Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
8. Oktober 1913 - ?

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Passfoto aus dem Antrag als VdN, Quelle: BLHA, Rep. 2 A Regierung Potsdam I Pol, Nr. 1186.

Passfoto aus dem Antrag als VdN, Quelle: BLHA, Rep. 2 A Regierung Potsdam I Pol, Nr. 1186.

Erwin Hohm war eines der jüngsten aktiven Mitglieder der KPD-Ortsgruppe seines Heimatortes. Bereits in jungen Jahren übernahm er die Funktion des Organisationleiters des Kommunistischen Jugendverbandes. Im Alter von 20 Jahren kam er im August 1933 gemeinsam mit anderen Kommunisten aus Zeuthen in das Konzentrationslager Oranienburg. Nach seiner Entlassung stand er weiter unter besonderer Beobachtung der örtlichen Polizei. Im August 1939 zog man ihn zur Wehrmacht ein, dort kämpfte er bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. 1959 verließ Hohm die DDR und ging nach Westdeutschland.

Von Lisa Dittrich

Erwin Hohm wurde am 8. Oktober 1913 in Eichwalde als Sohn des gelernten Weichenstellers Emil Hohm geboren. Nach Abschluss der Gemeindeschule absolvierte er eine Lehre von dreieinhalb Jahren als Koffermacher bei der Firma Heinrich Stöhr in Berlin. Nach seiner Lehrzeit wurde er, im Zuge der Stilllegung des Betriebes, entlassen.
Bereits als Jugendlicher war Hohm als Mitbegründer des Kommunistischem Jugendverbandes (KJVD) in Eichwalde1 politisch aktiv. 1931 zog er nach Zeuthen, trat dort dem Roten Sportverein bei und half als Organisationsleiter beim Aufbau des KJVD in Zeuthen-Miersdorf. Neben seinem Engagement für die KPD arbeitete Hohm, der arbeitlos war, auch aktiv als Jugendvertreter im Erwerbslosenausschuss der Gemeinde Zeuthen-Miersdorf mit. Anlässlich der Wahlen Anfang März 1933 half er, das „Rote Sprachrohr“ der KPD zu verteilen2.
Nach der „Machtergreifung” der Nationalsozialisten wurde Erwin Hohm, der zu dieser Zeit noch nicht volljährig war, von der Polizei mehrfach aufgegriffen und vernommen. Im März und Juli 1933 verhaftete die Polizei ihn zweimal für wenige Tage, ließ ihn aber wieder frei. Hausdurchsuchungen waren laut Hohms Aussage an der Tagesordnung; bei diesen wurde persönliches Eigentum, wie z. B. Fahrräder, beschlagnahmt, um mögliche Aktionen für die illegale KPD zu unterbinden.
Anfang August 1933 verhaftete die Polizei Erwin Hohm als einzigen Minderjährigen aus der KPD-Ortsgruppe in Zeuthen abermals und brachte ihn in das Konzentrationslager Oranienburg. Dort musste er regelmäßig körperliche Züchtigungen erleiden. Im September 1933 kam er mit einem großen Transport in das Konzentrationslager Sonnenburg[3].
Nach eigener Aussage wurde Erwin Hohm im August 1934 aus dem KZ Sonnenburg entlassen und musste sich nach seiner Freilassung regelmäßig bei der Polizei melden.
Im Jahre 1934 fand er Arbeit als Kutscher im Milchhandel bei der Firma Böckenkamm4, die ihn drei Jahre lang beschäftigte. 1937 stellte ihn dann die Reichsbahn ein, entließ ihn jedoch nach vier Wochen wieder. Da seine “Schutzhaft“ im Konzentrationslager Oranienburg bekannt geworden war, entsprach Hohm nicht mehr den Anforderungen der Reichsbahn, die nur „volkstreue“ Mitarbeiter beschäftigte, so dass der ehemalige Häftling sich abermals nach einer Beschäftigung umschauen musste. Hohm erhielt schließlich eine Arbeit als Tiefbauarbeiter.
Wie Erwin Hohm waren die meisten KPD-Mitglieder aus Zeuthen nach ihrer Entlassung aus der „Schutzhaft“ Stigmatisierungen und Denunziationen im Heimatort ausgesetzt. Einige der Parteikollegen wie Paul Mehlis und Max Seidel verließen deshalb Zeuthen und zogen nach Berlin. Erwin Hohm blieb in seinem Heimatort. Im Mai 1935 hielt der Polizeihauptwachtmeister in seinen „Beobachtungen“ der verdächtigen Personen und ehemaligen Häftlinge aus dem KZ Oranienburg fest, dass Erwin Hohm und Otto Richter „dem Nationalsozialismus und der derzeitigen Regierung noch stark entgegen stehen5“.

