Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
13. Januar 1898 - 9. Juni 1947

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Der Gewerkschafter und Sozialdemokrat Karl Engelbrecht erlitt in der NS-Zeit neben weiteren Repressionen eine insgesamt fünfmonatige Inhaftierung in den Konzentrationslagern Oranienburg, Sonnenburg und Sachsenhausen. Auf das Ende des NS-Terrors folgte für Engelbrecht jedoch nur eine kurze Zeit der Freiheit, dann wurde er – wie auch andere sozialdemokratische Nazigegner – erneut Opfer, diesmal der sowjetischen Besatzungsmacht. Im August 1945 nahmen Angehörige des sowjetischen Volkskommissariats für Inneres (NKWD) Engelbrecht fest. Die neuerliche Haft in sowjetischen Speziallagern überlebte der ehemalige KZ-Häftling nicht.

Von Ingrid Fricke

Karl Engelbrecht kam am 13. Januar 1898 in der sozialdemokratischen Hochburg Luckenwalde (Provinz Brandenburg) als erstes Kind des Gustav Engelbrecht und seiner Ehefrau Minna, geborene Albrecht, zur Welt. Sein Vater, der bereits 1915 im Ersten Weltkrieg fiel, war Metallarbeiter und gelernter Schmied, die Mutter Arbeiterin. Die Eltern waren beide aktive SPD-Mitglieder, die Mutter gehörte zeitweise dem Vorstand der Luckenwalder SPD an und war von 1921 bis 1925 Kreistagsabgeordnete im Landkreis Jüterbog-Luckenwalde.
Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Karl Engelbrecht in seiner Heimatstadt eine kaufmännische Lehre als Expedient beim Metallwerk A. Bartosik & Co. Nach dem Abschluss der Lehre im Jahre 1915 arbeitete er in der gleichen Firma noch bis November 1916. Bereits mit 14 Jahren trat er der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) bei, wurde bald Vorsitzender der SAJ Luckenwalde und 1925 Bezirksvorsitzender der SAJ Brandenburg. Bei Engelbrechts familiärem Hintergrund ist es wahrscheinlich, dass er spätestens nach Abschluss seiner Lehre auch einer Angestelltengewerkschaft beitrat. Konkrete Fakten ließen sich hierzu jedoch nicht ermitteln. Am 15. November 1916 wurde Engelbrecht zum Militär eingezogen. Er hatte das Glück, nicht an der Front, sondern als Schreiber in einem Lazarett eingesetzt zu werden. Am 2. April 1919 wurde Engelbrecht aus dem Heeresdienst entlassen. Anschließend konnte er sofort wieder bei seiner alten Firma in Luckenwalde die Arbeit aufnehmen und war dort mit kurzer Unterbrechung bis zum 30. April 1928 tätig.
Seit dem 1. Mai 1928 war Engelbrecht im Luckenwalder Arbeitersekretariat des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) angestellt. Hier arbeitete er zunächst als zweiter Arbeitersekretär neben Johann Bauer, der bereits seit 1924 Arbeitersekretär in Luckenwalde war. Nachdem Bauer dort im April zum besoldeten Stadtrat für Wohlfahrtsangelegenheiten gewählt worden war, wurde Engelbrecht hauptverantwortlicher Arbeitersekretär. Die Arbeitersekretariate des ADGB hatten die Aufgabe, Arbeitnehmern kostenlose Rechtsberatung in Fragen des Arbeits- und Sozialrechts und der Sozialversicherung zu geben und ihnen auch bei Prozessen vor dem Arbeitsgericht Rechtsbeistand zu leisten. In Ausübung dieser Funktionen erwarb sich Karl Engelbrecht unter der Luckenwalder Arbeitnehmerschaft hohes Ansehen.
Im Juli 1929 heiratete Karl Engelbrecht die Arbeiterin Minna Freundt, die aus Landsberg an der Warthe stammte und ebenfalls Sozialdemokratin war. Die beiden hatten sich in der Sozialistischen Arbeiterjugend kennen gelernt. In der Folgezeit bekam das Ehepaar zwei Kinder: Im Jahre 1931 die Tochter Rosemarie, 1943 den Sohn Wolfgang.

