Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
16. November 1896 - 21. Januar 1967

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Gerhart Seger, 1931.
Quelle: AdsD.

Gerhart Seger, 1931. Quelle: AdsD.

Gerhart Seger gelang im Dezember 1933 die Flucht aus dem Konzentrationslager Oranienburg. Er schrieb anschließend das international beachtete Buch „Oranienburg. Erster authentischer Bericht eines aus dem Konzentrationslager Geflüchteten“. Der 1896 geborene Steindrucker und Redakteur besuchte nach dem Ersten Weltkrieg Vorlesungen in Zeitungskunde und Kulturgeschichte an der Universität Leipzig. 1922 wechselte er von der USPD zur SPD. Im Jahr 1923 wurde er Chefredakteur der „Volkszeitung für Südwestsachsen“ in Plauen und 1928 des „Volksblattes für Anhalt“ in Dessau. 1930 bis 1933 gehörte er der SPD-Fraktion im Reichstag an. Im März 1933 nahm ihn die Gestapo in „Schutzhaft“. Nach seiner Flucht lebte Seger ab Ende 1934 mit seiner Familie in New York, wo er sich fortan als Journalist, Vortragsreisender und Publizist betätigte. 1967 starb Seger.

Von Stefan Heinz

Gerhart Heinrich Seger wurde am 16. November 1896 in Leipzig geboren1. Der Sohn des Schneiders und Redakteurs Friedrich Seger sowie dessen Ehefrau Hedwig, geborene Winkler, besuchte acht Jahre die Volksschule. Anschließend erlernte er das Steindrucker-Handwerk2.

Die Eltern gehörten der sozialdemokratischen Bewegung an. Von 1901 bis zu seinem Tod im Jahr 1928 war der Vater bei der „Leipziger Volkszeitung“, einer der auflagenstärksten SPD-Zeitungen, als Redakteur tätig. Zudem übernahm Friedrich Seger Funktionen in der SPD und gehörte zu deren linkem Flügel3. 1917 schloss sich der Vater mit dem Großteil der Leipziger Parteiorganisation der neu gegründeten USPD an. Als sich 1920 die Mehrheit der USPD mit der KPD vereinigte, ging Friedrich Seger diesen Weg nicht mit, sondern kam 1922 mit zahlreichen in der USPD verbliebenen Mitgliedern zurück zur SPD. In der USPD bzw. SPD spielte er vor allem auf regionaler Ebene, später auch überregional eine wichtige Rolle4. Friedrich Seger war von 1911 bis 1918 Stadtverordneter in der sächsischen Industriestadt Leipzig. In den Jahren von 1915 bis 1918 war er Landtagsabgeordneter im Königreich Sachsen5. Während der Novemberrevolution übernahm er den Vorsitz des Arbeiter- und Soldatenrates in Leipzig und gehörte Ende 1918 zu den Vorsitzenden des Reichsrätekongresses. Friedrich Seger war in den Jahren 1919/20 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und bis 1928 Reichstagsabgeordneter6.

Unter dem politischen Einfluss seines Vaters engagierte sich Gerhart Seger in jungen Jahren in der sozialdemokratischen Jugendbewegung. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Frontsoldat teil. Wie der Vater trat auch Gerhart Seger 1917 der USPD bei. 1919 schrieb er sich als Gasthörer an der Universität Leipzig für die Studienfächer Zeitungskunde und Kulturgeschichte ein7. Ein Jahr später wurde er selbst Dozent an einer Volkshochschule in Kiel und bereitete sich auf eine journalistische Tätigkeit vor. Bald darauf übernahm er eine Redakteurstätigkeit für das USPD-Organ „Die Freiheit“ in Berlin. Als sich 1922 ein erheblicher Teil der nach 1920 in der USPD organisierten Mitglieder wieder mit der SPD vereinigte, wurde Gerhart Seger erstmals Mitglied dieser Partei8. 1923 erhielt er das Angebot, den Posten eines Chefredakteurs bei der „Volkszeitung für Südwestsachsen“ in Plauen zu übernehmen. Kurze Zeit später, im Mai 1923, gab er diese Stellung zugunsten einer hauptamtlichen Beschäftigung als „politischer Sekretär“ (Generalsekretär) der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) auf9. Diese Organisation, die zehntausende Mitglieder umfasste, forderte konsequente Maßnahmen zur Abrüstung sowie die Abschaffung der Wehrpflicht. Gleichzeitig war Gerhart Seger aktives Mitglied der Schopenhauer-Gesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das Studium der Philosophie Arthur Schopenhauers zu fördern. Ende 1928 beendete Seger seine hauptamtliche Tätigkeit für die DFG und übernahm erneut eine journalistische Tätigkeit. Er wurde Chefredakteur beim „Volksblatt für Anhalt“ in Dessau10. Daneben war er in der Arbeiterjugendbildung tätig. Seit Anfang der 1920er Jahre trat er auch als Verfasser mehrerer Bücher in Erscheinung und arbeitete unter anderem zeitweise für die linksoppositionelle Zeitschrift „Der Klassenkampf – Marxistische Blätter“. Einige Schriften, mit denen er sich in der (links-)sozialdemokratischen Arbeiterschaft hohes Ansehen erwarb, waren: „Kunst und historischer Materialismus“ (1920); „Proletarierjugend und Theater. Ein Wegweiser für die arbeitende Jugend“ (1921); „Die geistige Befreiung der Arbeiterklasse. Bemerkungen zur Bildungsarbeit“ (1922); „Die Werkstatt des Geistes“ (1922); „Was ist historischer Materialismus? Versuch einer systematischen Darstellung“ (1923); „Arbeiterschaft und Pazifismus“ (1924); „Arbeiterschaft/Krieg/Völkerbund“ (1925); „Wehrhafte Republik?“ (1926); „Deutschland – eine zweite Schweiz? Neutralisation als Kriegsverhütung“ (1929). Im Jahr 1928 heiratete Gerhart Seger Elisabeth Hart (geb. 1903). Mit ihr hatte er eine Tochter (Renate), die 1932 geboren wurde11.

