Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg

Nationalsozialistischer Begriff, bezeichnete den Prozess der Verdrängung von Juden aus dem Wirtschafts- und Berufsleben des »Dritten Reiches«. Jüdischer Besitz wurde zu Gunsten nichtjüdischer Deutscher enteignet, jüdische Erwerbstätigkeit stark eingeschränkt. Jüdische Unternehmer waren gezwungen, ihr Eigentum weit unter Wert zu veräußern. Die so genannte »Zwangsarisierung« – als zweite Phase des Prozesses – setzte nach dem Novemberpogrom 1938 ein: Juden war nun jede unabhängige wirtschaftliche Tätigkeit verboten. Die noch verbliebenen jüdischen Unternehmen wurden unter die Treuhand von Regierungsbeauftragten gestellt. Juden, die die Möglichkeit erhielten, in den Jahren 1938 bis 1941 auszuwandern, mussten ihr Eigentum weitestgehend zurücklassen, das nun in den Besitz der örtlichen Behörden, in Form der Reichsfluchtsteuer und anderer »legaler« Abgaben, überführt bzw. auf Sperrkonten überwiesen wurde. Die Wohnungen deportierter Juden übernahm die Stadtverwaltung, die für die »Übertragung der Eigentumsrechte« sorgte: Möbel, Wertsachen und Gegenstände fielen an den Fiskus und wurden öffentlich versteigert.*

Impressum

* Mit dankenswerter Genehmigung durch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entnommen aus: Gegen das Vergessen. Häftlingsalltag im KZ Sachsenhausen 1936-1945, CD-ROM, Systema 2004.