Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
21. Februar 1895 - 7. Juni 1964

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Max Hesse.
Quelle: Weber, Hermann, Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik, Bd. 2, Frankfurt/Main 1969.

Max Hesse. Quelle: Weber, Hermann, Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik, Bd. 2, Frankfurt/Main 1969.

Von Arnd Groß

Max Hesse wurde am 21. Februar 1895 in Berlin geboren. Sein Vater Wilhelm gehörte zu den Mitbegründern des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV) in Berlin. Obwohl Max Hesse zu den 20 besten Volksschulabsolventen zählte, wurde ihm ein Stipendium zur Erlangung der Reifeprüfung verweigert, weil sein Vater 1908 wegen seiner Parteibetätigung aus Preußen ausgewiesen worden war. Hesse lernte Mechaniker und trat 1912 dem DMV bei. Nachdem er in Skandinavien auf Wanderschaft gegangen war, wurde er Monteur bei Siemens. Ab 1914 war er als Soldat an der Westfront eingesetzt. Nach dreimaliger Verwundung kehrte Hesse 1916 nach Berlin zurück. Dort wurde er Mitglied der revolutionären Obleute.
Wegen seiner Beteiligung am Brotkartenstreik im Herbst 1917 wurde Hesse erneut eingezogen, desertierte jedoch. Im Dezember verhaftet und zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, bekam er im Februar 1918 sogenannte Frontbewährung. Nach Kriegsende war er Mitglied eines Soldatenrates, des Spartakusbundes und der KPD; 1919 Vorsitzender der Partei in Berlin-Charlottenburg. Von März bis September 1919 war er inhaftiert.
In der Zeit von 1920 bis 1923 war Hesse Betriebsratsvorsitzender der Firma Lorenz.
Er gehörte zur Parteilinken und bekleidete Funktionärsposten innerhalb der KPD und im Exekutiv­komitee der Kommunistischen Internationale (EKKI). Von 1924 bis 1926 lebte und arbeitete Hesse als Delegierter der KPD für das „Orgbüro“ des EKKI im Moskauer Exil; in Deutschland drohte ihm wegen seiner Beteiligung an der Vorbereitung zur kommunistischen Revolution 1923 die Verhaftung. Nach seiner Amnestierung kehrte Hesse nach Deutschland zurück.
Wegen seiner Betätigung für die Parteilinke entband ihn die Führung im November 1927 von allen Funktionen und entfernte ihn im Dezember aus der Partei.
Max Hesse wurde Mitbegründer des Leninbundes. Im Frühjahr 1929 erfolgte der Übertritt zur SPD, deren Bezirksvorsitzender für Charlottenburg er im Jahre 1933 wurde. In dieser Zeit war Hesse auch als Taxifahrer im größten Berliner Droschkenbetrieb beschäftigt und saß dort dem Betriebsrat vor.
Am 15. März 1933 wurde Max Hesse als „Kommunist“ verhaftet und in das KZ Oranienburg verschleppt. Von hier aus glückte ihm die Flucht. Hesse konnte sich nach Amsterdam durchschlagen, wo er unter falschem Namen lebte. Als Mitarbeiter Edo Fimmens betätigte er sich dann für die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) und leitete nach der Besetzung der Niederlande eine Widerstandsgruppe. Die Gestapo verhaftete Hesse 1941 und internierte den als Holländer Getarnten im Konzentrationslager Verght. Im September des Jahres 1944 gelang ihm erneut die Flucht aus dem Konzentrationslager. Bis Kriegsende lebte er in Amsterdam.
Zwei Jahre später ging Max Hesse zurück nach Deutschland. Im ostfriesischen Emden arbeitete er bis 1960 als Sekretär der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr. Er war Mitglied der SPD. Max Hesse starb am 7. Juni 1964 in Hamburg.

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Quellen:

  • Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd. 1, Politik, Wirtschaft, öffentliches Leben, Leitung und Bearbeitung Werner Röder und Herbert A. Strauss, München 1980, S. 292.
  • Weber, Hermann: Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik, Bd. 2, Frankfurt/M. 1969, S. 161.
  • Zimmermann, Rüdiger: Der Leninbund. Linke Kommunisten in der Weimarer Republik, Düsseldorf 1978.

Soziale/Regionale Herkunft: Berlin; Vater Wilhelm gehörte zu den Mitbegründern des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV) in Berlin

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ausbildung als Mechaniker; Monteur bei Siemens; Taxifahrer

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: ab 1912 DMV; 1920 bis 1923 war Hesse Betriebsratsvorsitzender der Firma Lorenz; Vorsitzender des Betriebsrates im größten Berliner Droschkenbetrieb

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: KPD; 1919 Vorsitzender in Berlin-Charlottenburg; Funktionärsposten innerhalb der KPD und im Exekutiv­komitee der Kommunistischen Internationale (EKKI); 1924 bis 1926 lebte und arbeitete er als Delegierter der KPD für das „Orgbüro“ des EKKI im Moskauer Exil; 1929 Übertrit zur SPD; 1933 Bezirksvorsitzender in Charlottenburg

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: Widerstandsgruppe in den Niederlanden

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 15. März 1933: KZ Oranienburg; Flucht nach Amsterdam; 1941: KZ Verght; 1944: Erneute Flucht

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Sekretär der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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