1930 wurde Gerhart Seger für die SPD im Wahlkreis 10 (Magdeburg) in den Reichstag gewählt12. Im Zusammenhang mit der Zuspitzung der politischen Situation am Ende der Weimarer Republik forderte er 1932 die Ausweisung Hitlers als eines „unerwünschten Ausländers“ und „Hochverräters13“. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Seger am 12. März 1933 in der Wohnung seiner Mutter in Leipzig festgenommen. Seger hatte sich durch seine Tätigkeiten als aktiver Sozialdemokrat und Leiter der Dessauer „Eisernen Front“ einen „besonderen Hass“ des Gauleiters von Magdeburg-Anhalt, Wilhelm Loeper, zugezogen14. Seine Ersparnisse wurden nach der Verhaftung beschlagnahmt, so dass seine Ehefrau und die Tochter „seither nichts als die Wohlfahrtsunterstützung“ hatten15. Seger kam zunächst in das Leipziger Polizeigefängnis. Am 13. März 1933 wurde er als „Schutzhäftling“ in das Gerichtsgefängnis Dessau überstellt. Mehrere Monate verbrachte er in Einzelhaft. Später erklärte Seger: „Ich wurde, wie alle meine Parteifreunde und die Angehörigen anderer Parteien, aus Rache verhaftet und gefangen gehalten; niemals ist auch nur der Versuch eines Verfahrens wegen irgendeiner strafbaren Handlung unternommen worden16.“ An den ehemaligen linksliberalen Politiker und langjährigen DFG-Vorsitzenden, Ludwig Quidde, schrieb Seger am 11. April 1933, die Gestapo habe ihm keine Gründe genannt, wieso er in „Schutzhaft“ gehalten werde. Schließlich sei er keinen „Schritt vom Wege der Gesetzlichkeit“ abgewichen17. Seger äußerte die Hoffnung, bald entlassen zu werden. Doch dieser Wunsch erfüllte sich nicht. Im regionalen NSDAP-Organ, dem „Anhalter Anzeiger“, wurde Anfang Juni 1933 ein demütigender und hetzerischer Bericht über den „Besuch“ bei dem „Schutzhäftling“ Seger veröffentlicht: „Beim Eintreten blickt er aus etwas müden Augen auf. Eine aufgeschlagene Zeitung liegt auf dem Tisch, daneben, hart an der Wand, dicke Bücher, englische und französische Nachschlagewerke und einige Bilder von Frau und Kind. Seger war im schwarzen Straßenanzug, als er verhaftet wurde und erweckt jetzt, wie er so dasitzt, ein wenig hilflos und neutralisiert, einen zwiespältigen Eindruck. Das ist derselbe Mann, der einst in der SPD eine so maßgebende Rolle gespielt hat? Nichts ist hiervon übrig geblieben wie diese verdiente Haftzelle, ein paar Quadratmeter mit Bett, Stuhl und Tisch. Geschichtliche Wandlungen! Wandlungen auch im Innern? Im Geistigen? Man blickt den Gefangenen an. Was denkt er jetzt? Vergeltung? Umkehr? Man weiß es nicht. […] Nannte er nicht die Nationalsozialisten unzählige Male ‚Gesindel’? Unsere Zeit muss hart sein, um Deutschlands Zukunft zu sichern, und dafür ist die Schutzhaft nur eine sehr geringe Strafe und Genugtuung. […] Jedenfalls aber hat Seger genug von der Politik. Sein Schicksal hat sich erfüllt. Er ist endlich, endgültig zum Schweigen verurteilt. Der Tod eines Politikers18.“

