zentralkomitee der neu gegründeten KPD. Der weitere Lebensweg ihres Mannes bis zu seinem schicksalhaften Tod gegen Kriegsende ließ sich nicht rekonstruieren.

— — —

Quellen:

  • BArch, R 58, 3329 (Schlussbericht im Verfahren wegen der Neugründung des EVMB vom 13. Januar 1934).
  • BArch, NJ 4301 (Anklageschrift A im Verfahren gegen Rudolf Lentzsch und andere, 28.03.1934).
  • BArch, NJ 13322 (Urteil des Kammergerichts in der Strafsache gegen Rudolf Lentzsch und andere, 19. Juni 1934).
  • BArch, NJ 15018 (Urteil des Kammergerichts in der Strafsache gegen Willi Schulz und andere, 26. Juni 1934).
  • BArch, RY I 4/6/15-16, S. 408ff. (Bericht des illegalen EVMB, August 1934).
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/20, Bl. 113 ff.; Nr. 3/20/1, Bl. 365 ff.; Nr. 4/4, Bl. 180; Nr. 4/5, Bl. 267; Nr. 4/8/2, Bl. 561 (Unterlagen zur Haft im KZ Oranienburg).
  • LA Berlin, C-Rep. 118-01, Nr. 26208 (VdN-Unterlagen von Anna Lentzsch/Rudolf Lentzsch).
  • LA Berlin, C-Rep. 118-01, Nr. 18264 (Lebenslauf und VdN-Akte von Benno Lentzsch).
  • National Archives Microcopy, Washington (NARA), No. T 175, Roll 320, Überwachungsberichte der Berliner Polizei zu Aktivitäten des EVMB.
  • Die Rote Fahne (RF) – Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands (Sektion der Kommunistischen Internationale), Berlin.
  • Jahr- und Handbuch für das Jahr 1930, hrsg. vom Vorstand des DMV, Berlin 1931, S. 199 ff.
  • Metallarbeiter-Zeitung – Wochenblatt des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes, Berlin.
  • Paul Peschke, Der Berliner Metallarbeiterstreik, in: „Betrieb und Gewerkschaft“ (1930), S. 441 ff.
  • Stefan Heinz, Der Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins (EVMB): ein organisatorisches Experiment revolutionär-kommunistischer Gewerkschaftspolitik in den Jahren 1930-1934, Manuskript, FU-Berlin, Berlin 2005.
  • Stefan Heinz, Kommunistische Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen: Rudolf Lentzsch und Ella Trebe, in: Internationale Wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung (IWK), 44. Jg. (2008), i.E.
  • Siegfried Mielke und Stefan Heinz, Rudolf Lentzsch (Biographie), in: Siegfried Mielke (Hrsg.) i.V. mit Günter Morsch, Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen. Biographisches Handbuch, Bd. 3, Berlin 2005, S. 94-104.
  • Werner Müller, Lohnkampf, Massenstreik, Sowjetmacht. Ziele und Grenzen der „Revolutionären Gewerkschafts-Opposition“ (RGO) in Deutschland 1928 bis 1933, Köln 1988.
  • Hermann Weber und Andreas Herbst, Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, Berlin 2004, S. 448.
  • Hermann Weber, Hauptfeind Sozialdemokratie. Strategie und Taktik der KPD 1929-1933, Düsseldorf 1982.

Soziale/Regionale Herkunft: Sozialistisches Milieu der agrarisch und industriell geprägten Kleinstadt (Torgelow)

Ausbildung/Berufstätigkeit: Former

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: DMV-Mitglied und -Funktionär; Betriebsrat; Leiter der DMV-Former-Branche in Berlin; 1930-1933: EVMB-Erwerbslosenleiter; 1930-1933: Funktionär in der RGO-Reichsleitung (Industriegruppe Metall); 1933: Leiter des illegalen EVMB

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: USPD, 1919: KPD; 1933: Kopf des illegalen EVMB (Leiter)

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: 1933: EVMB-Leiter im Widerstand

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 14. Dezember 1933: Gestapo-Hausgefängnis; 14. Dezember 1933 - 5. Januar 1934: KZ Columbia-Haus; 5. Januar - 19. Januar 1934: KZ Oranienburg; anschl. Polizeigefängnis Berlin-Alexanderplatz und Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit bis 19. Juni 1934; Juni 1934 - Januar 1937: Zuchthaus Brandenburg-Görden; 20. Januar 1937 - 29. Dezember 1983: KZ Sachsenhausen

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: entfällt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

Impressum