Karl Engelbrecht, der bereits 1918 in die SPD eingetreten war, übte in der Zeit der Weimarer Republik sowohl in der Partei als auch in der Gemeinde und im Landkreis zahlreiche Funktionen und Ämter aus. Ab 1925 war er stellvertretender Vorsitzender, ab 1928 dann Erster Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Jüterbog-Luckenwalde. 1927 wurde er stellvertretender Vorsitzender des SPD-Wahlvereins Luckenwalde. 1929 und 1931 war er Delegierter auf den Parteitagen der SPD. Er engagierte sich ab 1930 zusätzlich im „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Im Jahre 1928 wurde er SPD-Kreistagsabgeordneter im Landkreis Jüterbog-Luckenwalde und ab 1930 Mitglied des Kreisausschusses. In den Jahren 1925 bis 1929 war Engelbrecht außerdem Stadtverordneter in Luckenwalde.

Der engagierte Gewerkschafter und Sozialdemokrat bekam den Hass der Nationalsozialisten zu spüren, nachdem es diesen im April 1933 gelungen war, auch im traditionell „roten“ Luckenwalde die politische Macht an sich zu reißen. Es hatte zwar in Luckenwalde bei den Kommunalwahlen vom 12. März 1933 – wie auch schon bei den Reichstagswahlen vom 5. März 1933 – trotz Einschüchterungsterrors durch die SA eine deutliche „rote“ Mehrheit gegeben. Die Nationalsozialisten konnten jedoch im Laufe des Monats April aufgrund der Machtpositionen, die sie sich inzwischen in Preußen und im Reich angeeignet hatten, und durch direkte Gewaltanwendung die Linken in Luckenwalde von der Macht verdrängen. So wurden durch das „Vorläufige Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“ vom 31. März 1933 die Sitze der KPD in der Luckenwalder Stadtverordnetenversammlung ersatzlos gestrichen und die übrigen Sitze entsprechend dem Ergebnis der Reichstagswahl vom 5. März 1933 neu verteilt. Die erste Sitzung der neuen Stadtverordnetenversammlung, in der die SPD immer noch stark vertreten war, wurde dann von der anwesenden SA für aufgelöst erklärt. Außerdem entließ der neue preußische Innenminister Hermann Göring am 12. April 1933 die sozialdemokratischen Ratsmitglieder Luckenwaldes und setzte einen neuen kommissarischen Magistrat ein.
Im Laufe des nationalsozialistischen Machtergreifungsprozesses in Luckenwalde wurde Karl Engelbrecht am 22. Mai 1933 aus seiner Stellung als Arbeitersekretär beim ADGB fristlos entlassen. Zwei Monate später, am 27. Juli 1933, verfügte der Landrat des Kreises Jüterbog-Luckenwalde die Verhängung der „Schutzhaft“ über ihn, da er „sich an führender Stelle in der SPD betätigt“ habe und zu erwarten sei, dass Engelbrecht auch nach der Auflösung der SPD versuchen würde, „staatsfeindliche Massnahmen durchzuführen1“. Karl Engelbrecht wurde noch am selben Tag in das Konzentrationslager Oranienburg gebracht. Am 7. September 1933 kam er von dort in das KZ Sonnenburg, aus dem er am 21. Oktober 1933 entlassen wurde.
Über Engelbrechts Erfahrungen in den frühen Konzentrationslagern Oranienburg und Sonnenburg konnte fast nichts ermittelt werden. Lediglich in einem Leumundszeugnis seines Freundes Johann Schmidt aus dem Jahre 1946 gibt es einen Hinweis darauf, dass Engelbrecht dort Schweres durchgemacht haben muss. Schmidt schreibt: „Er klagte mir öfters seine Qualen, die er im K.Z. auszuhalten hatte2.“

