Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
2. Dezember 1909 – 5. Dezember 1983

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Personen von links nach rechts: Frieda (Schwester von Felix Kage), Else Kage (Ehefrau von Felix Kage), Felix Kage mit dem Sohn Karl auf dem Arm, Mutter von Felix Kage; Aufnahme um 1936. Quelle: von Privat (Sohn Richard Kage).

Personen von links nach rechts: Frieda (Schwester von Felix Kage), Else Kage (Ehefrau von Felix Kage), Felix Kage mit dem Sohn Karl auf dem Arm, Mutter von Felix Kage; Aufnahme um 1936. Quelle: von Privat (Sohn Richard Kage).

Felix Kage wuchs in Berlin-Kreuzberg auf. Er absolvierte erfolgreich eine Lehre als Bäcker und wurde Konditormeister. Bereits in frühester Jugend begann er seine politischen Aktivitäten als Mitglied der Roten Jungfront Berlin-Kreuzberg. Am 10. August 1933 verhaftete ihn die Ortspolizei in Zeuthen wegen des Verdachts der Weiterführung der illegalen KPD und brachte ihn in das Konzentrationslager Oranienburg. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 1327. Im April 1945 geriet Kage in Kriegsgefangenschaft in LaHupe, Belgien. Nach einem Jahr wurde er entlassen und kehrte nach Hause zu seiner Frau und den vier Kindern zurück.

Von Lisa Dittrich

Felix Kage wurde als zweites Kind der Familie Kage am 2. Dezember 1909 in der Cuvrystraße in Berlin-Kreuzberg geboren. Seine Schwester Frieda war drei Jahre älter als er. Der Vater Karl Kage arbeitete als Rollkutscher. Er fiel im Ersten Weltkrieg, so dass die Mutter fortan allein für die beiden Kinder sorgen musste. Seine Kindheit verbrachte Felix Kage im Görlitzer Viertel in Kreuzberg.
Am Görlitzer Ufer besuchte er die Gemeindeschule. Bereits mit 14 Jahren begann Kage eine Bäckerlehre, die er nach drei Jahren erfolgreich abschließen konnte. Da seine Mutter eher unpolitisch war, kam er erst während der Lehre das erste Mal mit der kommunistischen Ideologie in Kontakt. Er wurde Mitglied der Roten Jungfront Berlin im Bezirk Kreuzberg und des Kommunistischen Jugendverbands (KJVD). Zwei Jahre später, am 16. August 1926, trat Felix Kage im Alter von 16 Jahren der Zelle 600-601 der KPD Berlin-Brandenburg bei und wurde mit erlangter Volljährigkeit Mitglied der Roten Hilfe und der Internationalen Arbeiterhilfe. Im Anschluss an seine Bäckerlehre begann er als Lehrling bei einem Konditormeister in Berlin-Tiergarten am Hansaplatz. Später wurde er Mitglied der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO).
1930 zog Felix Kage in die Nürnberger Straße nach Zeuthen. Er engagierte sich weiterhin für die KPD und wurde in der Ortsgruppe seines neuen Heimatortes aktiv. Am 10. August 1933 verhaftete ihn die örtliche Polizei an seinem Wohnort. Bei der anschließenden Vernehmung gab Felix Kage offenbar an, bereits im Dezember 1932 aus der KPD ausgeschlossen worden zu sein. Sein Parteikollege Paul Mehlis hatte ihn verdächtigt, NSDAP-Spitzel zu sein und daher seinen Mitgliedsausweis eingezogen1. Möglicherweise traf Kage diese Aussage bei der Polizei zum Selbstschutz. Das vorliegende Verhörprotokoll ist die einzige Quelle, die einen möglichen Parteiausschluss erwähnt. Laut Akte zur Anerkennung als Verfolgter des Naziregimes (VdN) war Felix Kage nach eigenen Angaben bis zum 5. August 1933 noch Mitglied der KPD, für die er ab Januar 1933 illegal tätig war2.
Mitte August 1933 wurde Kage in das KZ Oranienburg eingeliefert und bekam die Häftlingsnummer 13273. Er musste dort Zwangsarbeit bei privaten Betrieben in der Umgebung leisten. Kage kam nach drei Monaten, am 7. November 1933, aus der Haft frei. Nach seiner Entlassung stand er weiter unter Polizeiaufsicht.

