Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
4. Juni 1909 - ?

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Erich Schöbel rechts im Gespräch mit unbekanntem Mann. Quelle: Erika Müller (privat).

Erich Schöbel rechts im Gespräch mit unbekanntem Mann. Quelle: Erika Müller (privat).

Erich Schöbel war gelernter Bootsbauer. Nach dem Tod seines Vaters im Februar 1933 übernahm er dessen Fahrradunterstellung in Zeuthen. Die Polizei entdeckte im März 1933 bei Hausdurchsuchungen kommunistische Drucksachen bei Schöbel. Am 12. August 1933 kam er ins Konzentrationslager nach Oranienburg, wo er bis zum 15. September 1933 blieb. Ob er daraufhin frei kam oder wie andere Kommunisten aus Zeuthen in das KZ Sonnenburg überstellt wurde, ist nicht bekannt.

Von Lisa Dittrich

Erich Schöbel wurde am 4. Juni 1909 im Baumschulenweg in Berlin-Köpenick geboren. Der Vater Erich (senior), gelernter Schlosser, und seine Mutter Ida waren in der kommunistischen Bewegung aktiv. Erich Schöbel junior erlernte den Beruf des Bootsbauers, sein Vater betrieb in der Nähe des Zeuthener Bahnhofs eine öffentliche Fahrradunterstellung mit Werkstatt. Als dieser 1932 krank wurde, musste sein Sohn ihm immer häufiger in der Fahrradunterstellung helfen. Im Februar 1933 starb der Vater. Die Trauerfeier des engagierten Kommunisten war ein politisches Ereignis und stand unter strenger Beobachtung der Ortspolizei. Der Landrat des Kreises Teltow hatte angeordnet, die Beisetzung am 28. Februar auf dem Gemeindefriedhof in Zeuthen nur unter folgenden Auflagen zu genehmigen: „Die Gedenkfeier darf keinen politisch-demonstrativen Charakter tragen. Das Mitführen von Fahnen und der Gesang des Liedes „Brüder zur Sonne“ darf nicht stattfinden.“ Der Redner hatte vorher das Konzept seiner Rede der Ortspolizeibehörde einzureichen; die Rede durfte “keinen politischen Inhalt haben1.“ Aus dem anschließenden Bericht an den Landrat ist zu entnehmen, dass der Redner Otto Franke seine Rede nicht eingereicht hatte und den „Genossen Schöbel“ als Kämpfer der „proletarischen Freiheitsbewegung“ pries, woraufhin er vom Landjägermeister (Kieckhäfer) am weiteren Reden gehindert wurde. Zwei weitere Redner, darunter Willy Bartz, der die Trauernden zu einem „Rot Front“ Ruf animierte, unterbrach der Landjägermeister und löste dann die Versammlung auf2.
Nach dem Tod des Vaters übernahm Erich Schöbel (jr.) die Fahrradunterstellung. Die Verdächtigungen seitens der Ortspolizeibehörde gegenüber dem Vater Erich Schöbel (sr.), er galt als „eifriger Anhänger der KPD3“, wurden daraufhin auf Erich Schöbel (jr.) übertragen.
Am 24. März 1933 ordnete der Landrat eine Hausdurchsuchung durch die Ortspolizeibehörde an, da er Schöbel verdächtigte, eine Geheimdruckerei zur Herstellung kommunistischer Druckschriften zu betreiben. Gefunden wurden am 29. März 1933 zwar illegale Druckschriften, jedoch keine Druckmaschine, die auf eine Geheimdruckerei hingewiesen hätte.
Am 10. August 1933 brachte die Ortspolizei Erich Schöbel auf die Wache ins Wildauer Rathaus; dort wurde er wie seine Parteikollegen aus Zeuthen vernommen. Am 12. August 1933 ließ ihn der Landrat in das Konzentrationslager Oranienburg einweisen. Am 15. September 1933 erging seine Entlassung aus dem KZ Oranienburg; ob er wie andere Genossen in das KZ Sonnenburg überführt wurde, ist nicht bekannt4.
Der weitere Lebensweg von Erich Schöbel konnte nicht ermittelt werden.

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1 Anordnung des Landrates des Kreises Teltow an den Amtsvorsteher in Zeuthen, in: Archiv der Heimatfreunde Zeuthen e.V. 

2 Vgl. Bericht der Oberlandjäger an das Landjägeramt in Eichwalde, Kreis Teltow, in: Archiv der Heimatfreunde Zeuthen e.V. 

3 Vgl. ebd. 

4 Vgl. BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 4/2.
 

Soziale/Regionale Herkunft: Sohn von Erich und Ida Schöbel. Der Vater war gelernter Schlosser / geboren in Berlin-Köpenick

Ausbildung/Berufstätigkeit: gelernter Bootsbauer

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: nicht bekannt

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: KPD Mitglied

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: Widerstandstätigkeit für die illegale KPD

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 12. August 1933 – 15. September 1933 KZ Oranienburg / ab 15. September 1933: KZ Sonnenburg (vermutlich)

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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