Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
16. Mai 1896 - 9. November 1967

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Peter Asmussen mit seinem Sohn, 1943.
Quelle: PA Frieda Schulz.

Peter Asmussen mit seinem Sohn, 1943. Quelle: PA Frieda Schulz.

Von Albert Krämer

Peter Christian Andreas Asmussen kam am 16. Mai 1896 in Flensburg als erster von vier Söhnen des Hafenarbeiters Jens Peter Asmussen zur Welt. Nach seiner Volksschulzeit erlernte er von 1911 bis 1915 das Zimmerhandwerk bei einem Flensburger Zimmerer. Mit Beendigung seiner Lehre trat Asmussen dem Zentralverband der Zimmerer sowie der SPD bei und engagierte sich in der Sozialistischen Arbeiterjugend. Bis zu seiner Einberufung zum Militärdienst im September 1915 war er als Zimmerergeselle in Flensburg beschäftigt.
Peter Asmussen gehörte während seiner Militärzeit dem 23. Pionier-Bataillon aus Graudenz an. Im Jahr 1917 bekam er das Eiserne Kreuz (E.K.II) verliehen. Nach seiner Entlassung vom Militär im Juli 1918 – er war im Krieg schwer verwundet worden – konnte er zunächst wieder Arbeit als Zimmerergeselle in Flensburg finden. Kurze Zeit später verlor Asmussen auf Grund der wirtschaftlich schlechten Lage seine Beschäftigung. Die Arbeitslosigkeit zwang ihn, sich auch anderorts nach Arbeit umzuschauen. Dadurch kam er im Mai 1919 nach Jüterbog. Dort ließ er sich nieder und heiratete im Mai 1921 seine Verlobte Frida Hake. Aus dieser Ehe gingen später zwei Kinder hervor. In der Zeit von 1919 bis 1933 übernahm Peter Asmussen eine Reihe von kommunalpolitischen und gewerkschaftlichen Aufgaben in Jüterbog. In der SPD Jüterbog wurde er beispielsweise 1926 Vorsitzender des Wahlvereins und gleichzeitig Mitglied des Unterbezirksvorstandes. Als Mitglied des Zentralverbandes der Zimmerer, Zahlstelle Jüterbog, übte Asmussen in diesem Zeitraum unterschiedliche Funktionen aus. Er war zeitweise als Betriebsrat (Artillerieschule Jüterbog) und Vertrauensmann gewerkschaftlich tätig sowie Delegierter der Gewerkschaft für die Zahlstelle Jüterbog. Er nahm in seiner Funktion als Delegierter der 134. Wahlabteilung am 7. und 8. außerordentlichen Verbandstag der Zimmerer, 1929 und 1931, und am 25. Verbandstag der Zimmerer im Jahr 1929 teil. Nach seinen eigenen Angaben wählte man ihn zuletzt zum Vorsitzenden der Zahlstelle Jüterbog. In dieser Eigenschaft übernahm Asmussen auch die Vertretung des Verbandes beim Arbeits- und Landesarbeitsgericht.
Nachdem Peter Asmussen auf Verlangen der NSDAP-Kreisleitung seine Anstellung als Zimmerer und Tischler bei der Artillerieschule Jüterbog verlor, wurde er laut eigener Aussage wegen des Vorwurfs der „Führerbeleidigung“ am 13. Juli 1933 in „Schutzhaft“ genommen. Vom Gerichtsgefängnis Jüterbog kam er am 7. August 1933 in das Konzentrationslager Oranienburg. Dort musste er laut eigener Darstellung am Einbau von Betten mitwirken. Für einige Tage wurde Asmussen nach eigener Aussage vom Lager Oranienburg auch zu Schießstandarbeiten für die „Gruppenführerschule“ der SA in Börnicke verlegt. Im September 1933 überstellte man ihn vom KZ Oranienburg in das KZ Sonnenburg. Laut Asmussen setzte man ihn dort für Rodungsarbeiten ein. Im Oktober oder November 1933, das genaue Datum war nicht festzustellen, wurde Peter Asmussen aus dem Lager Sonnenburg entlassen und kehrte nach Jüterbog zurück.
Bis zu seiner Einberufung in die Wehrmacht am 26. Juli 1939 konnte Peter Asmussen seinem Beruf als Zimmerer wieder nachgehen. Im Dezember 1939 entließ ihn die Wehrmacht aus dem Militärdienst. Bereits 1938 war Asmussen leitendes Mitglied der Technischen Nothilfe in Jüterbog geworden. Nach seiner Schilderung hatte ihn die NSDAP-Kreisleitung zu dieser Aufgabe gezwungen. Diese Funktion hatte er bis Kriegsende inne. Gegen Ende des Krieges gehörte er ebenfalls dem Volkssturm, III. Aufgebot-Jüterbog, an.
Peter Asmussen betätigte sich laut eigener Darstellung bereits kurz nach Kriegsende wieder politisch. Im Januar 1946 trat er in die KPD, in den FDGB und in die IG Bau, Ortsgruppe Jüterbog, ein. Er übernahm sowohl in der Partei als auch in der Gewerkschaft den Vorsitz der Ortsgruppe Jüterbog und übte diese Funktionen für etwa zwei Jahre aus. In der Zeit zwischen 1948 und 1956 hatte Asmussen eine Reihe von politischen Ämtern in Jüterbog inne. Er war unter anderem Mitglied des vorläufigen Gemeindeparlaments, der Stadtverordnetenversammlung und des Kreistages. Daneben war Asmussen als leitender Angestellter der Stadt Jüterbog von 1954 bis 1961 am Aufbau der kommunalen Wirtschaft beteiligt. Er wurde laut eigenen Angaben beispielsweise zeitweilig als Betriebsleiter in einem volkseigenen Betrieb sowie als Vorsitzender einer Konsumgenossenschaft in Jüterbog eingesetzt. Ferner gehörte er für einige Zeit dem Vorstand der Krankenkasse in Jüterbog an. Des Weiteren war er Mitglied des Aktionsbündnisses Nationale Front und des Kulturbundes der DDR. Außerdem zeichnete die DDR ihn im Jahre 1956 mit der Plakette des deutschen Friedensrates aus. Im Jahr 1962 endete Peter Asmussens berufliche Laufbahn, und er ging in Rente.
Peter Christian Andreas Asmussen verstarb am 9. November 1967 im Krankenhaus von Treuenbrietzen im Alter von 71 Jahren.

