Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
17. Januar 1887 – 14. Januar 1973

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Wilhelm Schicketanz
(Quelle: VdN-Karte, in: BLHA, Rep. 401, VdN 4013)

Wilhelm Schicketanz (Quelle: VdN-Karte, in: BLHA, Rep. 401, VdN 4013)

Wilhelm Schicketanz, Sohn eines Landwirts und gelernter Schmiedegeselle, war politisch in der USPD und später in der KPD tätig. Von der KPD-Ortsgruppe Teltow wurde er 1931 zum „Stadtkommandanten“ ernannt. Er war bei der Verteilung von Flugblättern und bei der Abwehr der Stürmung der KPD-Parteizentrale durch die SA in Teltow im Februar 1933 beteiligt. Außerdem fungierte er in der KPD als Verbindungsmann. Er wurde am 3. März 1933 wegen seiner illegalen Tätigkeit in Teltow verhaftet und war bis zum November 1933 in „Schutzhaft“. Stationen seiner Inhaftierung waren das Gefängnis in der Lehrterstraße, Plötzensee und das KZ Oranienburg.

Von Besim Kadriu

Wilhelm Schicketanz wurde als Sohn des Landwirts Karl Schicketanz am 17. Januar 1887 in Schönewalde geboren. Er war kaum acht Jahre alt, als seine Mutter starb. Schon als Kind musste er sehr viel und schwer arbeiten. Nach achtjähriger Schulzeit erlernte er den Beruf eines Schmieds in Münchhausen. Nach der dreijährigen Lehrzeit verließ er das Elternhaus und zog 1905 nach Berlin und später nach Schutendorf, wo er als Schmiedegeselle arbeitete. Dort blieb er bis zum Jahr 1912. Nach seiner Heirat wohnte er in Teltow, wo er bis 1915 als Schmied beschäftigt war. Im selben Jahr wurde er gegen seine Willen als Soldat in den Ersten Weltkrieg eingezogen.

Im Jahre 1919 trat Wilhelm Schicketanz der USPD bei und wechselte 1921 zur KPD, wo er zunächst als Unterkassierer und später als Hauptkassierer der KPD-Ortsgruppe fungierte. Diese Funktion übte er auch im Deutschen Metallarbeiterverband aus, welchem er zur selben Zeit beitrat. Nachdem er Arbeit im Baugewerbe gefunden hatte, wechselte Schicketanz zum Industrieverband für das Baugewerbe über. Im Jahre 1931 wurde er von der KPD-Ortsgruppe Teltow zum „Stadtkommandanten“ der Stadt Teltow ernannt und übte dieses Amt bis März 1933 aus. Bis zum Januar 1933 konnte die KPD in Teltow noch legal arbeiten. Ab Februar 1933 wurden öffentliche Versammlungen der Partei nicht mehr genehmigt. Schicketanz beteiligte sich an Aktionen gegen die SA, zum Beispiel, als diese die Parteizentrale der KPD in Teltow im Februar 1933 zu stürmen versuchte. Auch bei der Verteilung von Flugblättern, die sich gegen das NS-Regime richteten und daher illegal vertrieben wurden, war Schicketanz maßgeblich beteiligt. In seiner Funktion als Kassierer hatte er die Flugblätter, die teilweise in der Berliner Dorotheenstraße gedruckt wurden, an die Arbeiter weitergeleitet und verteilt1. Außerdem war er bis zu seiner Verhaftung der Verbindungsmann zwischen der Ortsgruppe Teltow und der KPD des Bezirks Berlin-Steglitz. Wegen seiner illegalen Aktivitäten und aufgrund seiner politischen Überzeugung wurde Schicketanz am 3. März 1933 in Teltow von den Nationalsozialisten verhaftet und war bis zum November 1933 in „Schutzhaft2. “ Zuerst war er neun Wochen im Gefängnis Lehrter Straße inhaftiert, dann kam er sechs Wochen nach Plötzensee, in beiden Anstalten in Einzelhaft. Im KZ Oranienburg wurde er vom 28. Juni bis 7. November 1933 festgehalten3. Während seiner Zeit im Konzentrationslager wurde er zum Straßenbau eingesetzt. Als er nach Teltow entlassen wurde, stand der ehemalige Häftling unter Polizeikontrolle und wurde von den Nationalsozialisten überwacht, so dass er keine Möglichkeit hatte, sich erneut illegal zu betätigen.

Nach 1945 trat Schicketanz wieder in die KPD ein und wurde nach der Vereinigung seiner Partei mit der SPD Mitglied der neuen Sozialistischen Einheitspartei (SED). Außerdem engagierte er sich als Hauptkassierer der VVN-Ortsgruppe Teltow4. Im Jahre 1953 wurde er mit der Medaille „Opfer des Faschismus 1933-1945“ geehrt. Auf Vorschlag des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer und auf Verordnung des Ministerrats der DDR vom 8. April 1965 bekam er eine Ehrenpension als Verfolgter des Naziregimes5. Wilhelm Schicketanz starb 1973 in Teltow.

1 BLHA, Rep. 401, Bezirkstag und Rat des Bezirkes Potsdam, VdN-Akte 4013,
Bürgerschaftserklärung von Hermann Lucke vom 10.2.1953. 

2 Vgl. BLHA Potsdam, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 4/6, Bl. 464. 

3 Vgl. ebd., Bl. 440. 

4 Vgl. Rep. 401, Bezirkstag und Rat des Bezirkes Potsdam, VdN-4013. 

5 Vgl. Rep. 333, SED – Landesleitung Brandenburg, Nr. 1153 (Aufnahmeantrag in die VVN). 

Soziale/Regionale Herkunft: Schönewalde; Vater: Karl Schicketanz, Landwirt

Ausbildung/Berufstätigkeit: Schmied

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Deutscher Metallarbeiterverband, Kassierer; Industrieverband für das Baugewerbe (RGO)

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: 1919-1921 USPD; 1921 KPD; Proletarischer Freidenker Verband

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: Illegale Aktivitäten in der KPD, Weiterleiten und Verteilen von Flugblättern

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: März 1933 bis Juni 1933 Gefängnis in der Lehrter Strasse und Gefängnis Plötzensee; 28. Juni - 7. November 1933 KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: 1945 KPD; 1946 Sozialistische Einheitspartei (SED)

Erinnerungskultur/Ehrungen: Medaille „Opfer des Faschismus 1933-1945“ im Jahre 1953

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