Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
27. April 1904 – 23. Juni 1977

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Max Abraham im KZ Oranienburg. Das Bild ist vermutlich von der Vernehmungsabteilung bei Abrahams Einlieferung gemacht worden.
Quelle: Schäfer, Werner: Konzentrationslager Oranienburg. Das Anti-Braunbuch über das erste deutsche Konzentrationslager, Berlin 1934.

Max Abraham im KZ Oranienburg. Das Bild ist vermutlich von der Vernehmungsabteilung bei Abrahams Einlieferung gemacht worden. Quelle: Schäfer, Werner: Konzentrationslager Oranienburg. Das Anti-Braunbuch über das erste deutsche Konzentrationslager, Berlin 1934.

Der jüdische Prediger und Kämpfer gegen den Antisemitismus Max Abraham wurde im Juni 1933 in der Kleinstadt Rathenow von einem SA-Mann überfallen. Weil er sich zur Wehr setzte, brachte man ihn in die Konzentrationslager Oranienburg, Papenburg und Lichtenburg. 1934 gelang es ihm, zusammen mit seiner Frau in die Tschechoslowakei zu fliehen. Dort veröffentlichte er einen Bericht über seine Erlebnisse im KZ. 1939 floh er abermals vor den Nationalsozialisten nach England, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1977 lebte.

Von Julia Pietsch

„Wenn ich nicht selbst die Zustände in den braunen Marterhöllen hätte ‘studieren’ müssen, wäre ich wohl heute noch mit dem deutschen Reichspropagandaminister Herrn Dr. Joseph Goebbels einer Meinung darüber, dass den Juden und politisch Andersdenkenden in Deutschland ‘kein Haar gekrümmt worden ist’ und dass die Verschonten nun zum Dank eine ‘ganz gemeine Greuelhetze’ gegen Deutschland inszenieren1“.

So schrieb Max Abraham, jüdischer Prediger in Rathenow, in seinem 1934 erschienenen Buch „Juda verrecke. Ein Rabbiner im Konzentrationslager“. Weil er sich in seiner Gemeinde gegen den immer stärker werdenden Antisemitismus einsetzte, wurde er nach einem fingierten Überfall auf einen SA-Mann in das Konzentrationslager Oranienburg eingeliefert. Sein Leidensweg veranschaulicht, wie Juden, gleichwohl aus politischen Gründen inhaftiert, im Konzentrationslager bereits 1933 eine weitaus schlechtere Behandlung erfuhren als viele andere Häftlinge. Abrahams Schilderungen bilden einen der wenigen veröffentlichten Augenzeugenberichte, die über Alltag und Qualen im KZ Oranienburg informieren.

Kindheit, Jugend und Ausbildungszeit – vom Talmudschüler zum Prediger
Max Abraham wurde am 27. April 1904 in Samter (heutiges Szamotuły in Westpolen) geboren, einer Stadt in der damaligen preußischen Provinz Posen. Seine Eltern, Pinkus Abraham, geboren am 2. Mai 1877 in Posen, und Johanna, geborene Dobrin (23. Dezember 1872), die von allen „Hannchen“ genannt wurde, hatten drei Jahre vorher geheiratet und sich von der Mitgift, die der Vater bekam, ein Haus und eine Gastwirtschaft in Samter gekauft. Kurz nach der Geburt von Max jedoch zog die Familie in die nahe gelegene Provinzhauptstadt Posen, wo der Vater Gemeindebeamter wurde2.

Max und seine beiden Geschwister – die ältere Schwester Zilla, im Juli 1902 geboren, und der jüngere Bruder Karl, im Januar 1906 geboren – wuchsen in einem sehr religiösen jüdischen Elternhaus auf. Der Vater hatte vor seiner Heirat mit Hannchen als jüdischer Religionslehrer gearbeitet, was Max Abraham vermutlich in seiner späteren Berufswahl beeinflusste – genauso wie der Rabbiner Jakob Freimann in Posen, der ihm zu einem „profunden talmudischen Wissen“ verhalf3. Neben dem Gymnasium in Posen, wo er seine Reifeprüfung ablegte, besuchte Max Abraham auch die jüdische Talmud Tora Schule der Stadt4.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Heimatprovinz Abrahams durch den Versailler Vertrag an Polen angegliedert. Pinkus Abraham, der im Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite mit Auszeichnung gekämpft hatte und seither unter den Folgen einer schweren Verwundung litt, wählte für sich und seine Familie die deutsche Staatsbürgerschaft. So verließ die Familie Abraham, wie viele andere Deutsche aus Posen auch, die Provinz im Jahre 1923 oder 1924. Die Eltern ließen sich in Berlin, in der Sylva Str. 515 nieder6.

Max Abraham widmete sich seiner Ausbildung zum Lehrer und Prediger, die er im Seminar in Würzburg absolvierte7. Nach kurzen Anstellungen als Lehrer und Kantor in den Synagogengemeinden des thüringischen Vacha und des Ostseebads Swinemünde in den Jahren 1927 bis 1929 trat er Ende des Jahres 1929 eine Stelle als Prediger, Lehrer und Kantor in der ca. 70 km westlich von Berlin gelegenen Kleinstadt Rathenow an. Von hier aus betreute er auch die brandenburgischen Gemeinden Stendal, Tangermünde und Gardelegen8.