1938 heiratete Erwin Hohm. Im Jahr darauf kam sein erstes Kind, ein Sohn, zur Welt. Zeitgleich nahm er 1939 eine neue Tätigkeit im Bereich Schwermaschinenbau in Wildau6 auf, die er jedoch bald wieder beenden musste, da er am 28. August 1939 zur Wehrmacht eingezogen wurde. Er verrichtete mehr als fünf Jahre als Pferdehalter bei der Transportkolonne Kriegsdienst, bis er im Februar 1945 wegen Untauglichkeit entlassen wurde.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Hohm nach Zeuthen zurück und engagierte sich als Mitglied des vorbereitenden Ausschusses zur Wiedergründung der KPD-Ortsgruppe. Er übernahm abwechselnd mehrere Funktionen in der Zeuthener KPD und, nach dem Parteizusammenschluss von SPD und KPD, in der SED. Erwin Hohm trat außerdem dem FDGB bei.
Am 13.Oktober 1959 aberkannte der Rat des Kreises Königs Wusterhausen Erwin Hohm die „Anerkennung als Verfolgter des Naziregimes“ (VdN). Die Begründung lautete: „Verlassen der DDR7“.

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1 Vgl. OdF- Akte Erwin Hohm, in: BLHA, Rep. 2 A, Regierung Potsdam, I Pol, Nr.1186. 

2 Die Ortsgruppe Zeuthen druckte und verteilte das “Rote Sprachrohr” seit 1929 regelmäßig. Vgl. Archiv der Heimatfreunde Zeuthen e.V. 

3 Mit dem gleichen Transport wurden möglicherweise auch einige Parteikollegen aus Zeuthen wie Hermann Hoffmann und Heinrich Vogt nach Sonnenburg gebracht. Alfred Purann wurde laut Akten am 2. Oktober 1933 dorthin verlegt.  

4 Vgl. Archiv der Heimatfreunde Zeuthen e.V.: Es handelt sich hier um Beobachtungen wie einen Bericht vom April 1935 des Polizeihauptwachtmeisters in Zeuthen an den Landrat des Kreises Teltow. Otto Richter, ein Parteikollege Erwin Hohms, stand hier unter besonderer Beobachtung. Er traf in besagtem Zeitraum (April 1935) unter anderem mit Erwin Hohm zusammen. Die Unterhaltung wurde vom Polizeihauptwachtmeister als „harmlos“ eingestuft. 

5 Vgl. Archiv der Heimatfreunde Zeuthen e.V. 

6 Das Werk in Wildau war einer der größten Arbeitgeber in der Region. Im Jahre 1851 gründete Louis Schwartzkopff die „Eisengießerei und Maschinenbauanstalt von L. Schwartzkopff”. Die Gründung der AG erfolgte am 1.7.1870 unter Übernahme der Firma L. Schwartzkopff, Berlin, einem der wichtigsten Lokomotivhersteller. Ab 1951 nennt sich die Firma Berliner Maschinenbau-AG, vgl. http://www.nonvaleur-shop.de/historische-wertpapiere/berliner-maschinenbau-ag-vormals-schwartzkopff-p-283.html, aufgerufen am 3. Februar 2008. 

7 Vgl. OdF-Akte Erwin Hohm.
 

Soziale/Regionale Herkunft: Der Vater Emil Hohm war Weichensteller/ geboren in Eichwalde

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ausbildung als Koffermacher/ Ab 1931 arbeitslos nach Abschluss der Lehre/ 1934 nach KZ- Entlassung Kutscher im Milchhandel

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: keine

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: KPD- Mitglied/ Organisationsleiter der KJVD/ Roter Sportverein

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: Widerstandstätigkeit für die illegale KPD, Verteilung der Parteizeitung „Rotes Sprachrohr“

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: August 1933 – September 1933 KZ Oranienburg/ September 1933 – August 1934 KZ Sonnenburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Mitglied des vorbereitenden Ausschusses zur Wiedergründung der KPD- Ortsgruppe Zeuthen/ 13.Oktober 1959 Aberkennung als VdN, wegen Verlassens der DDR

Erinnerungskultur/Ehrungen: keine

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