Wenige Tage später, am 14. Juni 1933, wurde Gerhart Seger in das Konzentrationslager Oranienburg überwiesen19. Im „Anhalter Anzeiger“ wurde über die „Räumung“ der „anhaltischen“ Gefängnisse berichtet: „Insgesamt wurden heute 43 Personen aus den Gerichtsgefängnissen von Bernburg, Köthen und Dessau mit dem fahrplanmäßigen Vormittagszuge nach dem Konzentrationslager in Oranienburg bei Berlin transportiert. […] Unser Bild lässt die Abgeordneten Seger und Kmiec erkennen. Die Absicht der Abbeförderung hatte sich in Dessau herumgesprochen, denn vor dem Gerichtsgefängnis und auch vor dem Bahnhofe hatten sich einige hundert Menschen angesammelt. […] Die Verhafteten wurden im Hofe des Gefängnisses in einen Transportwagen geladen und stiegen erst auf dem Bahnsteige wieder aus20.“ Einige Stunden später erreichten die „Schutzhäftlinge“, die sich nach Angaben des „Anhalter Anzeigers“ der NSDAP „mit mehr oder minder großer Hetzpraxis […] besonders aktiv […]“ in der KPD und SPD betätigt hatten, Oranienburg21. In dem „frühen“ Konzentrationslager, das in einer ehemaligen Brauerei im Stadtzentrum eingerichtet worden war, waren die Insassen vorwiegend politische Gegner und Andersdenkende wie Gerhart Seger. Sie waren den Schikanen und der Gewalt der SA-Wachmannschaften ausgeliefert: „Da im Anfange des Hitler-Regimes in den Gefängnissen meist noch die alten, zum überwiegenden Teile anständigen Beamten tätig waren, bin ich im Gerichtsgefängnis Dessau korrekt, in mancher Hinsicht entgegenkommend behandelt worden. […] Umso schlimmer war […] die Zeit im Konzentrationslager Oranienburg22.“

Im Gegensatz zu anderen „wilden“ Folter- und Haftstätten, die in dieser Zeit entstanden und wenig später aufgelöst wurden, entwickelte sich das Konzentrationslager Oranienburg zu einer festen, vom Preußischen Innenministerium finanzierten Einrichtung23. Die Häftlinge wurden zu Straßen- und Forstarbeiten sowie zu Bahn- und Wasserbauarbeiten eingesetzt24. Im Lager, in dem bis zu dessen Auflösung im Juli 1934 ca. 3.000 Personen inhaftiert waren, fanden oft Verhöre und Folterungen statt. Auch Gerhart Seger wurde zur Zwangsarbeit angetrieben und misshandelt. Da die Haftbedingungen unerträglich wurden, entschloss er sich am 4. Dezember 1933 zur Flucht25. „Meine Chance war 1:100, und die Chance, auf der Flucht erschossen zu werden, 100:1, aber ich hatte nur noch die Wahl zwischen Selbstmord oder Flucht. Ich bin so geschlagen und so gequält worden, dass mir trotz des beständigen Gedankens an meine Frau und mein Kind nichts anderes mehr übrig blieb […]. Ein Gefängnis (ich war drei Monate in Einzelhaft) ist ein Vorhof zum Paradiese im Vergleich zu einem Konzentrationslager26.“ Der Plan, während des Arbeitseinsatzes der Häftlinge zu fliehen, ging auf27. Unmittelbar nach der Flucht aus einem „Außenkommando“, bei dem Seger bereits seit Tagen trotz des winterlichen Frostes einen Graben ausschachten musste, fuhr er „unter fortgesetztem Wechsel der Züge von Berlin nach Süden28.“ Anschließend lief er neun Stunden zu Fuß, bis er bei Bodenbach tschechisches Territorium erreichte: „Nun sah ich den Stein vor mir, klein, unscheinbar, schneebedeckt, der Schnee funkelnd im Mondschein wie winzige Diamanten, und auf der Rückseite des Steines die Buchstaben: ČSR, die Anfangsbuchstaben der tschechoslowakischen Republik, die Initialen des gelobten Landes der Freiheit29.“ Gerhart Seger reiste in die Hauptstadt Prag weiter. Hier halfen ihm alte SPD-Freunde, die der Sopade angehörten, eine Unterkunft zu finden.