Abraham in Rathenow – Leben und Wirken in einer brandenburgischen Kleinstadt
Die jüdische Gemeinde Rathenows war mit etwa 110 Mitgliedern sehr klein und machte nur knapp 0,5% der ca. 28.000 Einwohner zählenden Kleinstadt aus9. Obwohl er nur Prediger war – der sich gleichwohl auf sein Rabbinerexamen vorbereitete – wurde Abraham in der kleinen Stadt „Rabbiner“ genannt10. Ein ehemaliger Schüler Abrahams aus Rathenow, Egon Kornblum, erinnerte sich Jahrzehnte später, dass Max Abraham neben seiner Tätigkeit als Kantor und Religionslehrer auch Schochet war, der das Vieh nach jüdischer Vorschrift schlachtete. Er berichtete, dass Abraham als streng religiöser Mensch in Rathenow immer bei der Familie Kornblum aß, da diese als einzige Familie in Rathenow koscher lebte11. Obwohl der Prediger eine Wohnung in der Rathenower Großen Milower Straße besaß, kam er offenbar jede Woche aus Berlin, wo neben seinen Eltern auch seine beiden Geschwister lebten12.

In Rathenow engagierte sich Abraham sowohl religiös als auch politisch. Neben seiner Funktion als Vorsitzender mehrerer jüdischer Vereinigungen machte er sich zudem gegen den vor allem mit dem Erstarken der NSDAP immer weiter um sich greifenden Antisemitismus stark, den auch er zu spüren bekam. Nach eigenen Angaben schloss er sich deshalb der Sozialdemokratischen Partei an und gründete zusammen mit dem Pfarrer des Ortes eine überkonfessionelle Gemeinschaft, im Rahmen derer sie Vorträge hielten oder an Veranstaltungen teilnahmen, so zum Beispiel als Diskussionsredner bei einem Treffen des völkischen „Tannenbergbundes“ im Jahre 193213.

Abraham hatte in Rathenow schon früh politisch und antisemitisch motivierten Gegenwind zu spüren bekommen. Im Jahre 1930 war er von dem SA-Sturmführer Jackzentis überfallen worden, der daraufhin wegen schwerer Körperverletzung zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt wurde14. Wie Abraham berichtete, konnte er sich zu diesem Zeitpunkt der Unterstützung der Bevölkerung Rathenows und deren Empörung über den Überfall sicher sein – drei Jahre später bereits hatte sich einiges geändert: Zu der feindlichen Einstellung der örtlichen SA ihm gegenüber kam nun auch eine deutliche Zurückhaltung der Bevölkerung und der Polizei, was seine persönlichen Rechte – und die aller Juden in Rathenow – betraf.
Am 1. April 1933, dem so genannten „Boykott-Tag“, versperrte die örtliche SA den Zugang zu jüdischen Geschäften, Arztpraxen etc. und rief die Bevölkerung dazu auf, diese nicht zu frequentieren15. Da sich in dem reichsweit stattfindenden Boykott eine klare Feindschaft den Juden gegenüber spiegelte, hielt Max Abraham es als Repräsentant seiner Synagogengemeinde für sicherer, zunächst Rathenow und dann auch Deutschland zumindest vorübergehend zu verlassen.

Am Abend des 26. Juni 1933, fünf Tage vor seiner geplanten Abreise nach Belgien, fuhr er noch einmal nach Rathenow. Auf dem Weg zu seiner Wohnung wurde er von einem Unbekannten tätlich angegriffen, den er zunächst für einen Betrunkenen hielt und dem er deshalb aus dem Weg ging. Als er einige Minuten später wiederum von dem Mann angegangen wurde, setzte er sich zur Wehr und schlug ihn dabei mit seinem Wohnungsschlüssel. Die von Abraham selber gerufene Polizei nahm jedoch nicht den Angreifer, sondern den Prediger fest und brachte ihn auf das Polizeirevier16. Diese Verhaftung bedeutete für Max Abraham den Anfang einer langen Reihe von Qualen und Misshandlungen und das vorläufige Ende seiner Karriere als Prediger und angehender Rabbiner.

Willkür und Gewalt – die Verhaftung Abrahams in Rathenow
Bereits im Polizeigefängnis von Rathenow wurde Abraham – ohne dass die Polizei eingriff – von SA- und SS-Männern bis in den Vormittag des nächsten Tages hinein mehrmals mit roher Gewalt so schwer misshandelt, dass er einige Male das Bewusstsein verlor. Unter seinen Peinigern befand sich auch der Angreifer der Nacht zuvor: es handelte sich um den Rathenower SA-Führer Meiercord17. Der „Überfall“ entpuppte sich so als ein Racheakt der SA, der zudem dazu diente, Abraham als „politischen Gegner“ des Nationalsozialismus „unschädlich“ zu machen. Meiercord behauptete später wiederholt, er selber sei das Opfer eines Angriffs von Abraham gewesen18, und diese Darstellung diente den Wachmannschaften der verschiedenen Lager, in die Abraham deportiert werden sollte, als willkommener Anlass, den Prediger immer wieder aufs Schwerste zu misshandeln.

