Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
13. August 1892 – 25. April 1945

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Verzeichnis der abgenommenen Gegenstände 
(Quelle: BLHA, Rep 35 G, 3/42, Bl. 108)

Verzeichnis der abgenommenen Gegenstände (Quelle: BLHA, Rep 35 G, 3/42, Bl. 108)

Rudolf Vogler war von Beruf Architekt und fand früh seinen Weg zur SPD, in der er sich als Vorsitzender der Ortsgruppe in Neustrelitz und als Abgeordneter des Mecklenburg-Strelitzschen Landtages engagierte. Er wurde 1933 von den Nationalsozialisten verhaftet und ins KZ Oranienburg gebracht, wo er acht Monate als politischer Gefangener inhaftiert war. Ein zweites Mal wurde er am 22. August 1944 verhaftet und ins KZ Sachsenhausen eingeliefert. Von dort aus wurde er im April 1945 mit anderen Häftlingen in Richtung Mecklenburg in Marsch gesetzt und auf der Flucht erschossen.

Von Besim Kadriu

Rudolf Vogler wurde am 13. August 1892 in Neukalen geboren. Er war von Beruf Architekt und lebte von Anfang der 1920er Jahre bis 1933/1934 in Neustrelitz. Von 1926 bis 1933 war er als Bauinspektor beim Hochbauamt der Mecklenburg-Strelitzer Regierung in Neustrelitz tätig1.

Schon früh fand er seinen Weg zur SPD und wurde Vorsitzender der Ortsgruppe seiner Partei in Neustrelitz. 1933 erhielt Vogler den Posten als zweiter Landesvorsitzender der SPD in Mecklenburg-Strelitz, war von 1930 bis 1933 Landtagsabgeordneter des Mecklenburg-Strelitzschen Landtages und hatte dort den Vorsitz der SPD-Fraktion inne2.

Wegen angeblicher Disziplinlosigkeit wurde Vogler vom Mecklenburg-Strelitzschen Landtag am 11. Mai 1933 zunächst für drei Sitzungstage und anschließend – nach dem 21. Juni 1933 – von der weiteren Ausübung des Mandats ausgeschlossen.
In der Folgezeit war er der Willkür des NS-Regimes immer wieder ausgesetzt und wurde von der SA derart misshandelt, dass er wochenlang im Krankenhaus liegen musste. Noch im selben Jahr, 1933, wurde Vogler aus seiner Neustrelitzer Wohnung ohne Haftbefehl von den Nationalsozialisten verschleppt, gefoltert und am 15. November in das Konzentrationslager Oranienburg eingeliefert, wo er acht Monate als politischer Gefangener inhaftiert war, davon längere Zeit in der Außenstelle des KZ in Elisenau3. Später wurde er in das 1937 errichtete KZ Buchenwald gebracht und von dort in das Zuchthaus Strelitz-Alt überführt.

Nach seiner Entlassung aus der Haft hielt Rudolf Vogler die Verbindung mit einigen Genossen aufrecht und betätigte sich gegen das NS-Regime. Nach dem missglückten Attentat auf Hitler wurde er von der Gestapo im Zuge der „Aktion Gewitter“ am 22. August 1944 erneut verhaftet und ins KZ Sachsenhausen überführt. Mit über 25 000 Leidensgenossen ging er im April 1945 auf einen Todesmarsch in Richtung Mecklenburg. Im Dorf Below bei Wittstock versuchte Rudolf Vogler, nach Mirow zu entkommen. Er wurde am 25. April 1945 von einem Landgendarmen festgenommen, zurückgebracht und von dem SS-Oberscharführer Borcherts sofort mit einem Revolver niedergeschossen4.

1946 wurde im Zuge einer großen Umbenennungsaktion in Neustrelitz die Scharnhorststrasse in Rudolf-Vogler-Strasse umbenannt.

1 Vgl. Mecklenburg-Strelitzscher, Amtlicher Anzeiger, Nr. 23, 10. Juni 1929, S. 196. 

2 Vgl. Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867 – 1933, Düsseldorf 1995.  

3 Vgl. BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/42, Bl. 106. 

4 Vgl. LHA Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. Vogler, Erich: Politische Bescheinigung, 15. November 1946. 

Soziale/Regionale Herkunft: Neukalen (Mecklenburg-Strelitz)

Ausbildung/Berufstätigkeit: Architekt; 1926-1933 Bauinspektor in Neustrelitz; 1930-1933 MdL Mecklenburg-Neustrelitz

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: unbekannt

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD; 1933 zweiter Landesvorsitzender der SPD im Mecklenburg-Strelitz

Politische Mandate/Aktivitäten: 1930-1933 MdL Mecklenburg-Neustrelitz; Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Neustrelitz

Widerstandsaktivitäten: Illegale Organisation der SPD

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 1933 KZ Oranienburg, Außenstelle Elisenau; 22.8.1944: erneut verhaftet („Aktion Gewitter“), KZ Sachsenhausen; 25.4.1945 auf dem Todesmarsch im Wald von Below, bei Wittstock niedergeschossen

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: entfällt

Erinnerungskultur/Ehrungen: 1946 wurde im Zuge einer großen Umbenennungsaktion in Neustrelitz die Scharnhorststrasse in Rudolf-Vogler-Strasse umbenannt

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