Die Gestapo fahndete unterdessen mit Hochdruck nach Gerhart Seger. Die Verfolgerbehörde ging einige Zeit (fälschlich) davon aus, dass sich der Sozialdemokrat noch im Reichsgebiet aufhielt: „Am 4.12.33 […] von der Außenarbeit aus dem Konzentrationslager Oranienburg entwichen. Beschr. 1,69 m, untersetzt, dklblo. Haare, bartlos, hellbla. Augen, Hornbrille, hohe Stirn, Kopf hat Kreiselform, Baskenmütze, bla. alter Uniformmantel und Bärenstiefel30.“ Unterdessen ließen die bedrückenden Erlebnisse im Konzentrationslager Seger keine Ruhe: „Noch jetzt, seit nahezu vier Wochen in Freiheit, kann ich kaum eine Nacht durchschlafen; ich träume noch immer wieder die entsetzlichen Bilder von Oranienburg und erwache dann, mitten in der Nacht, schweißgebadet. Meine Augen vergessen nie wieder, was sie gesehen haben31.“ Im Dezember und Januar 1934 verfasste Gerhart Seger einen umfangreichen Erlebnisbericht mit dem Titel „Oranienburg32“. Versehen mit einem Vorwort von Heinrich Mann erregte dieser in mehrere Fremdsprachen übersetzte detaillierte Bericht internationale Aufmerksamkeit33. Segers Buch bewirkte, dass das Konzentrationslager Oranienburg 1934/35 zum Synonym für das NS-Terrorregime wurde34. Zugleich zeigte die Veröffentlichung die Diskrepanz der „neuen Ordnung“ zu den rechtsstaatlichen Prinzipien der Weimarer Demokratie. Seger hatte die erste Version des Manuskripts Anfang Januar 1934 an die deutsche Justiz mit der Bitte gesandt, seine Ausführungen als Strafanzeige zu behandeln35. Doch seinem Antrag wurde nicht entsprochen. Stattdessen nahm die Gestapo sowohl die Ehefrau als auch die Tochter Segers am 19. Januar 1934 in „Erzwingungshaft“. Elisabeth und Renate Seger wurden faktisch als Geiseln im Konzentrationslager Roßlau (bei Dessau) inhaftiert36. Mit dieser Maßnahme sollte Gerhart Seger gezwungen werden, ins Reichsgebiet zurückzukehren und sich für seine „staatsgefährdenden Handlungen“ zu verantworten37. Erst internationale Proteste, vorwiegend aus Spanien und Großbritannien, sorgten dafür, dass Elisabeth und Renate Seger am 19. Mai 1934 aus der KZ-Haft entlassen wurden. Sie durften anschließend mit einem Flugzeug nach London ausreisen38.

Gerhart Seger blieb bis Anfang März 1934 in Prag. Anschließend ging er in Absprache mit der Sopade auf Vortragsreisen. Mit einem tschechischen Interimspass reiste er im Mai 1934 nach Paris, wo er unter anderem mit dem Sozialdemokraten Rudolf Breitscheid und dem linksliberalen Publizisten und Politiker, Hellmut von Gerlach, zusammentraf39. Ferner unternahm Gerhart Seger Reisen nach Schweden und Großbritannien. Von dort fuhr er zusammen mit seiner Frau Elisabeth und Tochter Renate im Sommer 1934 nach Norwegen. Vorübergehend war er auch in Belgien und in der Schweiz, wo sein Bericht aus dem Konzentrationslager auf reges Interesse stieß. Gegen Segers Auftreten in der Öffentlichkeit versuchten die deutschen Behörden und Botschaften im Ausland zu intervenieren, was ihnen jedoch misslang40. Aufgrund des großen öffentlichen Interesses am Schicksal der Familie erhielt Seger mit Unterstützung des Rechtsanwaltes und Präsidenten des Schweizer Nationalrates, Johannes Huber, die Möbel aus seiner alten Wohnung und das Eigentum der Ehefrau ausgehändigt41. Segers wertvolle Bibliothek war allerdings bereits in der „Dessauer Papiermühle“ eingestampft worden.

Im Oktober 1934 emigrierten Gerhart, Elisabeth und Renate Seger über Frankreich in die USA42. Die NS-Behörden entzogen Gerhart Seger im November 1934 die deutsche Staatsbürgerschaft. Drei Jahre später verloren auch die Ehefrau und seine Tochter ihre Staatsangehörigkeit und wurden offiziell ausgebürgert43. Nach einer Reise durch Kanada ließ sich die Familie Seger Ende 1934 in New York nieder44. Hier wurde Gerhart Seger Anfang 1935 Redakteur bei der „Neuen Volks-Zeitung“. 1936 veröffentlichte er das „Reisetagebuch eines deutschen Emigranten“. In diesem verarbeitete er die Erlebnisse nach seiner Flucht aus dem Konzentrationslager Oranienburg autobiographisch. Seger war 1936 kurzzeitig Präsident des „Deutsch-Amerikanischen Kulturverbandes“, den er bereits ein Jahr zuvor zusammen mit Kurt Rosenfeld als Sammlungsorganisation deutschsprachiger NS-Gegner initiiert hatte45. Er wurde außerdem Vorstandsmitglied der deutschen Sprachgruppe der „Social Democratic Federation“ (SDF), die sich 1936 als strikt anti-kommunistischer Flügel von der „Socialist Party of America“ (SPA) abgespalten hatte.

