Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
20. Mai 1884 - 1959

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Von Sophie Jänicke

Otto Körting wurde am 20. Mai 1884 in Jessnitz (Anhalt) als Sohn einer kleinbäuerlichen Familie geboren. Nach Besuch der Volksschule in Bobbau absolvierte er eine Schlosserlehre und besuchte zwei Jahre die Berufsschule. Von 1902 bis 1908 arbeitete er, zum Teil auf Wanderschaft, als Schlosser und Maschinist. Zu Beginn dieser Tätigkeit wurde er Mitglied der SPD und des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Ab 1908 bekleidete Otto Körting vielfältige Partei- und Gewerkschaftsämter. So war er von 1909 bis 1926 Gemeindevertreter für die SPD in Bobbau, danach wurde er bis 1933 Amts- und Gemeindevorsteher des Ortes. Weiterhin war er ab 1920 Mitglied des Anhaltischen Landtages und des Kreistages von Dessau. In den AGFA-Filmwerken, in denen er in den 20er Jahren beschäftigt war, war Körting von 1920 bis 1926 Betriebsratsvorsitzender.
1933 wurde Körting auf Grund seiner politischen Tätigkeiten verhaftet und war acht Monate im KZ Oranienburg inhaftiert. Nach seiner Entlassung verdingte er sich als Landarbeiter in seiner Heimat und stieg zum Leiter eines landwirtschaftlichen Betriebes auf. 1940 kam Körting erneut in Polizeihaft, diesmal allerdings nur für einige Wochen.
Im Zuge der Aktion Gitter nach dem 20. Juli wurde Körting im August 1944 für vier Monate in das KZ Buchenwald verschleppt.
Nach seiner Entlassung ließ er sich als Landwirt in Bobbau nieder.
Nach Kriegsende wurde er, als Sozialdemokrat, in Sachsen-Anhalt Vorsitzender des Provinz­ausschusses der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe. Er war Mitglied der Landesbodenkommission und arbeitete an der Vorbereitung der Bodenreform mit. Als Landwirt engagierte er sich im Vorstand des Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften und der Genossenschaftsbank und war Mitglied in der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft.
1950 wurde Körting auf Grund seiner SPD-Mitgliedschaft jedoch aller Ämter enthoben. Er starb 1959 in Dessau.

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Quellen:

  • Handbuch Landtag Sachsen-Anhalt, bearbeitet im Auftrage des Landtagspräsidenten Dr. Kurt von Schwarte, Halle/Sa. 1946/47, S. 298.
  • Schröder, Wilhelm-Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den Deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933. Biographien – Chronik – Wahldokumentation. Ein Handbuch, Düsseldorf 1995, S. 561.

Soziale/Regionale Herkunft: Jessnitz (Anhalt); Sohn einer kleinbäuerlichen Familie

Ausbildung/Berufstätigkeit: Schlosserlehre und zwei Jahre Berufsschule; 1902 bis 1908 arbeitete er, zum Teil auf Wanderschaft, als Schlosser und Maschinist; In den 20er Jahren Angestellter bei den AGFA-Filmwerken

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: DMV; 1920 bis 1926 Betriebsratsvorsitzender bei den AGFA-Filmwerken

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: Ab 1920 Mitglied des Anhaltischen Landtages und des Kreistages von Dessau

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 1933 für acht Monate im KZ Oranienburg; Ab August 1944 für vier Monate im KZ Buchenwald

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Mitglied der Landesbodenkommission und Mitarbeit an der Vorbereitung der Bodenreform; Vorstand des Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften und der Genossenschaftsbank; Mitglied in der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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