Nach Luckenwalde zurückgekehrt, musste sich Engelbrecht in regelmäßigen Abständen bei der dortigen Polizei melden. Er blieb nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager zweieinhalb Jahre lang arbeitslos. Zwar hätte er bald eine Arbeit in Jena bekommen können, doch wurde ihm der Wegzug aus Luckenwalde verboten. Erst im Mai 1936 fand Engelbrecht bei der Firma Hiltmann in Luckenwalde wieder eine Anstellung als Betriebskaufmann. Dort erwarb er sich offensichtlich großes Ansehen, denn als diese Firma Ende der 30er Jahre Konkurs anmelden musste, wurde Engelbrecht zum Insolvenzverwalter bestellt. Nachdem aus der ehemaligen Firma Hiltmann die Hiro-Metallwerke entstanden waren, arbeitete er dort ab 1940 als Kaufmann, später als Versandleiter.
Seine politischen Auffassungen konnte Engelbrecht in der NS-Zeit nur gegenüber seinen Freunden aus SPD und Gewerkschaft offen äußern. Er war bemüht, seine politischen Freundschaften und Kontakte aufrecht zu erhalten und fuhr deshalb auch oft nach Berlin oder Potsdam, wohin politische Freunde gezogen waren. Johann Bauer beispielsweise war nach Potsdam gegangen und hatte dort einen Tabakwarenladen eröffnet. Engelbrechts Tochter Rosemarie Eng berichtet, dass sie ihren Vater manchmal auf seinen Reisen begleiten musste, um diesen einen unverfänglichen, familiären Anstrich zu geben, und dass sie sich wunderte, weshalb ihr Vater, der entschiedener Nichtraucher war, nun Besuche in einem Tabakgeschäft machte. Karl Engelbrecht war also, wie es für gesinnungstreue Sozialdemokraten unter der NS-Herrschaft typisch war, bemüht, zu „überwintern“ und eine gewisse Solidargemeinschaft aufrecht zu erhalten.
In seine Bemühungen, sozialdemokratisches Denken und Handeln zu bewahren, bezog er die ausländischen Zwangsarbeiter, die im Verlauf des Krieges auch in den Hiro-Werken zur Arbeit eingesetzt wurden, mit ein. Engelbrecht versuchte, deren Situation zu erleichtern, indem er ihnen beispielsweise zusätzliche Nahrungsmittel und Kleidung verschaffte. Dies belegen mehrere schriftliche Zeugnisse über Karl Engelbrecht, die von Arbeitskollegen – darunter auch einem ehemaligen Zwangsarbeiter – nach dem Krieg ausgestellt wurden.
Im August 1944 wurde Karl Engelbrecht im Zuge der „Aktion Gitter“ erneut verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Er erhielt dort die Häftlingsnummer 93141 und wurde zuerst in Block 67 im hinteren Teil des Lagers, später in Block 16 im so genannten Kleinen Lager untergebracht. Seine Familie wurde nach seiner Verhaftung zunächst im Unklaren darüber gelassen, wohin man ihn gebracht hatte, erst nach acht Tagen durfte er seiner Frau eine Karte schreiben. Am 27. September 1944 wurde Engelbrecht aus dem KZ Sachsenhausen entlassen.