Von Mai 1936 bis 1949 übernahm Gerhart Seger die Chefredaktion der „Neuen Volks-Zeitung“. Das Blatt war ursprünglich von einer deutsch-amerikanischen Leserschaft getragen worden46. Es entwickelte sich unter Segers Leitung während des Zweiten Weltkrieges zum Sprachrohr der Emigranten der „German Labour Delegation“ (GLD). Im März 1939 hatte Seger zu den Gründungsmitgliedern der GLD gehört47. Die Konstituierung der GLD in New York war vom „Jewish Labor Committee“, der „Social Democratic Federation“ sowie der „American Federation of Labour“ unterstützt worden. Ziel war unter anderem, Kontakte zwischen den deutschen SPD-Emigranten und der US-amerikanischen Arbeiterbewegung zu fördern48. Nicht zuletzt sollte versucht werden, Finanzquellen für die Arbeit der Sopade zu erschließen. Die GLD hatte nur wenige Mitglieder und sprach sich prinzipiell gegen eine Kooperation mit der KPD sowie anderen links-sozialistischen Gruppen wie „Neu Beginnen“ aus49. Auch Seger, der in der Weimarer Republik eher zum „linken“ SPD-Flügel gehörte, war nun ein strikter Gegner einer Zusammenarbeit mit Kommunisten und trat zudem gegen die Versuche einer „Volksfrontpolitik“ auf50. Diese Orientierung spiegelte sich in der „Neuen Volks-Zeitung“ wider, in der 1944/45 der „Council for a Democratic Germany“ (CDG) scharf kritisiert wurde51. Der CDG repräsentierte im Gegensatz zur GLD ein breites politisches Spektrum unter Einschluss von Sozialisten und Kommunisten. Eine treibende Rolle nahmen Vertreter von sozialistisch orientierten „Zwischengruppen“ ein, weshalb der CDG von den GLD-Funktionären (ungerechtfertigt) abwertend als „New Yorker Stalin Coup“ bezeichnet wurde52. Aufgrund ihrer Abgrenzung gegenüber linken Strömungen blieb die Relevanz der GLD begrenzt, wenngleich 1944/45 einige anerkennenswerte Impulse für eine Neuordnung Deutschlands gesetzt wurden53.

1941 wurde Seger Vorstandsmitglied des „German-American Council for the Liberation of Germany from Nazism“. Zudem war er führendes Mitglied der „Association of Free Germans“ sowie Vertreter des „German-American Congress for Democracy“. Dabei handelte es sich um Organisationen, die – ähnlich wie die GLD – eine künftige demokratische Ordnung für Deutschland propagierten und sich um das Zusammenwirken mit US-amerikanischen Gleichgesinnten bemühten54. Seger arbeitete bei all seinen politischen Aktivitäten eng mit den sozialdemokratischen Exilanten Rudolf Katz und Friedrich Stampfer zusammen55. 1943 ließ er seine Chefredakteurstätigkeit bei der „Neuen Volks-Zeitung“ für kurze Zeit ruhen, da ihm ein „Regierungsauftrag“ für das „Office of Strategic Services“ (OSS), dem Nachrichtendienst des US-Kriegsministeriums, übertragen worden war56. Zu den Aufgaben des OSS gehörten die Beschaffung von Informationen, Spionageabwehrtätigkeiten sowie psychologische und asymmetrische Kriegsführung. Zwischen 1943 und 1945 gehörte Gerhart Seger zu den Unterzeichnern mehrerer Aufrufe von sozialdemokratischen Exilanten an die deutsche Arbeiterschaft. An einigen hatte er maßgeblich mitgewirkt. 1943 veröffentliche er mit dem deutsch-jüdischen Philosophen und Sozialdemokraten Siegfried Marck die Streitschrift „Germany – to be or not to be?“. Außerdem war er Anfang 1945 an der Anfertigung der GLD-Erklärung „What is to be done with Germany?“ beteiligt.

Nach Kriegsende in Deutschland war Seger Zeuge vor dem alliierten Militärtribunal in Nürnberg. Anfang 1947 trat er als Unterzeichner einer „Erklärung sozialdemokratischer Emigranten in den USA“ in Erscheinung. Darin wurde ein Friedensvertrag mit Deutschland unter Einbeziehung einer deutschen Zentralregierung gefordert. Zugleich wandten sich die Unterzeichner gegen Wirtschaftsdemontage und eine fortdauernde Besetzung des Landes: „Auch eine besiegte Nation hat das unbestreitbare Recht, am Friedenstisch vertreten zu sein. Es sollte darum dem deutschen Volke ohne Verzug Gelegenheit gegeben werden, eine zentrale Körperschaft zu errichten, die im Namen des deutschen Volkes zu verhandeln berechtigt ist. […] Die Abmontierung von Industrien und die verheerend wirkende Ausfuhr lebenswichtiger Rohstoffe sollten eingestellt werden und die Erneuerung zerstörten oder beschlagnahmten Maschinenmaterials, das für die Friedensproduktion notwendig ist, gestattet werden57.“ 1948 arbeitete er für das „Office of Military Government for Germany“ (OMGUS), die höchste Verwaltungseinrichtung der US-amerikanischen Besatzungszone in den Nachkriegsjahren58.