Im Jahre 1935 heiratete Felix Kage die am 1. September 1911 geborene Else Zibell aus Muckrow. Am 6. August 1935 kam das erste Kind des Paares, Karl, zur Welt. Die noch junge Familie baute zwischen 1936 und 1937 ihr Eigenheim in der Seestraße in Zeuthen. Nach dem Einzug ins neue Haus kam am 11. Oktober 1937 Tochter Elsa zur Welt, die Söhne Richard und Wolfgang wurden am 10. September 1938 und 20. August 1940 geboren.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft arbeitete Felix Kage als Bäcker und Konditor in Zeuthen und Eichwalde. Er wurde schließlich eingezogen und musste im Zweiten Weltkrieg in einer Bäckereikompanie in der Bretange dienen. Während ihr Mann Kriegsdienst leistete, blieb Else Kage alleine mit ihren vier Kindern zurück, die sich in dieser Zeit oft bei den Großeltern aufhielten, die ebenfalls in Zeuthen wohnten4. Als 1942 immer häufiger Fliegeralarm ausgelöst wurde, zog Else Kage mit drei Kindern zu ihrem Bruder nach Frankfurt an der Oder. Der älteste Sohn Karl blieb bei den Großeltern. Anfang 1945 jedoch musste Frankfurt/Oder wegen der vorrückenden Front evakuiert werden, so dass Else Kage mit ihren Kindern nach Zeuthen zurückkehrte. Das Kriegsende verlief dort ohne Kampfhandlungen, da bereits im benachbarten “roten” Miersdorf5 der Volkssturm entwaffnet und weiße Flaggen gehisst worden waren.
Im April 1945 geriet Felix Kage in Kriegsgefangenschaft in LaHupe, Belgien. Nach eigenen Angaben war er während der Zeit im Gefangenenlager gemeinsam mit neun anderen ehemaligen KPD-Mitgliedern, darunter dem ehemaligen Stadtverordneten aus Sachsen-Anhalt, Willi Wüstenpfahle, antifaschistisch tätig. Im Lager gehörte er der 7. Kompanie an und hatte die Nr. 2228. Nach seiner Entlassung im Mai 1946 kehrte Kage nach Zeuthen zurück6 und nahm eine Arbeit als Spezialtransportarbeiter bei der Firma Krupp und Druckenmüller in Wildau an7.
Felix Kage wurde aus programmatischen Gründen nie Mitglied der SED, schloss sich aber dem FDGB an. Seine Kinder traten offensichtlich unter dem Einfluss des Vaters, der politisch durchaus aktiv war, z.B. als Vorsitzender der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) in Zeuthen und im Gemeindeparlament8, ebenfalls nie der Partei bei9. Eine Rente als Verfolgter des Naziregimes (VdN) schlug Felix Kage aus.
Zuletzt arbeitete Kage beim Fernsehfunk in Adlershof als Hochdruckheizer, bis er Anfang 1970 in Rente ging. Im August desselben Jahres starb seine Frau Else.
Dreizehn Jahre später, am 5. Dezember 1983, kurz nach seinem 74. Geburtstag, verschied Felix Kage in seinem Haus in Zeuthen.

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1 Vgl. Aussage von Felix Kage im Verhör durch den Landjägermeister Puls, vgl. BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 4/2.  

2 Vgl. Aussage des Felix Kage im Antrag auf Anerkennung als Verfolgter des Naziregimes (VdN), BLHA, Rep. 333, SED- Landesleitung Brandenburg, Nr. 1088.  

