Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

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Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Call for Papers: Religiosität in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und anderen Haftstätten

04. Februar 2019

Gemeinsam mit den Gedenkstätten Bergen-Belsen und Dachau richtet die Gedenkstätte Ravensbrück am 28. und 29. Juni 2019 eine Tagung zum Thema "Religiosität in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und anderen Haftstätten" aus.

Die Wahrnehmung und Bewertung religiöser Aktivitäten der Häftlinge in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern ist von einer eigentümlichen Ambivalenz geprägt. Einerseits werden sie in Publikationen zur Geschichte der einzelnen Konzentrationslager meist nur wenig zur Kenntnis genommen. Andererseits erscheint in einem Großteil der Studien, die auf dieses Thema eingehen, das religiöse Leben in den Konzentrationslagern in idealisierender Weise als eine Subkategorie des Widerstands. Aber auch dies ist problematisch, denn die religiösen Aktivitäten in den Konzentrationslagern primär als Widerstandshandlung zu betrachten, wird der Eigenbedeutung der genuin religiösen Motive der jeweiligen Häftlinge nicht gerecht und führt tendenziell zu einer Enthistorisierung. Wenn die Darstellung religiöser Aktivitäten der Häftlinge in den NS-Konzentrationslagern dazu dient, die Unverletzlichkeit religiöser Werte und Normen, den Triumph von Religiosität über die Inhumanität zu belegen, dann ignoriert sie die grauenhafte Realität der Konzentrationslager, die nicht nur den Hintergrund dieses religiösen Handelns bildete, sondern es auch selbst prägte und veränderte. Notwendig ist somit eine differenziertere historische Analyse von Religiosität in den Konzentrationslagern, die neben einem sozialhistorischen Zugang auch genuin religionsgeschichtliche Fragestellungen in den Blick nimmt.

Dazu möchte die Tagung einen Beitrag leisten und zugleich das Spektrum der Forschungsthemen erweitern. Dazu gehört auch die Einbeziehung von Verfolgtengruppen wie z. B. den (überwiegend katholischen) Sinti und Roma, die in diesem Zusammenhang bisher kaum wahrgenommen worden sind. Darüber hinaus sollen auch Bedingungen und Formen religiösen Handelns in anderen nationalsozialistischen Haftstätten in den Blick genommen werden. Im Einzelnen soll sich die Tagung folgenden Fragen und Themen widmen:

Rolle der Gefangenenseelsorge in den NS-Haftstätten

Religiös definierte Minderheiten wie Quäker u. a. in den Konzentrationslagern und Haftstätten

Religiös-theologische Deutungen der NS-Verfolgung in den Memoiren von Überlebenden der Konzentrationslager

Die Amtskirchen und die inhaftierten Pfarrer und Priester

Christliche Feiertage in den Konzentrationslagern und anderen Haftstätten

Jüdische Feiertage in den Konzentrationslagern und anderen Haftstätten

Aspekte alltäglicher religiöser Praxis in den Konzentrationslagern

Geschlechtsspezifische Aspekte religiöser Praxis in den Konzentrationslagern

Ethisches Handeln als Dimension religiöser Praxis im KZ

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der NS-Verfolgung unter den Zeugen Jehovas nach 1945

Rezeptionsgeschichte zur religiös-politischen Verfolgung von Christen im Nationalsozialismus

Die Überlieferung religiöser Artefakte aus den Konzentrationslagern

Die religiöse Praxis orthodoxer/chassidischer Juden in den Konzentrationslagern

Die religiöse Praxis von Sinti und Roma in den Konzentrationslagern

Nationale Spezifika religiöser Praxis in den Konzentrationslagern

 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die auf der Tagung zu einem der umrissenen Themenbereiche einen Beitrag leisten möchten, sind herzlich zur Teilnahme und Mitwirkung eingeladen. Es ist geplant, einzelne Vorträge der Tagung in einem Themenheft der Zeitschrift „Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung“ zu veröffentlichen, dessen Erscheinen für 2020 vorgesehen ist.

Die Vorträge sollen den Charakter von Impulsreferaten haben, an die sich jeweils eine Diskussion anschließt. Wir bitten alle Interessierten, uns bis spätestens 10. März 2019 ein einseitiges Abstract ihres geplanten Vortrags (maximal 600 Wörter) sowie eine Kurzbiographie an folgende E-Mail-Adressen zu senden:

Thomas.Rahe@stiftung-ng.de

esche@ravensbrueck.de

hammermann@kz-gedenkstaette-dachau.de

Die Benachrichtigung der ausgewählten Referentinnen und Referenten erfolgt bis 31. März 2019. Für Referentinnen und Referenten werden die Reise- und Übernachtungskosten übernommen.

Kontakt: Dr. Insa Eschebach | eschebach@ravensbrueck.de | Telefon: +49 33093 608 - 13 sowie Hannah Sprute | sprute@ravensbrueck.de | Telefon: +49 33093 608 - 25

 

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