Vom Polizeigefängnis Rathenow aus wurde Abraham am Nachmittag des 27. Juni 1933 in die Turnhalle des örtlichen Lyzeums gebracht, wo man bereits mehrere Dutzend Menschen eingesperrt hatte, die man am Tage bei Massenverhaftungen mitgenommen hatte. Unter diesen als „politische Feinde“ Eingestuften, vor allem Demokraten, traf Abraham auf mehrere bekannte Gesichter. Auch in der Turnhalle musste er, wie die meisten Gefangenen, weitere Misshandlungen über sich ergehen lassen. Er berichtete, dass er und drei andere Juden dazu gezwungen wurden, sich gegenseitig mit Knüppeln zu verprügeln19. Solch sadistische Aufforderungen koppelte die SA oft mit dem Einsatz von Gewalt, um die Häftlinge zu erniedrigen, wie Abraham schon bald erfahren sollte. Am Abend wurden die Gefangenen in einem Sammeltransport in das ca. 65 km entfernte Oranienburg gebracht.

Vom Konzentrationslager ins Konzentrationslager – der Leidensweg Max Abrahams
In Oranienburg bekam Max Abraham als so genannter „Schutzhaftgefangener“ die Häftlingsnummer 35220. Bereits kurz nach seiner Einlieferung in das erst drei Monate zuvor eingerichtete Konzentrationslager gingen für ihn die körperlichen und seelischen Qualen weiter. Als „Rabbiner21“. wurde er, wie er später berichtete, die „erste Prominenz“ im Lager. Die Vorstellung, einen der „heftigsten Gegner des Nationalsozialismus“ und dazu noch jüdischen Geistlichen gefangen zu halten, veranlasste die SA offenbar dazu, Abraham regelmäßig zu schikanieren und zu misshandeln. „Das lernte ich bald: keine Gegenwehr leisten. Ob man mich an den Beinen packte oder am Hals, mich würgte oder wie wild auf mich einschlug, ob man Stühle über meinem Kopf schwang, ob der Gummiknüppel mich mit furchtbarer Gewalt am Kopfe traf oder ob ich den Revolver in Greifweite liegen sah – ich war hilflos22“.

Bereits an seinem ersten Tag in Oranienburg wurde Abraham in das berüchtigte „Zimmer 16“ gebracht, das vielmehr Folterkammer als „Vernehmungszimmer“ war. Dort durchlitt er so schlimme Qualen, dass er in der darauf folgenden Nacht trotz körperlicher Ermattung und erheblichen Schlafmangels keine Ruhe fand.

In Oranienburg wurde Max Abraham dem Arbeitskommando zugeteilt, in das die jüdischen Häftlinge geschickt wurden, die so genannte „Judenkompagnie“, deren Überwachung sehr bald die äußerst brutalen Scharführer Federwisch und Herzog übernahmen. Laut Abrahams Erinnerungen bestand die „Judenkompagnie“ aus etwa 55 Mann, wobei viele von ihnen Jugendliche aus einem jüdischen Erziehungsheim waren, die man alle zusammen unter fadenscheinigen Vorwänden verhaftet hatte. Der jüngste dieser Jugendlichen war 13 Jahre alt, und Abraham versuchte, den Kindern so gut wie möglich beizustehen und zu helfen, wobei er oft die Erfahrung machen musste, dass er der SA machtlos gegenüber stand23.
Die „Judenkompagnie“ musste die niedersten Arbeiten verrichten; so wurde sie gezwungen, die Abortanlagen saubermachen, die täglich von allen Häftlingen – viele hundert an der Zahl – benutzt wurden. Auch hierbei musste Abraham sadistische Schikanen über sich ergehen lassen: „Mit bloßen Händen musste ich nun in den Kot greifen. Stahlkopf fügte zur Gemeinheit noch den Hohn und gab mir den Namen ,Latrinendirektor24‘.”

„Verstöße“ wurden durch Maßnahmen wie das „Strafexerzieren“ geahndet, bei dem verschiedene, teils unausführbare Kommandos gegeben wurden und die Häftlinge permanent misshandelt wurden – „Hinter fast jedem Schutzhäftling stand ein SA-Mann mit Gummiknüppel und Gewehr25“. Abraham beschreibt in seinem Buch, wie er Mitte August krank wurde und trotz hohen Fiebers im Stil des militärischen Drills über eine meterhohe Eskaladierwand klettern und eine Hindernisbahn durchlaufen musste. Auf seinen körperlichen Zustand wurde keine Rücksicht genommen, und auch die „Kur“, die er daraufhin bekam, diente vielmehr der Qual als der Genesung: er wurde gezwungen, in großen Mengen und über Tage hinweg abführend wirkendes Rhizinusöl zu trinken26.

Während der Zeit seiner Haft versuchte Abraham mehrmals, den „Irrtum“ aufzuklären, aufgrund dessen er im Konzentrationslager inhaftiert war. Im besten Falle wurden seine Beschwerden ignoriert, im schlimmsten aber musste er weitere „Bestrafungen“ über sich ergehen lassen. Zu diesen zählte auch die „Bunkerhaft“, die der Prediger mehrere Tage lang erdulden musste. In seinem Augenzeugenbericht beschreibt er die Qualen, die Schmerzen, Angst, Hunger, Durst, Dunkelheit und Enge in dem stickigen, kleinen, fensterlosen Raum, eingepfercht für Tage mit mehreren Häftlingen, verursachten27.

