Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg

Die meisten Häftlinge des KZ Oranienburg wurden von den Nationalsozialisten wegen ihrer politischen Gegnerschaft verhaftet. In der Mehrzahl Funktionäre sowie Mitglieder von Gewerkschaften und anderen Organisationen der Arbeiterbewegung. Das politische Spektrum der Häftlinge reichte von Mitgliedern der Deutsch-Nationalen-Volkspartei über Parteien der bürgerlichen Mitte, wie das Zentrum und die Deutsche Demokratische Partei, bis hin zu Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten. Vereinzelt befanden sich unter den Häftlingen sogar Mitglieder von Stahlhelm, SA und Nationalsozialistischer Betriebszellenorganisation.
In den frühen Konzentrationslagern, so auch im KZ Oranienburg, waren auch zahlreiche Juden inhaftiert, in der Hauptsache jedoch wegen ihrer politischen Einstellung und weniger wegen ihrer Abstammung. Eine Ausnahme im KZ Oranienburg bildete die Gruppe von 40 jüdischen Jugendlichen aus dem Waisenhaus in Wolzig.
Im KZ Oranienburg gab es nur ganz vereinzelt weibliche Häftlinge. Auch als “kriminell” bzw. als “asozial” eingestufte Häftlinge, die unter anderem wegen Wilderei oder Diebstahl festgenommen worden waren, sind nur in ganz wenigen Ausnahmefällen belegt.

Nicht nur die politische Zusammensetzung der Häftlinge, sondern auch deren Anzahl im Lager veränderte sich stark. Im Juni 1933, kurz nach der Eröffnung des KZ Oranienburg, gab es nur circa 200 Häftlinge. Im Hochsommer 1933 erreichte sie mit 1200 Personen einen Höchststand. In der Folge kam es zu massenhaften Verlegungen in die Lager Papenburg, Sonnenburg und Brandenburg. In den 16 Monaten, in denen das KZ Oranienburg bestand, registrierte die Kommandatur insgesamt circa 3000 Häftlinge. Die durchschnittliche Haftdauer im Lager betrug zwei bis drei Monate.
Die Mehrheit der Häftlinge, vor allem Arbeiter und Handwerker, kam aus der Provinz Brandenburg, etwa 40% aus Berlin. Das KZ Oranienburg kann deshalb als “Konzentrationslager der Reichshauptstadt” bezeichnet werden. Kleinere Gruppen von Häftlingen stammten aus den Provinzen Hannover, Westfalen, Niederschlesien, Schleswig-Holstein, Ostpreußen, Sachsen, Pommern, der Rheinprovinz und aus dem Anhaltinischen.
[Zum Weiterlesen lesen Sie auch „Lager der Rache“ Kapitel IX. „Die SA im Lager“]

Impressum

* Mit dankenswerter Genehmigung durch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entnommen aus: Gegen das Vergessen. Häftlingsalltag im KZ Sachsenhausen 1936-1945, CD-ROM, Systema 2004.