Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
12. Mai 1910 – 1945

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Personenbeschreibung Felix von Papen
(Quelle: BLHA, Rep 35 G, 2/3, Bl. 96)

Personenbeschreibung Felix von Papen (Quelle: BLHA, Rep 35 G, 2/3, Bl. 96)

Felix von Papen, ein Neffe des Reichskanzlers Franz von Papen, wurde vom NS-Regime wegen monarchistischer Umtriebe verhaftet und im Januar 1934 ins KZ Oranienburg eingeliefert. Von dort wurde er in das KZ Lichtenburg überführt. Im Januar 1938 verließ von Papen Deutschland. In seinem 1938 in Amsterdam erschienenen Buch „Ein von Papen spricht… über seine Erlebnisse im Hitler-Deutschland“ schildert er seine schmerzvolle Zeit im KZ Oranienburg. Nach der deutschen Besetzung von Amsterdam wurde von Papen erneut verhaftet und starb 1945 als Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald.

Von Besim Kadriu

Felix von Papen wurde am 12. Mai 1910 in Diedenhofen/ Lothringen geboren1. Er war ein Neffe des Reichskanzlers Franz von Papen. Trotz seiner prominenten Herkunft aus einer Adelsfamilie ließen sich keine Informationen über seine Kindheit und Jugend ermitteln.

Im Dezember 1933 wurde von Papen unter nicht ganz aufgeklärten Umständen verhaftet und am 11. Januar 1934 ins Konzentrationslager Oranienburg gebracht. Dort brachte man ihn gleich in das Zimmer 16 des Obersturmführers Hans Stahlkopf und seiner Helfer. Viele Neuankömmlinge wurden hier mit Ochsenziemern und Gummischläuchen „bearbeitet“. Von Papen hatte jede Woche gemeinsam mit den in Oranienburg inhaftierten Juden im Zimmer 16 zu erscheinen. Bei einer dort stattfindenden Prügelszene wurde ihm das Steißbein zerschlagen.

In seinem 1938 in Amsterdam erschienenen Buch „Ein von Papen spricht… über seine Erlebnisse im Hitler-Deutschland“, das gleichzeitig in der von Willi Münzenberg in Amsterdam und Paris herausgegebenen Zeitung „Die Zukunft“ abgedruckt wurde, schildert von Papen den langwierigen und schmerzvollen Weg von einem Sympathisanten der NSDAP, deren Mitglied er zeitweilig war, zu einem entschiedenen Gegner des NS-Staats2.

Seine ersten Erlebnisse im KZ Oranienburg beschreibt von Papen als schockierend.
„Den furchtbaren inneren Kampf, den ich bei solchen entwürdigenden Szenen durchzumachen hatte, kann ich kaum beschreiben. Wie soll ich es nur sagen? Ich schäme mich zu leben und all dies eingesteckt zu haben. Ich schäme mich für alle andern, die ebenfalls diese Erbärmlichkeiten über sich ergehen lassen mussten. Ich werde wohl nie in meinem Leben darüber hinwegkommen. Ich hätte mich wehren müssen, obwohl ich die absolute Gewissheit hatte, dass man mich beim geringsten Widerstand wie einen Hund über den Haufen schießen würde. Man wartete ja nur darauf. Warum tat ich es nicht? Gibt es dafür überhaupt eine Entschuldigung? Ja und Nein! Meist war ich so fertig, dass an ein Aufbäumen gar nicht mehr zu denken war. Ich war am Rande des Wahnsinns3. “
Am Anfang seiner Zeit im Konzentrationslager musste von Papen den ganzen Tag auf dem Gelände Streichhölzer, Zigarettenstummeln und Papierfetzen aufsammeln. Der SA war es gelungen, Lagerinsassen gegen ihn aufzuputschen. Er galt als der “Herr Baron” und der Verwandte des berühmten Reichskanzlers. Von Papen wurde besonders von dem Leiter der Vernehmungsabteilung Stahlkopf oft gedemütigt und schikaniert. So schreibt er in seinem Buch: “Stahlkopf: Mit Euch adligen Schweinen werden wir schon noch fertig werden. Er reichte mir mit einem undefinierbaren Ausdruck seinen entsicherten Revolver und schrie mich an: Da, mach Schluss mit deinem Leben, raus kommst doch ja nicht mehr. Marsch, lauf um die Ecke, das ist schnell vorbei. Von Papen: Diesen Gefallen werde ich Ihnen nicht tun! Sie können mit mir machen was Sie wollen, erschießen oder zu Tode prügeln, das ist mir heute ganz wurst, einen Selbstmord mache ich nicht4. “