Max Abrahams „Braut“ Helene Elsa Kahane bemühte sich unterdessen darum, einen Anwalt zu engagieren. Bereits zu diesem Zeitpunkt war es schwierig, einen Anwalt zu finden, der bereit war, einen jüdischen politischen Häftling zu verteidigen – zu weit war die nationalsozialistische Ideologie und die Angst, sich nicht regimekonform zu verhalten, bereits vorgedrungen28. Als Helene schließlich einen Anwalt, Rechtsanwalt Dr. Auert aus Berlin, fand, bemühte auch dieser sich um eine schnelle Entlassung Abrahams aus der “Schutzhaft”. Doch seinen Bitten stand die Darstellung der Ortspolizeibehörde Rathenow entgegen, die in ihrer Einschätzung der Aussage des SA-Führers Meiercord folgte und am 16. August 1933 beschrieb, Abraham sei als “roher Mensch” bekannt, steige “jungen christlichen Mädchen” nach und sei ein „politisch sehr gefährlicher Gegner der nationalsozialistischen Bewegung und der heutigen Regierung29“. Zudem warf man ihm nun auch noch eine Verbindung zu kommunistischen Kreisen und die Verbreitung von Propaganda vor30.

Obwohl die Versuche Dr. Auerts und Helene Kahanes schließlich erfolgreich waren und Max Abraham eine Haftentlassung zum 1. September in Aussicht gestellt wurde, kam dieser nicht frei31. Er wurde stattdessen am 7. September 1933 in ein anderes Lager überstellt – das Konzentrationslager Papenburg.
Auch in Papenburg waren die Häftlinge schweren Misshandlungen ausgesetzt. Schon auf dem Weg vom Bahnhof Papenburg zum 16 km entfernten Lager mussten die Gefangenen Gewalt und Quälereien durch die angetrunkenen dortigen SS-Truppen über sich ergehen lassen, die teils schwere Verletzungen nach sich zogen32. Als Schutzhaftgefangener Nr. 166 wurde Max Abraham in das Moorlager Börgermoor gebracht, das er folgendermaßen beschrieb: „Es war uns manchmal zu Mute, als wären wir für ewig in dieser trostlosen Sträflingskolonie begraben. Glaubten wir schon, Oranienburg sei die Grenze des Erträglichen – hier ging es uns noch schlechter33“. In seinem Buch berichtete Abraham von maßlosen Qualen durch Gewalt und schwerste Moorarbeit. Die in Börgermoor wachhabende SS war äußerst brutal. Vor allem Juden waren schweren Misshandlungen ausgesetzt, wobei man sie in besonderer Weise an jüdischen Feiertagen schikanierte.

Wie auch schon in Oranienburg kümmerte sich Abraham besonders um seine jüdischen Mitgefangenen und hielt Gottesdienste ab. Als er sich nach eigenen Angaben weigerte, einen jüdischen Neujahrsgottesdienst in einer Dunggrube abzuhalten, wenig später dann vor seinen Mithäftlingen von der Nächstenliebe predigte, wurde er von den Wachmannschaften so schwer misshandelt, dass er mehrere Tage in Lebensgefahr schwebte34. Noch auf der Krankenstation wurde er wieder misshandelt, so dass er glaubte, dass er „in Börgermoor zu Tode gemartert worden wäre, wenn nicht ein Zufall [ihn] aus den Händen der Papenburger SS befreit hätte35“. Dieser Zufall – es war nur bedingt ein glücklicher – bedeutete die Überstellung in ein weiteres Konzentrationslager: das KZ Lichtenburg.
In Lichtenburg erlitt Abraham nach eigenen Aussagen keine weiteren Misshandlungen; obwohl auch dort der in sämtlichen Konzentrationslagern übliche Terror herrschte, „profitierte“ Abraham von einem neuen Lagerdirektor und einem milden Stationsvorsteher. Am 30. Oktober schließlich wurde Abraham nach viermonatiger Haft aus dem Konzentrationslager entlassen – „auf Transport beurlaubt36“. Die Staatsanwaltschaft hatte zwischenzeitlich Anklage gegen ihn wegen des „Überfalls“ auf Meiercord erhoben und man ließ ihn nach Rathenow bringen, wo am 6. November 1933 eine Gerichtsverhandlung stattfand. In seinem Buch „Juda verrecke“ illustrierte Abraham anhand der Schilderung dieser Verhandlung und aller weiterer Vorgehen des Gerichtes und der Staatsanwaltschaft, wie sehr er als Strafgefangener bereits einer korrumpierten und im Interesse der SA handelnden Jurisprudenz machtlos gegenüber stand. Das Bild Abrahams als eines gewalttätigen und rohen Menschen wurde in der Gerichtsverhandlung erneut gezeichnet und vom Vorsitzenden Richter ebenso kritiklos angenommen wie die falsche Aussage Meiercords. Das Gericht verurteilte Max Abraham zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten, die er jedoch nicht sofort antreten musste, da sowohl er als auch der Staatsanwalt – seinerseits unzufrieden mit der Kürze der Haftdauer – Berufung gegen das Urteil einlegten37. Zu Abrahams Glück fruchteten die Bemühungen von Helene Kahane und seinem Anwalt, die verhinderten, dass er bis zu seinem Strafantritt erneut ins KZ gebracht wurde. So blieb er zunächst in für ihn weitaus „sichererer“ Haft im Amtsgefängnis von Rathenow. Von dort wurde er mit einiger Verzögerung schließlich am 21. Dezember 1933 entlassen und kam bei seinem Bruder in Berlin-Wedding, Schönwalderstraße 11, unter38.

