Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
5. August 1892 - ?

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Der Schutzhaftbefehl von Heinrich Vogt. Zu Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten sahen diese wie oben abgebildet aus. Später waren diese rot. Quelle: BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/42.

Der Schutzhaftbefehl von Heinrich Vogt. Zu Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten sahen diese wie oben abgebildet aus. Später waren diese rot. Quelle: BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/42.

Heinrich Vogt war Mitglied der KPD-Ortsgruppe Zeuthen-Miersdorf. Er betrieb in Zeuthen einen eigenen Zeitungskiosk, über den er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten illegale Zeitungen verbreitete. Im August 1933 verhaftete die Polizei Heinrich Vogt gemeinsam mit anderen Kommunisten aus Zeuthen und brachte sie nach zweitätigem Verhör in das Konzentrationslager Oranienburg. Sechs Monate später wurde er entlassen und dienstverpflichtet. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges zog er nach Schulzendorf und arbeitete dort als Gemeindearbeiter.

Von Lisa Dittrich

Heinrich Johann Vogt wurde am 5. August 1892 in Kassel geboren. Nach dem Besuch der Volksschule begann er eine Lehre als Schlosser; sein Vater war Schlossermeister. Nach Abschluss der Lehre ging er auf Wanderschaft und arbeitete in Breslau, Nürnberg, Berlin und Bochum. Anschließend besuchte Heinrich Vogt ab 1914 die Schlosser-Fachschule „Roßwein Sachs“ in Roßwein bei Taubenheim in Sachsen. Kurz darauf erfolgte seine Einberufung als Soldat. Er wurde Kraftfahrer bei der Feldartillerie und leistete bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Dienst als Soldat1.
Nach Kriegsende kehrte Vogt zu den Eltern in seine Heimat Kassel zurück. Er geriet im Laufe der Zeit jedoch immer wieder wegen seiner Nähe zum Kommunismus in Streitigkeiten mit seinen Eltern, die beide SPD-Mitglieder waren. Deshalb ging er nach Berlin, wo er bereits für einige Zeit während seiner Wanderschaft gearbeitet hatte. Heinrich Vogt blieb lange arbeitslos und zog schließlich ins nahe gelegene Zeuthen. Er fand eine Beschäftigung im Schwermaschinenbau in Wildau, ganz in der Nähe von Zeuthen2.
In Zeuthen trat Vogt nach kurzer Zeit der KPD bei und schloss sich der hiesigen Ortsgruppe an. 1929 übernahm er einen Zeitungskiosk in Zeuthen und machte sich selbstständig. Über den Kiosk verbreitete er nach 1933 illegale Parteizeitungen und kommunistische Schriften.
Auf Grund seiner illegalen Aktivitäten und seiner politischen Einstellung verhaftete die Polizei Heinrich Vogt Mitte 1933 zusammen mit weiteren Kommunisten aus Zeuthen und Umgebung. Zunächst verhörte der Landjägermeister Puls die Verhafteten. In diesen Verhören ging es vor allem darum, herauszufinden, ob die Zeuthener KPD-Gruppe illegal weiter existierte. Alle Verhafteten leugneten, nach März 1933 noch Mitgliedsmarken der KPD erhalten zu haben und illegal aktiv gewesen zu sein3.
Am zweiten Tag nach der Festnahme überstellte man die Gruppe schließlich in das Konzentrationslager Oranienburg, wo Vogt mehrere Wochen lang festgehalten wurde. Für die Kosten einer medizinischen Behandlung Ende August 1933 im Lager musste der „Schutzhäftling“ bzw. der Bezirksfürsorgeverband (Zeuthen) unter Verweis auf § 7 der Fürsorgepflichtverordnung selber aufkommen4.
Einen Monat nach seiner Verhaftung, am 7. September 1933, wurde Heinrich Vogt in das KZ Sonnenburg überführt. Nach sechs Monaten Haft kam er Mitte Februar 1934 frei. Es gab nie eine Gerichtsverhandlung. Die Nationalsozialisten verpflichteten Heinrich Vogt direkt nach seiner Entlassung zum „Dienst am Vaterland“.

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft zog Vogt in den Nachbarort Schulzendorf. Dort nahm er seine Arbeit als selbstständiger Zeitungshändler wieder auf. Ab Juli 1953 war er beim Rat der Gemeinde Schulzendorf beschäftigt.
Der weitere Lebensweg Heinrich Vogts ließ sich nicht ermitteln.

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1 Die Angaben sind dem Antrag von Heinrich Vogt für die Anerkennung als Verfolger des Naziregimes (VdN) entnommen. Bürgen des Antrags waren unter anderem Erich Schöbel und Erwin Hohm. Sie waren Parteikollegen von Heinrich Vogt und wie er Häftling im KZ Oranienburg. Vgl. BLHA, Rep. 401, Bezirkstag und Rat des Bezirkes Potsdam, VdN-1854. 

2 Das Werk in Wildau war einer der größten Arbeitgeber in der Region. Im Jahre 1851 gründete Louis Schwartzkopff die “Eisengießerei und Maschinenbauanstalt von L. Schwartzkopff”. Die Gründung der AG erfolgte am 1. Juli 1870 unter Übernahme der Firma L. Schwartzkopff, Berlin, eines der wichtigsten Lokomotivhersteller. Ab 1951 nannte sich die Firma Berliner Maschinenbau-AG. Vgl.: http://www.nonvaleur-shop.de/historischewertpapiere/berliner-maschinenbau-ag-vormals-schwartzkopff-p-283.html, aufgerufen am 3.Februar 2008. 

3 Vgl. Verhörprotokoll, in: BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 4/2. 

4 Vgl. Schreiben des KZ Oranienburg an den Kreisausschuss des Kreises Teltow, in: BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/42.
 

Soziale/Regionale Herkunft: Sohn einer sozialdemokratischen Handwerkerfamilie in Kassel, der Vater war Schlossermeister

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ausbildung als Bauschlosser/ 1929 Übernahme eines Zeitungskiosk in Zeuthen als selbstständiger Zeitungshändler tätig/ Zur Zeit der Verhaftung 1933 selbstständiger Zeitungshändler

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: keine

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: KPD-Mitglied

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: Widerstandstätigkeit für die illegale KPD (illegaler Zeitungsvertrieb)

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 12.August 1933 - 07.September 1933 KZ Oranienburg / 7.September 1933 – Februar 1934 KZ Sonnenburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Parteilos

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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