Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
27. Oktober 1985 - ?

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Parteiveteran bei der Feier aus Anlass der Fahnenübergabe 1962 in Berlin. Er war Mitbegründer der KPD Ortsgruppe und hatte die Fahne in der Giebelwand seines Hauses eingemauert. Er kämpfte 1920 gegen den Kappputsch in Schenkendorf mit der Waffe. Quelle: Archiv der Heimatfreunde Zeuthen e.V.

Parteiveteran bei der Feier aus Anlass der Fahnenübergabe 1962 in Berlin. Er war Mitbegründer der KPD Ortsgruppe und hatte die Fahne in der Giebelwand seines Hauses eingemauert. Er kämpfte 1920 gegen den Kappputsch in Schenkendorf mit der Waffe. Quelle: Archiv der Heimatfreunde Zeuthen e.V.

Der Dachdecker Willy Bartz gehörte 1921 zu den Gründungsmitgliedern der KPD- Ortsgruppe in Zeuthen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten versteckte er die Ortsgruppenfahne in der Giebelwand seines Hauses. Wegen Verdachts illegaler Tätigkeiten wurde Bartz im August 1933 gemeinsam mit anderen Genossen aus Zeuthen und Miersdorf in das Konzentrationslager Oranienburg gebracht, dort erhielt er die Häftlingsnummer 1409.

Von Lisa Dittrich

Willy Bartz wurde am 27. Oktober 1885 in Frankfurt/Oder geboren. Über seine Kindheit und Jugend ließ sich nur sehr wenig ermitteln. Offenbar erlernte Bartz den Beruf des Dachdeckers und zog nach Zeuthen, wo er unter anderem politisch aktiv wurde. Bis 1921 gab es in Zeuthen und Miersdorf nur eine Ortsgruppe der USPD. Nach deren Spaltung im Jahre 1920 jedoch erstarkte in Zeuthen die Kommunistische Partei, so dass die KPD-Ortsgruppe Zeuthen-Miersdorf entstand. Zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe gehörten Otto und Karl Schöbel, Paul Mehlis, Otto Richter, Willi Roll und Willy Bartz1.
Bartz hatte 1920 im Nachbarort Schenkendorf gegen den Kapp-Putsch mit der Waffe gekämpft2. Dieser Umstand legt den Schluss nahe, dass möglicherweise auch er vor der Gründung der KPD-Ortsgruppe USPD-Mitglied gewesen war, da die Parteikollegen der USPD, der damals einzigen Partei vor Ort, sich ebenfalls bewaffnet hatten und nach Schenkendorf gegangen waren, um den dortigen „Genossen“ zu helfen3.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten rettete Willy Bartz die Fahne der KPD-Ortsgruppe, indem er sie in die Giebelwand seines Hauses einmauerte. Dort blieb sie bis zum Ende der nationalsozialistischen Herrschaft unentdeckt4.
Anlässlich der Trauerfeier des Parteikollegen Erich Schöbel (senior) im Februar 1933, die wegen der Angst der Behörden vor kommunistischer Agitation unter strenger Beobachtung stand, ergriff Willy Bartz das Wort, nachdem der Vorredner von der örtlichen Polizei am Weiterreden gehindert worden war, und sagte: “Wir verabschieden uns von dem Genossen Schöbel mit einem kräftigen ,Rot Front5’.” Er provozierte mit diesem unerlaubten Ausspruch die Auflösung der Trauerfeier.
Schöbels Sohn wurde später gemeinsam mit Willy Bartz und anderen Kommunisten aus Zeuthen in das KZ Oranienburg gebracht. Die neun aus Zeuthen stammenden Häftlinge wurden alle im August in Abständen von wenigen Tagen eingeliefert. Laut den Akten wurde Willy Bartz am 18. August 1933 wegen des Verdachts illegaler Tätigkeiten in das Konzentrationslager Oranienburg überführt. Er erhielt die Häftlingsnummer 14096.
Am 12. Oktober 1933 erging ein Gesuch des Landrats des Kreises Teltow an das Konzentrationslager in Oranienburg, den Schutzhäftling Willy Bartz zu entlassen. Zwei Wochen später, am 30. Oktober 1933, kam dieser mit der Auflage der üblichen Meldepflicht bei der örtlichen Polizeibehörde des Wohnorts frei7.

1962 übergab Willy Bartz gemeinsam mit anderen ehemaligen Parteikollegen die Fahne der KPD-Ortsgruppe Zeuthen-Miersdorf feierlich an das Deutsche Museum in Berlin.

1 Vgl. Akte 0.3.4/ II ff., in: Archiv der Heimatfreunde Zeuthen e.V. 

2 Vgl. ebd. 

3 Vgl. ebd. 

4 Vgl. Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, Bezirkskomitee Potsdam in Zusammenarbeit mit den Bezirkskomitees Cottbus und Frankfurt (Oder) (Hrsg.): Biographisches und Bibliographisches, Potsdam 1982, S. 15. 

5 Vgl. Bericht des örtlichen Oberlandjäger über die Trauerfeier an das Landjägeramt in Eichwalde, Kreis Teltow. in: Akte 0.3.4/ II, Archiv der Heimatfreunde Zeuthen e.V. 

6 Vgl. BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/1. 

7 Vgl. ebd.
 

Soziale/Regionale Herkunft: Frankfurt/Oder; soziale Herkunft unbekannt

Ausbildung/Berufstätigkeit: Dachdecker

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: nicht bekannt

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: KPD-Mitglied

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: Widerstandstätigkeit für die illegale KPD/ Willy Bartz mauerte die Fahne der Ortsgruppe Zeuthen in der Giebelwand seines Hauses ein

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 18. August 1933 – 30. Oktober 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: keine

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