Gerhart Seger wollte jedoch nicht auf Dauer nach Deutschland zurückkehren. In den USA war er inzwischen als Vortragsredner bekannt59. Er soll insgesamt mehr als 11.000 Vorträge gehalten haben. Zugleich arbeitete er als freier Journalist und Publizist sowie als Berater für die deutsche Botschaft in Washington60. Unter anderem veröffentlichte er die Bücher „Life in Germany“ (1955); „Diktatorship-War-Disaster“ (1956) und „Come along to Germany“ (1966). Die historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus nahm bei seinen publizistischen Tätigkeiten einen wichtigen Stellenwert ein. Für die SPD-nahe Berliner Tageszeitung „Telegraf“ arbeitete Seger als US-Korrespondent in New York. Er engagierte sich in der „Democratic Party“, war Mitglied des „Overseas Press Club of America“ und in anderen Journalistenvereinigungen. Zudem übte er das Amt eines Vizepräsidenten des „Speakers Research Committee of the United Nations“ aus. 1953 erhielt Seger einen Ruf als Gastprofessor an die University of New Mexico in Albuquerque61. Für seine Lebensleistung wurde er 1960 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz geehrt. Gerhart Seger verstarb am 21. Januar 1967 in New York.

1 Segers Bericht über das KZ Oranienburg kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden: http://library.fes.de/library/netzquelle/rechtsextremismus/pdf/oranienburg.pdf  

2 Vgl. Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, hrsg. vom Institut für Zeitgeschichte (München) und von der Research Foundation for Jewish Immigration (New York) unter der Leitung von Werner Röder und Herbert A. Strauss, Bd. 1, München 1980, S. 685 f. 

3 Vgl. Reichstagshandbuch, Bd. 1920, 1. Wahlperiode (mit Nachtrag), Berlin 1920, S. 327. 

4 Vgl. Schröder, Wilhelm H.: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933, Düsseldorf 1995, S. 696. 

5 Vgl. Schmeitzner, Mike/Rudloff, Michael: Geschichte der Sozialdemokratie im Sächsischen Landtag, Dresden 1997, S. 216 f.; vgl. Döscher, Elvira/Schröder, Wolfgang: Sächsische Parlamentarier 1869-1918. Die Abgeordneten der II. Kammer des Königreichs Sachsen im Spiegel historischer Photographien. Ein biographisches Handbuch, Düsseldorf 2001, S. 467. 

6 Vgl. Reichstagshandbuch, Bd. 1924, 2. Wahlperiode, Berlin 1924, S. 525 f.; vgl. Reichstagshandbuch, Bd. 1924, 3. Wahlperiode, Berlin 1924, S. 362 f. 

7 Vgl. Wickert, Christl (Bearb.): Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert. Mit einem Vorwort von Gerhard Schröder, hrsg. von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Marburg 2000, S. 266 f. 

8 Ebd. 

9 Vgl. Scheer, Friedrich-Karl: Die Deutsche Friedensgesellschaft (1892-1933). Organisation, Ideologie, politische Ziele. Ein Beitrag zur Geschichte des Pazifismus in Deutschland, Frankfurt/Main, 1983, S. 424. 

10 Vgl. Wickert (Bearb.): Der Freiheit verpflichtet, a.a.O., S. 266. 

11 Vgl. Auskunftsschreiben des AdsD an den Verfasser, 25.05.2009. 

12 Vgl. Link, Werner (Bearb.): Mit dem Gesicht nach Deutschland. Eine Dokumentation über die sozialdemokratische Emigration. Aus dem Nachlass von Friedrich Stampfer ergänzt durch andere Überlieferungen, hrsg. im Auftrage der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien von Erich Matthias, Düsseldorf 1968, S. 82. 

13 Vgl. Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), in: Online-Datenbank Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933-45, http://db.saur.de/DGO/basicFullCitationView.jsf?document=DBE-7624, download am 21.05.2009. 

14 Vgl. Schmiechen-Ackermann, Detlef/Tullner, Mathias: Stadtgeschichte und NS-Zeit in Sachsen-Anhalt und im regionalen Vergleich. Forschungsstand, Fragen und Perspektiven, in: Schmiechen-Ackermann, Detlef/Kaltenborn, Steffi (Hrsg.): Stadtgeschichte in der NS-Zeit. Fallstudien aus Sachsen-Anhalt und vergleichende Perspektiven, Münster 2005, S. 7-38, hier: S. 22. 