Nach seiner Rückkehr nach Luckenwalde arbeitete er wieder bei den Hiro-Metallwerken. Als Luckenwalde am 22. April 1945 von der Roten Armee kampflos eingenommen wurde, empfand Karl Engelbrecht dies eindeutig als Befreiung. Noch am selben Tag trat er in den Dienst der Stadtverwaltung von Luckenwalde. Dort war er anfangs beim Aufbau des Arbeitsamtes tätig, nach einigen Wochen übernahm er die Leitung des Haupt- und Personalamtes der Stadtverwaltung. Am 1. Juni 1945 wurde Karl Engelbrecht – wie auch andere alte SPD- und KPD-Mitglieder – vom sowjetischen Stadtkommandanten Luckenwaldes zum Stadtrat ernannt. Zu dieser Zeit war das Verhältnis zwischen SPD- und KPD-Mitgliedern in Luckenwalde gut; die gemeinsame Erfahrung der Verfolgung durch die Nationalsozialisten hatte den Wunsch nach Zusammenarbeit der Arbeiterparteien gefördert. Am 7. Juni 1945 wurde in Luckenwalde aus KPD- und SPD-Mitgliedern ein „Aktionsausschuß zum Kampf gegen den Faschismus“ gebildet, dem auch Karl Engelbrecht angehörte. Am 6. Juni 1945 hatten dort bereits neun KPD- und acht SPD-Mitglieder, zu denen auch Karl Engelbrecht zählte, die Gründung einer „Einheitspartei des Proletariats“ initiiert. Zu dem dort gewählten provisorischen Parteiausschuss der neuen Einheitspartei gehörte ebenfalls Karl Engelbrecht. Diese freiwillige lokale Initiative zur Gründung einer neuen proletarischen Einheitspartei wurde jedoch von Seiten der KPD bald beendet, da sie den Richtlinien der „Gruppe Ulbricht“ widersprach, die zunächst die Wiedergründung der KPD vorsahen. Im Kreis Jüterbog-Luckenwalde fand diese am 20. Juni 1945 statt. In der Folgezeit wurde auch die SPD in Luckenwalde wiedergegründet. Der Historiker Tammena schreibt in seinem Buch über die Arbeiterbewegung Luckenwaldes, dass hieran wahrscheinlich auch Karl Engelbrecht maßgeblich mitgewirkt habe.