3 Die letzte eingetragene Häftlingsnummer in den Unterlagen des KZ Oranienburg ist die Nummer „2874“, vergeben am 30. Juni 1934. Jeder Häftling, der in Oranienburg eingeliefert wurde, bekam eine solche Nummer. Es wurden keine Nummern doppelt vergeben. War ein Häftling schon einmal für einige Zeit im Lager und wurde er erneut eingeliefert, so bekam er eine neue Häftlingsnummer oder seine alte Häftlingsnummer. Vgl. Morsch, Günter (Hg.): KZ Oranienburg, Oranienburg 1994. 

4 Interview der Verfasserin mit dem Sohn Richard Kage am 29. Januar 2008.  

5 Zeuthen und Miersdorf waren bis 1957 zwei Gemeinden. 1957 wurde Miersdorf eingemeindet; die Gemeinde wurde offiziell in „Zeuthen“ umbenannt, wobei von der Bevölkerung oft von Zeuthen-Miersdorf gesprochen wurde. Zeuthen, das die „reichere“ Gemeinde war, beherbergte viel Prominenz und Wissenschaft aus Berlin. Die Lage am Zeuthener See trug dazu bei, ein betuchteres Klientel aus Berlin anzulocken. Miersdorf wurde als das „rote Miersdorf“ bezeichnet, da es hier bereits vor dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche kommunistische Aktivität gab. Vgl.: http://www.zeuthen.de/a_gemeinde/gemgesch02.html., aufgerufen am 30. Januar 2008.  

6 Aussage des Felix Kage im VdN-Antrag.  

7 Das Werk in Wildau war einer der größten Arbeitgeber in der Region. Im Jahre 1851 gründete Louis Schwartzkopff die “Eisengießerei und Maschinenbauanstalt von L. Schwartzkopff”. Die Gründung der AG erfolgte am 1.7.1870 unter Übernahme der Firma L. Schwartzkopff, Berlin, einer der wichtigsten Lokomotivhersteller. Ab 1951 nannte sich die Firma Berliner Maschinenbau-AG, vgl.: http://www.nonvaleur-shop.de/historische-wertpapiere/berliner-maschinenbau-ag-vormals-schwartzkopff-p-283.html., aufgerufen am 30. Januar 2008. 

8 Vgl. Einladung zu einer außerordentlichen Gemeindeparlamentssitzung gerichtet an Kage, gezeichnet durch den derzeitigen Vorsitzenden Krause. in: PA Richard Kage. Ein weiterer Hinweis für seine Aktivitäten und bürgerschaftliches Engagement in Zeuthen war sein Vorsitz im Zeuthener Siedlerverein.  

9 Sein Sohn Richard, der damals Leiter der Berufsfeuerwehr im Werk für Schwermaschinenbau in Wildau war, konnte seinen Parteibeitritt ebenso verhindern. Er wurde damals auf Grund seiner Stellung im Betrieb mehrmals von Partei und Betriebsvorstand vorgeladen. Diese Gesinnung lässt auf die Erziehung und den Einfluss des Vaters schließen, der ebenfalls nie begeisterter Anhänger der Parteilinie (der SED) war, vgl. Interview mit Sohn Richard Kage am 29. Januar 2008.  

Soziale/Regionale Herkunft: Zweites Kind des Rollkutschers Karl Kage / aufgewachsen im Görlitzer Viertel in Berlin- Kreuzberg

Ausbildung/Berufstätigkeit: 1924-1927 Bäckerlehre /ab 1927 Ausbildung als Konditor/ab 1945 Spezialtransportarbeiter bei Krupp und Druckenmüller, Werk Wildau

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition (RGO)

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: KPD-Mitglied/ Rote Jungfront, Kommunistische Jugend, Rote Hilfe, internationale Arbeiterhilfe

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: Beteiligung an Widerstandstätigkeit der illegalen KPD

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 12. August 1933 – 07. November 1933 KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: um 1952 Vertreter der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) im Gemeindeparlament Zeuthen; parteilos

Erinnerungskultur/Ehrungen: keine

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