In seiner Verzweiflung unternahm Felix von Papen im KZ Oranienburg dennoch einen Selbstmordversuch. Nach einiger Zeit im Konzentrationslager wurde er von Stahlkopf als persönlicher Schreiber eingestellt. Sein neuer Posten gab ihm die Gelegenheit, vieles zu hören und zu sehen, was den anderen Lagerinsassen nicht möglich war. Besonders konnte er das Leben der SA beobachten.
Hier hatte von Papen die Gelegenheit, auch mit den anderen prominenten politischen Häftlingen in Kontakt zu kommen wie z.B. mit Erich Mühsam. Über Mühsam schrieb er in seinem Buch: “Erath ließ den kränklichen, durch Misshandlungen und Entbehrungen fast tauben Mühsam zu sich kommen und gab ihm den Befehl, sich innerhalb dreier Tage aufzuhängen, andernfalls müssten sie es besorgen. Mühsam, der überhaupt während der ganzen Zeit einen wunderbaren Mut zeigte, erklärte Erath sofort, dass er gar nicht daran denke. Nur wenigen erzählte er von diesem Vorfall, doch fiel es allgemein auf, dass er seine Habseligkeiten verschenkte. Am dritten Tag, abends wurde Erich Mühsam zum Kleiderreinigen beordert. Es war sein letzter Gang. Am anderen Morgen fanden wir ihn erhängt auf dem Abort. Die Juden wurden zusammengerufen und mussten ihn fortschaffen. Erich Mühsam war für jedermann eine achtungsgebietende Erscheinung, wegen seiner inneren Sauberkeit und seiner unbeirrbaren Überzeugungstreue. Er machte sogar auf unsere vertierten SA-Leute Eindruck5. “

Am 14. Juli 1934 wurde von Papen für zwei Wochen ins KZ Lichtenburg überführt und dann freigelassen. Nach der Freilassung musste er sich bei der Polizei in Berlin zwei Mal in der Woche melden. Nach einiger Zeit wurde er erneut verhaftet, da er angeblich über das KZ Oranienburg in der Öffentlichkeit gesprochen hatte. Nach seinem zweiten Selbstmordversuch wurde er wieder frei gelassen6.
Von Papen war selbst auf seinem Besitz in Berlin-Kladow nicht mehr sicher; ständig wurde er beobachtet, auch besuchten ihn immer wieder entlassene Schutzhäftlinge, die ihn an die furchtbare Zeit im KZ Oranienburg erinnerten. All dem wollte er entrinnen und siedelte am 2. Februar 1936 nach München über7.
Von Papen versuchte wiederholt, eine Audienz bei Hitler zu erreichen. Nach all den vergeblichen Bemühungen entschloss er sich am 19. August, einen Brief an Hitler zu schreiben. Er forderte ihn auf, “sich entweder mit den sadistischen Ausschreitungen und der Freiheitsberaubung identisch zu erklären, oder aber ihm durch eine Entschädigung und Entschuldigung sein Recht wieder zu geben8. “
Im Januar 1938 verließ von Papen mit seiner Familie Deutschland. Im Ausland war er gelegentlich als Journalist tätig. Nach der deutschen Besetzung von Amsterdam wurde von Papen erneuet verhaftet und starb 1945 als Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald9.

1 Vgl. BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 2/3, Bl. 96. 

2 Vgl. Knop, Martin/ Krause, Hendrik/ Schwarz, Roland: Die Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg, in: Günther Morsch (Hrsg.): Das Konzentrationslager Oranienburg, Berlin 1994, S. 47-66, hier: S. 52. 

3 Papen, Felix von: Ein von Papen spricht … über seine Erlebnisse im Hitler-Deutschland. Amsterdam 1938, S. 12. 

4 Ebd., S. 19. 

5 Ebd., S. 29f. 

6 Vgl. ebd., S. 41-48. 

7 Vgl. ebd., S. 58. 

8 Ebd., S. 60-65. 

9 Vgl. Knop/Krause/Schwarz: Die Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg, S. 53. 

Soziale/Regionale Herkunft: Sohn einer Adelsfamilie aus Düsseldorf

Ausbildung/Berufstätigkeit: nicht bekannt

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: keine

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: zeitweiliges Mitglied der NSDAP, anschließend: nicht bekannt

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 11. Januar -14. Juli 1934 KZ Oranienburg; 1934 KZ Lichtenburg; 1945 KZ Buchenwald

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: entfällt

Erinnerungskultur/Ehrungen: keine

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