Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
12. August 1909 - 8. Juli 1978

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Von Stefan Müller

Wilhelm Friedrich Karl Bels wurde am 12. August 1909 in Rathenow (Brandenburg) geboren. Er arbeitete als Bürogehilfe und war Mitglied im Zentralverband der Angestellten (ZdA). Zum Ende der Weimarer Republik war Wilhelm Bels Leiter des Ortskartells des AfA-Bundes in Rathenow.

Der freigewerkschaftliche ZdA war eine von 14 Mitgliedsorganisationen der überwiegend aus Berufsverbänden bestehenden, 1921 gegründeten Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände (AfA-Bund). Mitte der 1920er Jahre zählten die Angestellten im Deutschen Reich etwa 3,5 Millionen Personen und machten 17 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung aus. Etwas über ein Drittel der Angestellten waren Frauen. Hatte der AfA-Bund 1920 noch über 680.000 Mitglieder, waren es 1931 nur noch 431.000. Zum Ende der Weimarer Republik stellte der ZdA knapp die Hälfte der Mitgliedschaft des AfA-Bundes.

Der AfA-Bund in Berlin-Brandenburg hatte im Jahr 1930 48 Ortskartelle mit 82.000 Mitgliedern; davon allerdings 70.000 allein in Berlin. Die Schwierigkeiten der gewerkschaftlichen Arbeit wurden damals darin gesehen, dass „in dem genannten Bezirk nur vier beamtete Kollegen der angeschlossenen Verbände vorhanden sind“ und „die gesamte bezirkliche Ortskartell-Arbeit mit Ausnahme der Tätigkeit in Berlin, ausschließlich in die Hände von ehrenamtlichen Kollegen gelegt ist1.“ Wilhelm Bels wurde vermutlich 1930 im jungen Alter von 21 Jahren als Nachfolger vom Max Reimann zum Leiter des Rathenower Ortskartells gewählt. Im Rathenower Ortskartell waren damals 474 Mitglieder organisiert.

Am 28. Juni 1933 nahm man Wilhelm Bels in „Schutzhaft“ und verschleppte ihn in das Konzentrationslager Oranienburg. Am selben Tag wurden mit Bels weitere 22 Rathenower in das KZ Oranienburg als „Schutzhäftlinge“ eingewiesen. An seinem 24. Geburtstag, dem 12. August 1933, wurde Wilhelm Bels wieder entlassen. Ob oder inwieweit er sich in folgenden Jahren am Widerstand beteiligte, ist nicht bekannt. Nach der Befreiung blieb Bels in der DDR. Er verstarb am 8. Juli 1978 in Semlin.

1 AfA-Bund, Bericht der Bezirkskartelle zum Geschäftsbericht 1928-1931, Berlin o.J., S. 21. 

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Quellen:

  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 4/2, Bl. 308.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 4/6, Bl. 470.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 2/1, Bl. 130.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/2, Bl. 112-114.
  • AfA-Bund, Bericht der Bezirkskartelle zum Geschäftsbericht 1928-1931, Berlin o.J.
  • AfA-Bund (Bezirkskartell Brandenburg, Ortskartell Berlin), Bericht über das Geschäftsjahr 1930, Berlin o.J.
  • Furtwängler, Franz Josef, ÖTV. Die Geschichte einer Gewerkschaft, hrsg. vom Hauptvorstand der Gewerkschaft ÖTV, 3. erweiterte Auflage, Stuttgart 1962.
  • Mitteilung des Landkreises Havelland vom 9. Mai 2003 (Anfrage auf Meldebescheinigung).
  • Palberg-Landwehr, Joachim, Die Freien Angestelltengewerkschaften zwischen Arbeiterbewegung und „bürgerlicher“ Konkurrenz. Eine historisch-soziologische Studie über den Afa-Bund 1921 – 1933, Paderborn 1993.

Soziale/Regionale Herkunft: Rathenow (Brandenburg)

Ausbildung/Berufstätigkeit: nicht bekannt

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Mitglied im Zentralverband der Angestellten (ZdA); Leiter des Ortskartells des AfA-Bundes in Rathenow

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: nicht bekannt

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 28. Juni 1933 - 12. August 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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