15 BArch, NL 212/27, Brief von Gerhart Seger an Ludwig Quidde, 28.12.1933. 

16 Seger, Gerhart: Reisetagebuch eines deutschen Emigranten, Zürich 1936, S. 5. 

17 BArch, NL 212/27, Brief von Gerhart Seger an Ludwig Quidde, 11.04.1933. 

18 „Anhalter Anzeiger“, 07.06.1933. 

19 Vgl. Goers, Marion: Kmiec, Paul (1893-1946), in: Mielke, Siegfried (Hrsg.) i.V. mit Morsch, Günter: Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen. Biographisches Handbuch, Bd. 3, Berlin 2005, S. 388-391, hier: S. 389; vgl. Herlemann, Beatrix, „Wir sind geblieben, was wir immer waren, Sozialdemokraten“ Das Widerstandsverhalten der SPD im Parteibezirk Magdeburg-Anhalt gegen den Nationalsozialismus 1930–1945 [= Studien zur Landesgeschichte, Bd. 6], Halle/Saale 2001, S. 137 f.; vgl. Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen, Häftlingsliste des KZ-Oranienburg. 

20 „Anhalter Anzeiger“, 14.06.1933. 

21 Ebd. 

22 Seger: Reisetagebuch, a.a.O., S. 5 f. 

23 Vgl. Drobisch, Klaus: Oranienburg – eines der ersten nationalsozialistischen Konzentrationslager, in: Morsch, Günter (Hrsg.): Konzentrationslager Oranienburg [= Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Bd. 3], Berlin 1994, S. 13-33. 

24 Vgl. Kaienburg, Hermann: Der Militär- und Wirtschaftskomplex der SS im KZ-Standort Sachsenhausen-Oranienburg. Schnittpunkt von KZ-System, Waffen-SS und Judenmord [= Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Bd. 16], Berlin 2006, S. 108. 

25 Vgl. Drobisch, Klaus: System der Konzentrationslager 1933-1939, Berlin 1993, S. 163; vgl. Auskunft des Archivs der Gedenkstätte Sachsenhausen an den Verfasser, 09.06.2009. 

26 BArch, NL 212/27, Brief von Gerhart Seger an Ludwig Quidde, 28.02.1934. 

27 Vgl. Seger, Gerhart: Oranienburg. Erster authentischer Bericht eines aus dem Konzentrationslager Geflüchteten. Mit einem Geleitwort von Heinrich Mann, Karlsbad 1934, S. 65 f. 

28 Seger: Reisetagebuch, a.a.O., S. 10. 

29 Vgl. ebd. 

30 BArch, DEU ADS 126, „Deutsches Kriminalpolizeiblatt“, Nr. 1725, 09.12.1933, S. 1554. 

31 BArch, NL 212/27, Brief von Gerhart Seger an Ludwig Quidde, 28.02.1934. 

32 Vgl. Seger: Oranienburg, a.a.O., S. 6 ff. 

33 Vgl. Miller, Susanne/Potthoff, Heinrich: Kleine Geschichte der SPD. Darstellung und Dokumentation, 1848-1990, Bonn 1991, S. 158; vgl. auch Ley, Astrid/Morsch, Günter (Hrsg.): Das Konzentrationslager Sachsenhausen 1936-1945. Ereignisse und Entwicklungen [= Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Bd. 23], Berlin 2008, S. 168. 

34 Die Schilderungen von Gerhart Seger wurden unter anderem in Anna Seghers’ Roman „Das siebte Kreuz“ verarbeitet. 

35 Vgl. Schumacher, Martin (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation, Düsseldorf 1994, S. 459. 

36 Vgl. Benz, Wolfgang/Distel, Barbara (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 2: Frühe Lager. Dachau, Emslandlager, München 2005, S. 193. 

37 Allein der Besitz des von der Sopade herausgegebenen Buches galt im Reichsgebiet als „hochverräterische Bestrebung“. Dennoch wurden zahlreiche Exemplare über die „grüne Grenze“ geschmuggelt. Viele Sozialdemokraten und Kommunisten, aber auch bürgerliche Intellektuelle wurden erstmals genauer über die Realität in einem deutschen Konzentrationslager unterrichtet. Strafverfahren und Verurteilungen folgten gegen Personen, die im Verdacht standen, Segers „Hetzschrift“ verbreitet zu haben. 

38 Vgl. Seger: Reisetagebuch, a.a.O., S. 34 ff. 

39 Vgl. Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten, a.a.O., S. 457 ff. 

40 Vgl. ebd. 

41 Vgl. ebd., S. 459. 

42 Vgl. zu Details: Columbia University Libraries, Oral History Research Office – New York, Sign. NXCP87-A1495, Reminiscences of Gerhart Henry Seger, 1950. 