Engelbrecht war außerdem an führender Stelle an den Bestrebungen beteiligt, wieder Gewerkschaften ins Leben zu rufen. Am 7. August 1945 unterzeichnete er als Mitglied des Vorbereitenden Ausschusses der Provinz Brandenburg einen Aufruf zur Gründung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes. Nur wenige Tage später wurde er jedoch durch eine erneute Verhaftung aus seinen Initiativen zur Mitgestaltung eines demokratischen Deutschlands herausgerissen.
Karl Engelbrecht wurde am 11. August 1945 an seinem Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung Luckenwal des von Angehörigen des NKWD verhaftet. Seine Tochter Rosemarie Eng schilderte die Verhaftung ihres Vaters folgendermaßen: Am 10. August 1945 seien NKWD-Leute erst bei ihnen zu Hause gewesen, hätten ihren Vater aber nicht angetroffen. Die Mutter hätte den Vater dann inständig gebeten, aus Luckenwalde fortzugehen nach Berlin, da sie ahnte, dass ihm Schlimmes drohte. Ihr Vater hätte dies aber abgelehnt mit dem Argument, er habe ein reines Gewissen. Am nächsten Vormittag sei er dann auf seiner Arbeitsstelle von zwei NKWD-Offizieren verhaftet worden. Auch hier habe ihn der Bürgermeister vorher noch telefonisch gewarnt. Auch diesmal habe ihr Vater eine Flucht abgelehnt in der Meinung, die NKWD-Offiziere wollten nur eine Auskunft von ihm. „Von dieser Stunde an haben wir ihn nicht wiedergesehen. Er durfte sich nicht einmal mehr Sachen von zu Hause holen, auch später nicht. [...] Am Abend sind die Leute vom NKWD noch einmal zu uns nach Hause gekommen, mit Dolmetscher, und haben alles durchwühlt und einiges mitgenommen. Meine Mutter hat dann noch die KZ-Unterlagen vorgezeigt, da ist der NKWD-Mann wütend geworden3.“
Karl Engelbrecht wurde weder jemals ein Prozess gemacht, noch wurde der Familie ein Grund für seine Verhaftung mitgeteilt. Nach seiner Festnahme wurde Engelbrecht zunächst einige Zeit im Gebäude des NKWD in Luckenwalde festgehalten, wie seine Angehörigen auf Umwegen erfuhren. Über das weitere Schicksal des Familienvaters ließ der NKWD sie jedoch vollkommen im Ungewissen. Während Engelbrecht aus den NS-Konzentrationslagern noch Postkarten an seine Frau hatte schicken können, war dies in den Speziallagern der sowjetischen Besatzungsmacht für ihn nicht mehr möglich. Minna Engelbrecht verbrachte die Monate nach der Verhaftung und dem Verschwinden ihres Mannes damit, sämtliche Behörden und Stellen aufzusuchen, die vielleicht irgendetwas über den Verbleib ihres Mannes wissen konnten, dabei stets in Angst, ebenfalls verhaftet zu werden.
Erst Anfang 1949 erfuhr Minna Engelbrecht, dass ihr Mann bereits 1947 gestorben war. Am 24. Januar 1949 gab der Luckenwalder Karl Stock, der gemeinsam mit Karl Engelbrecht im sowjetischen Speziallager Nr. 1 (Mühlberg/Elbe) interniert gewesen war, vor dem Standesamt in Luckenwalde die eidesstattliche Erklärung ab, dass Karl Engelbrecht am 9. Juni 1947 im Lager Mühlberg verstorben sei. Aus den in der heutigen Gedenkstätte Mühlberg vorhandenen Unterlagen geht hervor, dass Karl Engelbrecht am 25. Januar 1947 ins Lager Mühlberg gebracht wurde und dass er davor im Speziallager Nr. 5 (Ketschendorf bei Fürstenwalde) interniert gewesen war. Im Journal des NKWD/MWD-Speziallagers Mühlberg wurde er unter der Aktennummer 56887 geführt und als „Abwehr-Agent“ bezeichnet4.
Die Tochter Karl Engelbrechts, die vermutet, dass ihr Vater aufgrund einer verleumderischen Denunziation vom NKWD verhaftet wurde, unternahm im Jahre 1996 den Versuch, eine offizielle Rehabilitierung ihres Vaters zu erreichen. Über die Deutsche Botschaft in Moskau reichte sie bei der Militärhauptstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation einen Antrag auf Rehabilitierung ihres Vaters ein. Die Erfahrung, die sie dabei machte, mutet kafkaesk an. In dem als „Archivbescheinigung“ betitelten Antwortschreiben der Militärhauptstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation vom 6. September 1996 heißt es lapidar, dass Karl Engelbrecht als „Dienstleistender des Hitler-Regimes“ verhaftet worden sei und im Juni 1947 in einem Sonderlager des NKWD an Myokarditis und Dystrophie 3. Grades verstorben sei. Da gegen ihn jedoch nie ein Prozess geführt worden sei, fände das Gesetz der Russischen Föderation „Über die Rehabilitierung von Opfern politischer Repressionen“ vom 18. Oktober 1991 keine Anwendung5.
Am 9. Juni 1997, dem 50. Todestag Karl Engelbrechts, ließ die Luckenwalder SPD am früheren NKWD-Gebäude in Luckenwalde eine Gedenktafel für ihn anbringen – die inzwischen von Unbekannten entwendet wurde. Ferner wurde in der Gedenkstätte Mühlberg an der Elbe für ihn ein großes Holzkreuz mit einer Widmung aufgestellt.

1 Verfügung des Landrats von Jüterbog-Luckenwalde, BLHA, Pr. Br. Rep. 35 G, KZ Oranienburg, 3/6, Bl. 207. 

2 „Zeugnis für Gen. Karl Engelbrecht“ vom 13. November 1946, PA Rosemarie Eng. 

