Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

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Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden

Bernd-Peter Lange über den jüdischen Arzt und Kommunisten Georg Benjamin

18. März 2020

Bereits zum sechsten Mal fand in der letzten Woche das Veranstaltungsformat »Im Gespräch über den Strafvollzug gestern und heute« in der Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden statt. Der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Bernd-Peter Lange sprach mit dem Publikum über Georg Benjamin. Er war nicht nur Bruder des Philosophen Walter Benjamin und Ehemann der späteren DDR-Justizministerin Hilde Benjamin, sondern kämpfte im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Nach seiner Verhaftung im Mai 1936 verbrachte er sechs Jahre im Zuchthaus Brandenburg-Görden. Von dort gelangte er über das Arbeitslager Wuhlheide bei Berlin ins KZ Mauthausen, wo er kurz nach seiner Ankunft 1942 ermordet wurde.

Professor Lange sprach über verschiedene Aspekte von Benjamins Leben. So legte er dem Titel seines Buches folgend ‒ »Georg Benjamin: Ein bürgerlicher Revolutionär im roten Wedding« ‒ besonderes Augenmerk auf die Herkunft Georg Benjamins. Der Kinderarzt stammte aus einer bürgerlichen jüdischen Familie in Berlin-Grunewald, zog später jedoch als Kommunist in den proletarisch geprägten „roten“ Wedding. Als zweiten Fokus wählte der Literaturwissenschaftler die Bedeutung des Schachspiels für Georg Benjamin. In der Haftzeit brachte sich der leidenschaftliche Schachspieler Benjamin nicht nur das Blindspiel bei, sondern schickte seinem Sohn Michael auch Schachaufgaben per Brief. Das Publikum interessierte sich im anschließenden Gespräch unter anderem dafür, wie sich die Ermordung Benjamins auf seine Frau und ihre Rolle in der DDR-Justiz auswirkte, für die Tätigkeit Georg Benjamins als Arzt für die proletarische Bevölkerung im Wedding und seine Stellung in der Arbeiterpartei KPD als Bürgerlicher.

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