43 Vgl. Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), in: Online-Datenbank Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933-45, http://db.saur.de/DGO/basicFullCitationView.jsf?document=DBE-7624, download am 21.05.2009. 

44 Vgl. Auskunftsschreiben des AdsD an den Verfasser, 25.05.2009. 

45 Vgl. Langkau-Alex, Ursula: Deutsche Volksfront 1932-1939. Zwischen Berlin, Paris, Prag und Moskau, Bd. 2: Geschichte des Ausschusses zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront, Berlin 2004, S. 74. 

46 Vgl. Radkau, Joachim: Die deutsche Emigration in den USA: ihr Einfluss auf die amerikanische Europapolitik 1933-1945, Düsseldorf 1971, S. 146. 

47 Vgl. Angster, Julia: Konsenskapitalismus und Sozialdemokratie. Die Westernisierung von SPD und DGB, München 2003, S. 246. 

48 Vgl. Osterroth, Franz/Schuster, Dieter: Chronik der deutschen Sozialdemokratie, Bd.2: Vom Beginn der Weimarer Republik bis zum Ende des zweiten Weltkrieges, Hannover 1963, S. 377, 391. 

49 Vgl. zu Details und Segers Positionierung in der Auseinandersetzung mit der Gruppe „Neu Beginnen“: Renaud, Terence: The German Resistance in New York: Karl B. Frank and the New Beginning Group (1935-1945), Work for Distinction in European History, Boston University 2007, Chapter III ff., http://home.comcast.net/~trrenaud/german_resistance.htm, download am 21.05.2009. 

50 Vgl. Holl, Karl: Das deutschsprachige Exil in den USA seit 1933, in: Elvert, Jürgen/Salewski, Michael (Hrsg.): Deutschland und der Westen im 19. und 20. Jahrhundert, Teil 1: Transatlantische Beziehungen, Stuttgart 1993, S. 323-340, hier: S. 337. 

51 Vgl. Ruprecht, Thomas Michael: Felix Boenheim. Arzt, Politiker, Historiker. Eine Biographie, Hildesheim 1992, S. 275; vgl. zu Details Mielke, Siegfried/Frese, Matthias (Bearb.): Die Gewerkschaften im Widerstand und in der Emigration 1933-1945 [= Quellen zur Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung im 20. Jahrhundert, Bd. 5], Köln 1999, S. 59 ff., 1009 ff. 

52 Vgl. ebd. 

53 Vgl. Behring, Rainer: Demokratische Außenpolitik für Deutschland. Die außenpolitischen Vorstellungen deutscher Sozialdemokraten im Exil 1933-1945, Düsseldorf 1999, S. 492 ff. 

54 Vgl. Lützeler, Paul Michael: Freundschaft im Exil: Thomas Mann und Hermann Broch, Frankfurt/Main 2004, S. 122. 

55 Vgl. Palmier, Jean Michel/Fernbach, David: Weimar in Exile. The Antifascist Emigration in Europe und America, London 2006, S. 564 ff. 

56 Vgl. „Sozialistische Mitteilungen“, Nr. 53/54 (September/Oktober) 1943, S. 12. 

57 Erklärung sozialdemokratischer Emigranten in den Vereinigten Staaten von Amerika, 04.01.1947, in: Link (Bearb.): Mit dem Gesicht nach Deutschland, a.a.O., S.726-728, hier: S. 726 f. 

58 Vgl. Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), in: Online-Datenbank Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933-45, http://db.saur.de/DGO/basicFullCitationView.jsf?document=DBE-7624, download am 21.05.2009. 

59 Vgl. Columbia University Libraries, Oral History Research Office – New York, Sign. NXCP87-A1495, Reminiscences of Gerhart Henry Seger, 1950. 

60 Vgl. ebd. 

61 Vgl. Schilmar, Boris: Der Europadiskurs im deutschen Exil 1933-1945, München 2004, S. 371.
 

Soziale/Regionale Herkunft: Leipzig, sozialistisches Milieu

Ausbildung/Berufstätigkeit: Lehre als Steindrucker; Redakteur, Dozent und Publizist

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: nicht bekannt

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: 1917-1922: USPD 1922-1933: SPD; nach 1945: Democratic Party (USA)

Politische Mandate/Aktivitäten: 1930-1933: Reichstagsabgeordneter der SPD

Widerstandsaktivitäten: Aktivitäten für die Sopade; Engagement in diversen Exil-Vereinigungen in den USA wie z.B. German Labour Delegation (GLD)

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 12. März 1933: Polizeigefängnis Leipzig; 13. März bis 14. Juni 1933: Gerichtsgefängnis Dessau; 14. Juni bis 4. Dezember 1933: KZ Oranienburg; anschließend Flucht

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Democratic Party in den USA

Erinnerungskultur/Ehrungen: 1960: Großes Bundesverdienstkreuz; zahlreiche weitere Ehrungen

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