Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
19. August 1912 – 1957

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Schon in jungen Jahren wurde Herbert Zillmann Mitglied der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ), 1930 trat er in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein. Nach der Abspaltung von der SPD im Jahr 1931 schloss sich Zillmann der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) an, mit der er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 in die Illegalität ging. Bereits im September des gleichen Jahres wurde er allerdings festgenommen und zu neun Monaten Haft verurteilt.

Von Oliver Kulikowski

Herbert Zillmann kam am 19. August 1912 als Sohn des Zimmermanns Willy Zillmann und seiner Frau Ida, geb. Krüger, in Berlin zur Welt. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Zillmann eine kaufmännische Lehre bei der jüdischen Firma Prinz & Memisohn in Berlin, bei der er bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1937 beschäftigt blieb1.

Schon in jungen Jahren schloss er sich der SAJ an, 1930 trat er in die SPD ein. In der SAJ wurde Zillmann schnell Funktionär und war meist als Gruppenführer tätig. Nach der Spaltung der SPD im Jahr 1931 schloss sich Zillmann der SAP an, mit der er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 in die Illegalität ging. Bereits am 20. September des gleichen Jahres wurde er allerdings verhaftet. Gemeinsam mit den Lehrlingen Heinz-Horst Behrendt und Ehrhardt Schäfer, die ebenfalls Mitglieder der SAP waren, wurde ihm vom Kammergericht Berlin der Prozess wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ gemacht2. Nach dem Geständnis Zillmanns, bis April 1933 die Funktion eines Gruppenobmanns ausgeübt zu haben und danach weiterhin Mitglied der verbotenen Organisation gewesen zu sein, wurde er am 7. Juli 1934 wegen Beihilfe zu neun Monaten Haft verurteilt. Zuvor war er den „bekannten Leidensweg3“ durch das Columbia-Haus Berlin, die Konzentrationslager Brandenburg und Oranienburg und die U-Haft in Moabit gegangen4. Zillmanns Vater Willy bat in einem Brief vom 11. Januar 1934 den Leiter des Konzentrationslagers Brandenburg, Gruseck, vergeblich um die vorzeitige Entlassung seines Sohnes, da die Familie auf ihn als einzigen „Ernährer“ angewiesen war. Gruseck erklärte sich für nicht zuständig und verwies an die Berliner Gestapozentrale5. Weitere Versuche, eine Begnadigung zu erlangen, sind nicht dokumentiert.

Da Zillmann zum Zeitpunkt der Urteilsverkündung bereits zehn Monate Gefängnis, die ihm auf seine Strafe angerechnet wurden, hinter sich hatte, wurde er noch am Tag der Verhandlung aus der Haft entlassen. Er kehrte zur Firma Prinz & Memisohn zurück, wo er seine alte Stelle wieder einnehmen konnte. In Abendkursen erarbeitete er sich die Obersekundareife. Im Jahr 1937 heiratete er Edith Hatscher, die ihm von früheren Zeiten aus dem Arbeitersport bekannt war, und bekam mit ihr ein Kind6.

Am 1. April 1940 wurde Zillmann zur Wehrmacht einberufen und nahm als Obergefreiter an Feldzügen in Afrika, Italien, und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs „im Westen“ teil. Zillmann erhielt diverse Auszeichnungen, u.a. das Verwundetenabzeichen in „Schwarz“ für eine Granatsplitterverletzung sowie das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse. Am 14. April 1945 wurde er im Sauerland von amerikanischen Truppen gefangen genommen, am 28. Juni desselben Jahres aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Trotz seiner Zugehörigkeit zur Wehrmacht hatte Zillmann nach eigenen Angaben „die Verbindung mit den Genossen aus SPD und SAP nie verloren“ und „in Not geratene Antifaschisten und Juden wirtschaftlich unterstützt und betreut7“.

Am 13. September 1945 kehrte Zillmann nach Berlin zurück, um sich „dem Wiederaufbau der Arbeiterbewegung sofort wieder mit allen Kräften zur Verfügung“ zu stellen. Sofort nach der Zulassung der SPD im selben Jahr wurde Zillmann dort wieder Mitglied8.

Herbert Zillmann starb 1957 in Berlin.

1 Vgl. OdF-Akte Herbert Zillmann, in: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 24181. 

2 Vgl. Anklageschrift, ebd. 

3 Lebenslauf Herbert Zillmann, ebd.  

4 Vgl. Sandvoß, Hans-Rainer: Widerstand in Neukölln, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 1990, S. 107. 

5 Vgl. BLHA Potsdam, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/44, Bl. 238 und Bl. 239. 

6 Vgl. Lebenslauf Herbert Zillmann. 

7 Entschädigungsakte Herbert Zillmann, LABO, Reg. Nr. 25 85, 5291/52, C16. 

8 Vgl. ebd.
 

Soziale/Regionale Herkunft: Berlin

Ausbildung/Berufstätigkeit: Handlungsgehilfe

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Mitglied im Zentralverband der Angestellten (ZdA)

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: Mitglied in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), dann der SPD, später SAP

Politische Mandate/Aktivitäten: Gruppenführer der SAJ, Gruppenleiter der SAP

Widerstandsaktivitäten: Arbeit im Untergrund für die SAP

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: Inhaftiert vom 20.9.1933 bis 7.7.1934 im Columbia-Haus, KZ Oranienburg und im Untersuchungsgefängnis Moabit

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Wiedereintritt in die SPD nach Wiederzulassung 1945

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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