In Berlin konnte Abraham nun vorübergehend wieder ein „normales“ Leben führen – die jüdische Gemeinde stellte ihn als Prediger und Lehrer im Berliner Bezirk Lichterfelde ein und übertrug ihm außerdem Funktionen in der Synagoge Fasanenstraße in Berlin-Charlottenburg39. Am 26. April 1934 heiratete Max Abraham Helene Elsa Kahane, und zusammen bezogen sie eine Wohnung in der Zietenstraße 34a in Lankwitz, nicht weit von der neuen Wirkungsstätte Abrahams entfernt40.

Als Max Abraham aber schließlich die Aufforderung bekam, seine sechsmonatige Haftstrafe im Mai 1934 anzutreten, beschloss er, sich der unrechtmäßigen Strafe zu entziehen. Die Erlebnisse der halbjährigen KZ-Haft hatten sowohl ihn als auch seine Frau, die ihn während der ganzen Zeit unterstützt hatte, stark mitgenommen. Besonders die mit der willkürlichen Verhaftung einhergehende Ungewissheit und der große finanzielle Aufwand durch die Gerichtsverhandlungen hatten Max und Helene Abraham an ihre Grenzen gebracht41, so dass beide sich dazu entschieden, eine erneute Haft zu umgehen, ihre Existenz in Deutschland aufzugeben und in die Tschechoslowakei zu fliehen42.

Flucht aus Deutschland
Max und Helene Abraham organisierten zunächst eine Flucht nach Dresden, von wo aus sie anschließend in die damalige Tschechoslowakei gebracht wurden. Mit der Unterstützung einiger Helfer erreichten sie eine Legalisierung bei den Behörden, was ihnen erst einmal eine politisch sichere Existenz in der tschechoslowakischen Republik verschaffte43. Die wirtschaftliche Existenz der Abrahams hingegen war weitaus unsicherer. Obwohl sie Unterstützung durch das jüdische Hilfskomitee in Prag erhielten, konnten sie zunächst in keine sichere Arbeitsstelle vermittelt werden. Zu ihrem eigenen Schutz und in ärmlichen Verhältnissen – alle ihre materiellen Besitztümer hatten sie in Berlin zurückgelassen – wohnten Max und Helene Abraham zunächst in Prag unter dem Namen Kral44.
Max Abraham setzte in seinem Exil das politische Engagement gegen Nationalsozialismus und Antisemitismus fort und knüpfte sehr bald entsprechende Kontakte. Sein Buch „Juda verrecke. Ein Rabbiner im Konzentrationslager“ erschien bereits im Jahr der Flucht in der tschechoslowakischen Stadt Teplitz-Schönau45, unweit der deutschen Grenze. K. L. Reiner, der das Vorwort des Buches verfasste, war offenbar Leiter der tschechoslowakischen Liga gegen Antisemitismus. Beide beteiligten sich an verschiedenen Diskussionsveranstaltungen46. Auch die österreichische katholische Gegnerin von Nationalsozialismus und Antisemitismus Irene Harand arbeitete mit Max Abraham zusammen und veröffentlichte unter anderem seine Schilderungen aus dem Konzentrationslager in ihrem 1935 erschienenen Buch „Sein Kampf. Antwort an Hitler47“. Max Abraham wollte mit seinen Schilderungen über die Bedingungen in den deutschen Konzentrationslagern aufklären und den Behauptungen entgegentreten, die in dem ebenfalls 1934 unter dem Namen des Oranienburger Lagerkommandanten Werner Schäfer herausgegebenen Buch „Konzentrationslager Oranienburg. Anti-Braunbuch über das erste deutsche Konzentrationslager“ veröffentlicht wurden und die Gräuel im KZ Oranienburg leugneten48. Über den Erfolg von Abrahams Bemühungen ist leider wenig bekannt, es ist aber anzunehmen, dass weite Teile der deutschen bzw. ausländischen Bevölkerung Abrahams Schilderungen nicht zur Kenntnis nahmen. Vermutlich als Reaktion auf Abrahams antinazistisches Engagement wurde dieser im Jahre 1935 offiziell aus Deutschland ausgebürgert; im Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger vom 11. Juni 1935 erschien sein Name auf einer Liste ausgebürgerter Deutscher neben denen von Bertolt Brecht, Erika Mann und Kreszentia Mühsam49, deren Mann, der Anarchist Erich Mühsam, im Konzentrationslager Oranienburg ermordet worden war.

