Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
2. November 1905 - 1. August 1990

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Walter Benzmann (Quelle: LAB C Rep. 118-01, Nr. A12397)

Walter Benzmann (Quelle: LAB C Rep. 118-01, Nr. A12397)

Am 6. Mai 1933 schien es für Walter Ernst Otto Benzmann noch einmal gut gegangen zu sein. Ihm und vier weiteren Kommunisten war wenige Tage nach dem Reichstagsbrand ein Sprengstoff-Vergehen vorgeworfen worden – wegen Mangels an Beweisen wurden die Angeklagten vom Landgericht Berlin aber “außer Verfolgung” gesetzt1. Es dauerte jedoch nur drei Monate, bis Benzmann erneut verhaftet wurde – diesmal, um ihn für 67 Tage im Konzentrationslager Oranienburg festzuhalten.

Von Günter Bartsch

“Über die dortige Behandlung brauche ich wohl nicht berichten, es genügt, dass ich meine Zähne verlor und [mir] dadurch ein äußerst unangenehmes Magenleiden zuzog”, schreibt Benzmann in seinem Antrag zur Anerkennung als Opfer des Faschismus (OdF) über seinen KZ-Aufenthalt2. Der kommissarische Bürgermeister von Benzmanns Heimatstadt Strausberg, der Nationalsozialist Röhr, hatte die “Schutzhaft” wie folgt begründet: “Die Obengenannten wurden deshalb in Haft genommen, weil sie gegen die ihnen bei ihrer Entlassung aus der polizeilichen Schutzhaft gemachten Auflagen sich des Öfteren vergangen haben.” Gleichzeitig mit Benzmann waren auch die Strausberger Walter Kühne, Wilhelm und Albert Karow, Walter Günzler, Paul Goldschmidt, Otto Hornburg und Alfred Götze ins Konzentrationslager verschleppt worden3.

Benzmann war unübersehbar ein Feind des Nationalsozialismus: Nach eigenen Angaben war er bereits als Lehrling Mitglied der Gewerkschaftsjugend und wurde Funktionär, bevor er zur RGO überging. Wie aus einer Bescheinigung der SED-Ortsgruppe Strausberg vom 18. November 1946 hervorgeht, war der gelernte Schlosser ab 1931 KPD-Mitglied und Mitglied im Kampfbund gegen den Faschismus, deren Gruppe Strausberg-Vorstadt er kurz nach seinem Beitritt auch leitete. Alfred Götze bescheinigt ihm, dass er sich auch im KZ “als Genosse gezeigt und bewährt” habe. Das sahen offenbar auch die Nazis ähnlich: Laut OdF-Antrag stand Benzmann nach seinem KZ-Aufenthalt bis 1936 unter Polizeiaufsicht. Dreimal täglich musste er sich auf dem Revier 291 melden, Berlin durfte er ohne Genehmigung der Gestapo nicht verlassen. “Während dieser Zeit stand ich in loser Verbindung mit der illegalen Betriebsgruppe der KPD bei der Firma Prometheus, Reinickendorf. Die damalige illegale Zeitung ‘Rote Fahne’ brachte ich per Fahrrad [von Neukölln] bis nach Charlottenburg.” Sein damaliger Vermieter Alfred Gohlke bestätigt die Widerstandstätigkeit: Benzmann habe ihm illegale Schriften und die “Rote Fahne” gegeben. Die Bürgin Margarete Redlow spricht von antifaschistischen Zusammenkünften in Berlin-Charlottenburg, an denen Benzmann beteiligt gewesen sei. “Der Kampf gegen den Faschismus in Wort und Schrift – wenn auch nicht in fester Verbindung mit einer illegalen Gruppe – war äußerst schwer und gefahrenreich”, so Benzmann selbst.

Nach dem Krieg lebte Benzmann mit seiner Frau Dora (geborene Golling, 1. Oktober 1907) und seiner Tochter Jutta (geb. am 6. Mai 1942) in Berlin-Reinickendorf und arbeitete im dortigen Bezirksamt. Wahrscheinlich Anfang der 50er Jahre zog die Familie nach Pankow. Benzmann war Mitglied des Bezirkskomitees Berlin der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR und stellvertretender Vorsitzender der Bezirksveteranenkommission.

Als anerkannter Verfolgter des Naziregimes (VdN) erhielt er ab 1965 eine Ehrenpension. 1970 wurde er mit dem Orden “Banner der Arbeit” geehrt, 1975 wurde ihm der Vaterländische Verdienstorden in Gold unter anderem für seine “Standhaftigkeit im antifaschistischen Widerstandskampf” und seinen “selbstlosen Einsatz beim Aufbau des Sozialismus in der DDR” verliehen. 1982 erhielt er die Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus 1933-1945.

Walter Benzmann starb am 1. August 1990 im Alter von 84 Jahren.

1 OdF-Akte Walter Benzmann, LA Berlin, C Rep. 118-01, Nr. A12397 (hier: Abschrift des Urteils des Landgerichts III, Strafkammer I, Berlin vom 06.05.1933). 

2 Ebd. (hier: Lebenslauf vom 06.11.1946). 

3 Vgl. BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 4/2, Bl. 331-333. 

Soziale/Regionale Herkunft: Strausberg

Ausbildung/Berufstätigkeit: Schlosser; bis 1932 Reichsbahn-Angestellter; nach 1945 Bezirksamt Reinickendorf

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: ab 1921 Allgemeiner Eisenbahnerverband, RGO

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: ab 1931 KPD; Organisationsleiter KJVD/Roter Sportverein, Staffelführer Kampfbund gegen den Faschismus

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: Widerstandstätigkeit ohne Verbindung mit einer illegalen Gruppe

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: KZ Oranienburg: 03.08.-09.10.1933

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: An der Bildung des Volkskomitees beteiligt; SED-Mitglied

Erinnerungskultur/Ehrungen: Banner der Arbeit, Vaterländischer Verdienstorden in Gold

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