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Quellen:

  • AS, Liste KZ OR, S. 2.
  • BLHA, Rep. 401, VdN-6, (VdN-Akte Peter Asmussen mit Lebenslauf).
  • BLHA, Rep. 333, Nr. 1018, (VdN-Fragebogen mit Lebenslauf).
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 2/1 und 6, (Personenbeschreibung und Vernehmungsprotokoll).
  • Der Zimmerer, Organ des Zentralverbands der Zimmerer und verwandter Berufsgenossen Deutschlands, 41. Jg., Hamburg 1930, Nr. 7, S. 53.
  • PA Frieda Schulz (Tochter von P. Asmussen).
  • Protokoll des 25. Verbandstages des Zentralverbands der Zimmerer, Hamburg 1929, S. 8.
  • Protokoll des 7. außerordentlichen Verbandstages des Zentralverbands der Zimmerer, Hamburg 1929, S. 7.
  • Protokoll des 8. außerordentlichen Verbandstages des Zentralverbands der Zimmerer, Hamburg 1931, S. 7.
  • Telefoninterview des Autors mit der Tochter Peter Asmussens, Frieda Schulz, im Juli 2002.

Soziale/Regionale Herkunft: Flensburg; Vater: Hafenarbeiter

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ausbildung als Zimmerer; Zimmerergeselle in Flensburg

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Zentralverband der Zimmerer, Betriebsrat (Artillerieschule Jüterbog) und Vertrauensmann

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: ab 1915: SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 7. August 1933: Oranienburg; September 1933: KZ Sonnenburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: 1946 trat er in die KPD ein; FDGB und IG Bau; Mitglied des vorläufigen Gemeindeparlaments, der Stadtverordnetenversammlung und des Kreistages in Jüteborg; Als leitender Angestellter der Stadt Jüterbog von 1954 bis 1961 am Aufbau der kommunalen Wirtschaft beteilig; Mitglied des Aktionsbündnisses Nationale Front und des Kulturbundes der DDR

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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