3 Interview mit Rosemarie Eng. 

4 Aktenauskunft der Gedenkstätte Mühlberg vom 17. Juni 1997, PA Rosemarie Eng. 

5 PA Rosemarie Eng. 

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Quellen:

  • AS, JSU 1/99, Bl. 210 (Veränderungsmeldung der Schreibstube vom 28.9.1944).
  • AS, JSU 1/100, Bl. 232 (Veränderungsmeldung der Geld- und Effektenverwaltung vom 28.9.1944).
  • BLHA, Pr. Br. Rep. 6B, Kreis Jüterbog-Luckenwalde, Nr. 105 (Protokolle der Kreistagssitzungen 1926-1931).
  • BLHA, Pr. Br. Rep. 2A (Regierung Potsdam), I Pol., Nr. 1260, Bl. 81-92 (Widerspruch Engelbrechts gegen seine Entlassung als Arbeitersekretär im Mai 1933 und der folgende Schriftwechsel).
  • BLHA, Pr. Br. Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/6, Bl. 207 (Verfügung des Landrats des Kreises Jüterbog-Luckenwalde vom 27.7.1933, Karl Engelbrecht in „Schutzhaft“ zu nehmen)
  • Interview mit Rosemarie Eng, der Tochter Karl Engelbrechts, am 6.4.2002 in Luckenwalde.
  • PA Rosemarie Eng, Zeugnis vom 23.5.1933 für Karl Engelbrecht über seine Tätigkeit als Arbeitersekretär, ausgestellt vom ADGB, Ortsausschuss Luckenwalde; Bescheinigung des Konzentrationslagers Oranienburg vom 7.9.1933 für Karl Engelbrecht über seinen Aufenthalt dort; Entlassungsbescheinigung des Konzentrationslagers Sonnenburg vom 21.10.1933 für Karl Engelbrecht; Briefkarte Karl Engelbrechts aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen vom August 1944; Zeugnisse des Arno Jentsch, des Johann Schmidt, des Richard Heyn, der Hildegard Gerth, des Wilhelm Bismark und des Stefan Picho für Karl Engelbrecht aus dem Jahre 1946; Eidesstattliche Erklärung des Karl Stock vor dem Standesbeamten in Luckenwalde vom 24.1.1949; Lebenslauf Karl Engelbrechts, verfasst von seiner Ehefrau Minna am 25.1.1949; Schreiben der Militärhauptstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation vom 6.9.1996, betreffend den Rehabilitierungsantrag Rosemarie Engs für ihren Vater Karl Engelbrecht; Aktenauskunft der Gedenkstätte Mühlberg vom 17.6.1997 über Karl Engelbrecht.
  • Kilian, Achim, Einzuweisen zur völligen Isolierung. NKWD-Speziallager Mühlberg/Elbe 1945-1948, Leipzig 1993.
  • Tammena, Heiko, „Unser schönes rotes Luckenwalde“. Lager, Milieu und Solidargemeinschaft der sozialistischen Arbeiterbewegung zwischen Ausgrenzung und Verstaatlichung, Münster u. a. 2000.
  • Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert, hrsg. vom Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, mit einem Vorwort von Gerhard Schröder, Konzeption und Redaktion Christl Wickert, Marburg 2000, S. 89f.

Soziale/Regionale Herkunft: Luckenwalde (Provinz Brandenburg); Sohn eines Metallarbeiters

Ausbildung/Berufstätigkeit: Kaufmännische Lehre als Expedient beim Metallwerk A. Bartosik & Co

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Seit 1. Mai 1928: Im Luckenwalder Arbeitersekretariat des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) angestellt

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: 1918: SPD; Ab 1925 war er stellvertretender Vorsitzender in Luckenwalde; Ab 1928 dann Erster Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Jüterbog-Luckenwalde

Politische Mandate/Aktivitäten: 1928: SPD-Kreistagsabgeordneter im Landkreis Jüterbog-Luckenwalde; 1930: Mitglied des Kreisausschusses; 1925 bis 1929: Stadtverordneter in Luckenwalde

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 27. Juli 1933: KZ Oranienburg; 7. September 1933 - 21. Oktober 1933: KZ Sonnenburg; August 1944 - 27. September 1944: KZ Sachsenhausen (Häftlingsnummer 93141)

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Leitung des Haupt- und Personalamtes der Stadtverwaltung; Juni 1945: Stadtrat

Erinnerungskultur/Ehrungen: Anbringung einer Gedenktafel am früheren NKWD-Gebäude in Luckenwalde; Holzkreuz mit Widmung in der Gedenkstätte Mühlberg

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