Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
16. November 1892 - 1953

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Von Elmar Krebs

Am 16. November 1892 kam Franz Friedrich Wilhelm Dames in Spandau als Sohn des Werkzeugsmachers Franz Dames zur Welt. Der Beruf seiner Mutter Bertha, geborene Wolter, konnte nicht ermittelt werden.
Franz Dames besuchte die Bürgerschule in Spandau. In Jüterbog erhielt er von 1907 bis 1913 seine Ausbildung zum Volksschullehrer und bekam nach bestandener Prüfung eine Lehrerstelle in Brodowin, Kreis Angermünde/Brandenburg. Im Zeitraum von 1914 bis 1918 nahm er als Soldat des 1. Garde-Artillerie-Regiments am Ersten Weltkrieg teil und erhielt in dessen Verlauf das Eiserne Kreuz II. Klasse. Da er während des Krieges auch seine zweite Lehrerprüfung ablegte, wurde er am 1. Januar 1919 als Lehrer an der Volksschule in Erkner angestellt. Im Oktober 1919 trat er der SPD bei. Politisch entfaltete er sich in der Gemeinde als Gemeindevertreter, Mitglied der Schuldeputation und der Baukommission. Darüber hinaus war er als Vorstandsmitglied der gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft „Eigenheim“ in Erkner tätig. Über seine gewerkschaftlichen Tätigkeiten ist bekannt, dass er als Kassierer des Deutschen Lehrervereins im Kreis Erkner aktiv war.
Franz Dames wurde am 3. Juli 1933 verhaftet und blieb bis zum 8. August 1933 im KZ Oranienburg inhaftiert. Am 1. Oktober 1933 wurde er offiziell aus dem Staatsdienst entlassen und musste sich seinen Lebensunterhalt durch die Gründung einer Versicherungsvermittlung verdienen. Nach eigenen Angaben konnte er durch seine Versicherungstätigkeit bei rund 800 Familien illegale antifaschistische Arbeit leisten. 1939 wurde er für „wehrunwürdig“ erklärt, musste aber seine Dienstverpflichtung ab 1942 bei der Feuerwehr in Erkner ableisten. Hier erhielt er die Dienstnummer 32 und erreichte den Rang eines Gruppenführers. Dies entspricht dem heutigen Rang eines Brandmeisters und gab ihm die Führung eines Trupps von etwa zehn Mann.
Beim Einmarsch der Roten Armee wurde Franz Dames zum Bürgermeister von Erkner bestimmt. Er baute die Gemeindeverwaltung neu auf, bis er durch die Verfügung des Präsidenten der Provinzialverwaltung der Mark Brandenburg vom 25. Juli 1945 mit der Leitung des Forstamtes in Erkner bestimmt wurde. Am 1. September 1946 bekam er die Leitung der Zentralschule in Großbeeren übertragen. Der SPD trat Franz Dames am 18. Juni 1945 erneut bei und wurde dann durch deren Vereinigung mit der KPD Mitglied der SED. Nach eigenen Angaben war er nach 1945 im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund organisiert.
Franz Dames starb 1953 in Erkner.

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Quellen:

  • BLHA, Rep. 401, VdN 365.
  • Feuerwehrarchiv Erkner, ohne Signatur.
  • PA Gertrud Straßenburg (Tochter von Franz Dames).
  • SAPMO-BArch, DY 55 V278/5/47.
  • SAPMO-BArch, DY 55, P II 1689.
  • StA Erkner, Niederschriftsbuch über Sitzungen der Gemeinderäte 1939-1947/48, S. 36-42.
  • Rühle, Bernd, Erkner in alten Ansichten, Bd. 2, Zaltbommel 1997.

Soziale/Regionale Herkunft: Berlin (Spandau); Sohn des Werkzeugsmachers Franz Dames

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ausbildung zum Volksschullehrer; Lehrerstelle in Brodowin; Lehrer an der Volksschule in Erkner

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Kassierer im Deutschen Lehrerverein

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: Oktober 1919: SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: illegale antifaschistsche Arbeit

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 3. Juli 1933 - 8. August 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Bestimmung zum Bürgermeister von Erkner; Ab 25. Juli 1945: Leitung des Forstamtes in Erkner; Ab 1. September 1946: Leitung der Zentralschule in Großbeeren; SPD; SED; Freier Deutscher Gewerkschaftsbund

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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