Im Jahre 1937 bekam Max Abraham eine Anstellung in Kutná Hora, 60 km östlich von Prag. Die dortige jüdische Gemeinde stellte ihn als Prediger und Lehrer ein. 1938 wurde Abraham dann auch von der Prager jüdischen Gemeinde eingestellt50. Zusammen mit seiner Frau war es ihm so gelungen, ein halbwegs normales Leben zu führen, bis am 15. März 1939 deutsche Truppen die Tschechoslowakei besetzten und Abraham abermals vor den Nationalsozialisten fliehen musste.

Max und Helene Abraham kamen zunächst in der Garage eines Gebäudes der französischen Botschaft in Prag unter. Max Abraham berichtete später, dass die französische Gesandtschaft das Land bereits verlassen hatte und für ihn und seine Frau kein konsularischer Schutz bestand – ihre Verpflegung und Sicherheit mussten sie selber gewährleisten51. Am 10. April 1939 traten beide schließlich ihre gefährliche und kostspielige Flucht aus der Tschechoslowakei an. In einem Möbelwagen versteckt, fuhren die Flüchtigen über Pilsen, Fürth in Bayern, Wendelstein bei Nürnberg und Karlsruhe nach Kehl, wo Menschenschmuggler beide über die Grenze nach Frankreich brachten52. Mit der Unterstützung der jüdischen Hilfsorganisation HICEM konnte Max Abraham mit seiner Frau schließlich das europäische Festland verlassen und nach Großbritannien übersetzen, wo er vor dem Einfluss der Nationalsozialisten sicher war.

Max Abraham erreichte am 24. August 1939, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, England. Fast alle Mitglieder der Familie Abraham schafften es, der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zu entgehen. Nachdem die Mutter 1930 bereits gestorben war, heiratete Max Abrahams Vater erneut. In der Tschechoslowakei erfuhr Abraham vom Tod seines Vaters 1936; die Stiefmutter verblieb in der Wohnung der Eltern und wurde von dort aus später von den Nationalsozialisten deportiert. Beide Geschwister Max Abrahams emigrierten nach Rio de Janeiro, wo Zilla bereits 1949, Karl vermutlich in den späten 1960er oder 1970er Jahren verstarb53. Max Abraham selber blieb nach der Flucht mit seiner Frau in London.

Letztes Exil – Leben und Wirken in Großbritannien
Nach der Ankunft in Großbritannien benötigte Abraham wiederum die Unterstützung des Londoner Hilfskomitees, bis er 1941 nach einer Umschulung zum Metallarbeiter eine Arbeit in einem Rüstungsbetrieb fand. Nach Ende des Krieges eröffnete er 1949 selber ein Metallgeschäft54. Im Mai desselben Jahres erhielt Max Abraham mit seiner Frau nach 14 Jahren der Staatenlosigkeit die englische Staatsbürgerschaft55. Sie ließen sich nun, kinderlos56, endgültig in Großbritannien nieder.

Das Leben in Großbritannien war für beide sicherlich ein kleiner Neuanfang. Die Erlebnisse und Entbehrungen jedoch waren nicht spurlos an ihnen vorüber gegangen. Max Abraham und auch seine Frau litten nach dem Krieg unter verschiedenen gesundheitlichen Problemen; besonders die Misshandlungen in den Konzentrationslagern verursachten bei Max Abraham bleibende physische und psychische Beschwerden; Helene Abraham musste sich 1956 zwei Notoperationen unterziehen57. Auch die finanzielle Situation der beiden scheint nicht sehr gut gewesen zu sein. Abraham kehrte nicht in seinen ursprünglichen Beruf als Prediger zurück. Stattdessen verdingte er sich als Metallarbeiter, Buchhalter und Büroangestellter. Vermutlich weil sie sich die Mieten nicht leisten konnten, zogen Max und Helene Abraham zwischen 1951 und 1964 mehrfach um58. Trotz der Entschädigungszahlungen, die beide unter teilweise größten Mühen und mit Hilfe einer Berliner Anwältin von der bundesdeutschen Entschädigungsbehörde für die erlittenen Schäden während der Zeit des Nationalsozialismus erhielten, konnten sie einen Lebensstandard wie vor der Verhaftung Max Abrahams 1933 nicht wieder erreichen59.

Max Abraham engagierte sich in London stark in der jüdischen Gemeinde. Er war aktives Vorstandsmitglied der dortigen Emigrantengemeinde, der New Liberal Jewish Congregation (heute Belsize Square Synagogue), einer liberalen und progressiven Synagogengemeinde. Auch in der Chevra Kadisha, einer jüdischen Organisation, die sich besonders Kranker und Bedrängter annahm, und in der er schon zu Rathenower Zeiten aktiv gewesen war, betätigte sich Abraham als Vorsitzender. Durch seine verschiedenen Engagements konnte er so weiterhin eine wichtige Repräsentantenrolle in der jüdischen Gemeinde übernehmen, wie er es auch zuvor schon mehrere Male getan hatte. Im April 1954 erschien in der Jüdischen Allgemeinen Zeitung ein Artikel zum 50. Geburtstag Max Abrahams, in dem sein Leben und Wirken gewürdigt wurde. Verfasser des Artikels war der ebenfalls in London lebende Magnus Davidsohn, ein ehemaliges Verwaltungsmitglied der Berliner jüdischen Gemeinde60.

