Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
14. Juni 1903 - 9. Januar 1982

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Von Arnd Groß

Erwin Brose wurde am 14. Juni 1903 als erster Sohn des Eisenbahners Ferdinand Brose und dessen Ehefrau Luise in Berlin geboren. Nach dem achtjährigen Besuch der Gemeindeschule lernte Brose vier Jahre lang das Stellmacherhandwerk. Bis in die späten 20er Jahre arbeitete Brose bei verschiedenen Firmen in seinem Beruf. Am 8. September 1929 nahm er dann eine Stellung als Wagenwäscher bei der Berliner Verkehrsaktiengesellschaft an. Im März 1930 wechselte Brose – unterbrochen von einer kurzen Arbeitslosigkeit – in einen anderen Betriebsteil der Verkehrsbetriebe und konnte fortan wieder als Stellmacher in der Omnibushauptwerkstatt tätig werden. Im Dezember 1931 heiratete er Hedwig Uhr. Brose war Mitglied der SPD und des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes. Bei den Verkehrsbetrieben wählten ihn die Kollegen zum Vertrauensmann. Sein Engagement führte, nachdem die Nazis die Macht übernommen hatten, zu seiner Entlassung und Verhaftung. Am 10. August wurde er von den Berliner Verkehrsbetrieben gemaßregelt und entlassen. Laut eines Schreibens des Landjägerpostens Schönwalde (b. Berlin) vom 29. August 1933 soll Brose öffentlich die NSDAP beleidigt und herabgewürdigt haben. Brose wurde verhaftet und am 30. August 1933 in das KZ Oranienburg eingeliefert. Sein erblindeter Schwiegervater Karl Uhr schrieb am 29. September 1933 an die zuständigen Stellen und bat um die Entlassung seines Schwiegersohnes. Dieser Zeitpunkt erschien der Polizei jedoch noch zu früh. Sie entließ Erwin Brose erst am 10. Oktober 1933 aus der Haft. Er kehrte nach Berlin zurück, wo er bis 1944 in einer Karosseriefabrik arbeitete. Am 24. Februar 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und geriet in Italien in Gefangenschaft.
Broses erste Anlaufstelle in Berlin waren wieder die Verkehrsbetriebe (BVG), die ihn aufgrund seiner politisch motivierten Entlassung gern wieder einstellten. Dort arbeitete er bis zu seinem Ruhestand Ende 1967 als Schaffner. Eine Entschädigung für die KZ-Haft und die verlorenen Betriebszugehörigkeitsjahre mußte Brose sich erkämpfen. Er verstarb am 9. Januar 1982.

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Quellen:

  • Betriebsarchiv der Berliner Verkehrsbetriebe.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/4, Bl. 127-133.

Soziale/Regionale Herkunft: Sohn eines Eisenbahners; Berlin

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ausbildung als Stellmacher; Berufstätigkeit als Stellmacher und Wagenwäscher

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Mitglied im Deutschen-Holzarbeiter-Verband; Vertrauensmann bei den Berliner Verkehrsbetrieben

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 30. August 1933 - 10. Oktober 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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