Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg

Grenzenlose Willkür war von Beginn an konstitutives Element der nationalsozialistischen Herrschaft. Nach der „Reichstagsbrandverordnung“ vom Februar 1933 machte das Mittel der „Schutzhaft“, von jeglicher Rechtsstaatlichkeit losgelöst, den Weg frei für ausufernden Terror, der das bereits brutalisierte und militarisierte Alltagsgeschehen weiter verschärfte. In Polizeirevieren, Konzentrationslagern, Gefängnissen oder in spontan eingerichteten Prügel- und Folterstätten wurde Gewalt gegen Häftlinge gezielt eingesetzt, vor allem gegen Angehörige besonders missliebiger Gruppen wie zum Beispiel Juden. Eine Odyssee durch mehrere dieser Einrichtungen und nicht enden wollende Misshandlungen waren für viele Gefangene die Regel.
In den Konzentrationslagern war die Gewalt zu jeder Zeit allgegenwärtig und drohte den Häftlingen in allen Phasen ihres Aufenthalts, von der Einlieferung bis zur Entlassung, von morgens bis in die Nacht hinein. Physische und psychische Gewalt gingen dabei ineinander über und konnten bis zum Tod führen.
Demütigungen und Schikanen nahmen die verschiedensten Formen an und reichten von Beschimpfungen über öffentliches Bloßstellen bis zum Zwang zu erniedrigenden Handlungen. Euphemistisch als „Sport“ bezeichnete Übungen, die sich am militärischen Drill orientierten und bei denen Gefangene ohne Rücksicht auf Alter und körperlichen Zustand sich verausgaben mussten, ergänzten Misshandlungen wie Prügel und Tritte. Besonders aber der Einsatz von Dunkelarrest bedeutete für die betroffenen – oft zu Dutzenden zusammengepferchten – Häftlinge tage- oder wochenlange Qualen durch Gewalt, die Verweigerung von Essen, Trinken und Austreten und die Konfrontation mit elementaren Ängsten. Im Falle der „Stehbunker“ in Oranienburg – von den Häftlingen „Steinsärge“ genannt – wurden diese Qualen durch Isolation und die Enge der Zelle, die zum aufrecht Stehen zwang, noch verschärft.
Viele Häftlinge erlitten durch diese Formen von Folter, roher körperlicher und seelischer Gewalt bleibende Schäden oder gar den Tod.

Impressum

* Mit dankenswerter Genehmigung durch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entnommen aus: Gegen das Vergessen. Häftlingsalltag im KZ Sachsenhausen 1936-1945, CD-ROM, Systema 2004.