Am 21. August 1968 starb Max Abrahams Frau Helene nach einer eineinhalb Jahre dauernden schweren Krankheit. Vermutlich um sich von den Strapazen zu erholen und sich von dem erlittenen Verlust abzulenken, begab sich Abraham auf eine dreimonatige Reise61. Er hielt sich während dieser Zeit offenbar vornehmlich in Deutschland auf; vermutlich zum ersten Male seit langem, da seine verstorbene Frau es abgelehnt hatte, jemals dorthin zurück zu fahren62. Nach einem Besuch seines mittlerweile ebenfalls schwerkranken Bruders in Rio kehrte Abraham im November 1968 nach London zurück. Im April des nächsten Jahres hielt er sich abermals in Deutschland auf; zu seinem 65. Geburtstag am 27. April 1969 erschien in der Allgemeinen jüdischen Wochenzeitung wieder ein Artikel63. Es ist anzunehmen, dass Max Abraham seine Verbindungen nach Deutschland weiterhin aufrecht erhielt und auch in den folgenden Jahren öfter dorthin reiste. Nach dem Tode seiner Frau hatte er die deutsche Staatsbürgerschaft, zusätzlich zur britischen, wieder angenommen64.

Über die letzten Lebensjahre Max Abrahams ist nur wenig bekannt. Anscheinend heiratete er in den 1970er Jahren ein weiteres Mal. Seiner Sterbeurkunde65, die über seinen Tod am 23. Juni 1977 informiert, ist zu entnehmen, dass er Celina Abraham als seine Witwe hinterließ. Mit 73 Jahren war Max Abraham an einem Herzinfarkt gestorben. Aus demselben Dokument geht außerdem hervor, dass Abraham zuletzt Rabbi im Ruhestand war. Offenbar war es ihm doch noch möglich, in seinen ursprünglichen Beruf zurückzukehren und, wie er es schon 1934 hatte machen wollen, Rabbiner zu werden.

1 Abraham, Max: Juda verrecke. Ein Rabbiner im Konzentrations-Lager, mit einem Vorwort von K. L. Reiner, in: Irene A. Diekmann/Klaus Wettig (Hrsg.): Konzentrationslager Oranienburg. Augenzeugenberichte aus dem Jahre 1933, Potsdam 2003, S. 117-167, hier: S. 142. 

2 Vgl. Lebenslauf der Eltern, von Max Abraham verfasst, in: Entschädigungsbehörde im Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin (LABO), Entschädigungsakte Max Abraham, Reg. Nr. 50909. 

3 “Lehrer und Prediger. Max Abraham wird 65”, in: Allgemeine unabhängige jüdische Wochenzeitung, 24. Jahrgang, Nr. 4, Düsseldorf, den 25. April 1969. 

4 Vgl. „Erklärung über die wirtschaftliche und soziale Stellung des Verfolgten“, in: Entschädigungsakte Max Abraham. 

5 Gemeint ist vermutlich die Carmen-Sylva-Str. im Bezirk Prenzlauer Berg, heute Erich-Weinert-Str. 

6 Vgl. Lebenslauf der Eltern. 

7 Vgl. „Erklärung über die wirtschaftliche und soziale Stellung des Verfolgten“. 

8 Vgl. Antrag auf Wiedergutmachung für die im Ausland lebenden Angehörigen des öff. Dienstes, 11. Mai 1953, in: Entschädigungsakte Max Abraham. 

9 Vgl. Diekmann, Irene: Der Beitrag von mündlichen Quellen für die Aufarbeitung von Lokalgeschichte. Dargestellt am Beispiel des Interviews mit Egon K. aus Rathenow, in: Cathy Gelbin/Eva Lezzi/Geoffrey H. Hartman/Julius H. Schoeps (Hrsg.): Archiv der Erinnerung – Interviews mit Überlebenden der Shoah. Videographierte Lebenserzählungen und ihre Interpretationen, Potsdam 1998, S. 329-353, hier: S. 335. 

10 Vgl. Abraham: Juda verrecke, S. 124. 

11 Vgl. Interview mit Egon K., in: Archiv der Erinnerung. Interviews mit Überlebenden der Shoah mit Begleitheft. Gemeinsames Projekt des Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien und dem Medienpädagogischen Zentrum Land Brandenburg, Potsdam 1998. 

12 Vgl. Diekmann: Der Beitrag von mündlichen Quellen […] am Beispiel des Interviews mit Egon K., S. 431. 

13 Vgl. Abraham: Juda verrecke, S. 125. 

14 Vgl. ebd. 

15 Vgl. Interview mit Egon K. 

16 Vgl. Abraham: Juda verrecke, S. 125f. 

17 Vgl. ebd., S. 127f. 

18 Vgl. Brief der SA an die Standarte 35 vom 1. Juli 1933, in: Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/17, Bl. 266. 

19 Vgl. Abraham: Juda verrecke, S. 128. 

20 Vgl. ebd., S. 147. 

21 Die SA zwang ihn, sich als solcher zu bezeichnen – vermutlich da es ihnen zu ihrer sadistischen Freude gereichte, ausgerechnet einen hohen jüdischen Geistlichen quälen zu können. 

22 Abraham: Juda verrecke, S. 131. 

23 Vgl. ebd., S. 133. 

24 Ebd., S. 135. 

25 Ebd., S. 134. 

26 Vgl. ebd., S. 134. 

27 Vgl. ebd., S. 137f. 

28 Vgl. ebd., S. 162. 

29 Abschrift des Briefs der Ortspolizeibehörde Rathenow an den Regierungspräsidenten in Potsdam vom 16. August 1933, in: BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/17, Bl. 272. 

30 Vgl. ebd. 

31 Vgl. Abraham: Juda verrecke, S. 145. 

32 Vgl. ebd., S. 146f. 

33 Ebd., S. 148. 

34 Vgl. ebd., S. 155. 

35 Ebd., S. 157. 

36 Ebd., S. 161. 

37 Vgl. ebd., S. 162ff. 

38 Vgl. Schreiben der Ortspolizeibehörde Rathenow an den Regierungspräsidenten vom 22. Januar 1934, in: BLHA, Rep. 2 A Regierung Potsdam Pol, Nr. 1159 

39 Vgl. “Lehrer und Prediger. Max Abraham wird 65”. 

40 Vgl. Eidesstattliche Erklärung Max Abrahams vom 26. August 1954, in: Entschädigungsakte Max Abraham. 

41 Vgl. Abraham: Juda verrecke, S. 162. 

42 Vgl. ebd., S. 166. 

43 Vgl. Erklärung Abrahams vom 21. November 1951, in: Entschädigungsakte Max Abraham. 

44 Vgl. ebd. 

45 Heutiges Teplice in der tschechischen Republik. 

46 Vgl. “Lehrer und Prediger. Max Abraham wird 65”. 

47 Das Buch ist 2005 im Ephelant-Verlag neu erschienen und außerdem online herunterzuladen unter http://wissensnavigator.ch/documents/HarandSK.pdf (Zugriff am 14.5.2008) 

48 Vgl. Abraham: Juda verrecke, S. 140ff. 

49 Vgl. Diekmann: „Einleitende Bemerkungen zum Bericht von Max Abraham“, in: dies./Wettig: Konzentrationslager Oranienburg. Augenzeugenberichte, S. 113-115, hier: S. 114. 

50 Vgl. Antrag vom 22. März 1958 und vom 3. September 1951, in: Entschädigungsakte Max Abraham. 

51 Vgl. Eidesstattliche Erklärung Max Abrahams vom 26. August 1954. 

52 Vgl. ebd. 

53 Vgl. Lebenslauf der Eltern. 

54 Vgl. Antrag vom 3. September 1951. 

55 Vgl. ebd. 

56 In einem Brief vom 17. März 1969 bemerkte Max Abraham, seine Frau sei stark traumatisiert gewesen durch eine Fehlgeburt, die sie vermutlich während der Strapazen in den 1930er Jahren erlitt, vgl. Brief von Max Abraham an die Entschädigungsbehörde vom 17. März 1969, in: Entschädigungsakte Max Abraham. 

57 Vgl. Entschädigungsantrag „Schaden an Körper und Gesundheit“ vom 12. November 1954 und den Brief der Anwältin Adelheid Peschke an die Entschädigungsbehörde vom 3. Dezember 1956, ebd. 

58 Vgl. ebd. 

59 Vgl. ebd. 

60 Vgl. Davidsohn, Magnus: „Ein Lehrer des Judentums. Max Abraham zum 50. Geburtstag“, in: Jüdische Allgemeine Zeitung, 9. April 1954. 

61 Vgl. Korrespondenz zwischen der Anwältin Adelheid Peschke und der Entschädigungsbehörde zwischen September und November 1969, in: Entschädigungsakte Max Abraham. 

62 Vgl. Brief Abrahams an Entschädigungsbehörde vom 17. März 1969. 

63 Vgl. “Lehrer und Prediger. Max Abraham wird 65”. 

64 Vgl. Brief Abrahams an Entschädigungsbehörde vom 17. März 1969. 

65 Vgl. Sterbeurkunde Max Abraham, in: Entschädigungsakte Max Abraham.
 

Soziale/Regionale Herkunft: Aufgewachsen in einem streng religiösen jüdischen Elternhaus in Posen

Ausbildung/Berufstätigkeit: Gymnasium und jüdische Talmud Toraschule in Posen, ab 1927 Lehrer, Prediger und Kantor verschiedener jüdischer Gemeinden, nach 1945 Metallarbeiter und Büroangestellter

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: nicht bekannt

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD, Reichsbanner

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: Verfassen der Broschüre „Juda verrecke. Ein Rabbiner im Konzentrationslager“, Einsatz gegen Nationalsozialismus und Antisemitismus

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: KZ Oranienburg: 27. Juni 1933 – 7. September 1933, KZ Börgermoor/Papenburg: 13. September – Oktober 1933, KZ Lichtenburg: bis 30. Oktober 1933, Amtsgefängnis Rathenow: 1. November 1933 – 21. Dezember 1933

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: Zwei Artikel in der Jüdischen Allgemeinen Zeitung und der Allgemeinen unabhängigen jüdischen Wochenzeitung mit Würdigung zum 50. und zum 65. Geburtstag

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