Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

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Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Die Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um Erika Riemann (1930-2021)

01. Februar 2022

Die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen trauert um Erika Riemann, die bereits am 27. Juli 2021 im Alter von 91 Jahren verstorben ist.

Erika Riemann, geboren Grabe, wurde für einen jugendlichen Streich hart bestraft. Sie ergänzte 1945 ein Porträt des sowjetischen Staats- und Parteichefs Stalin mit einer Schleife an dessen Bart. Sie wurde verhaftet und am 6. August 1946 von einem sowjetischen Militärtribunal wegen der Verhöhnung des Porträts des Chefs der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und antisowjetischer Propaganda zehn Jahren Haft verurteilt. Sie durchlief mehrere Haftstationen. Von 1948 bis 1950 war sie im sowjetischen Speziallager in Sachsenhausen inhaftiert, wo sie dem Lagertheater angehörte. Nach acht Jahren Haft wurde sie 1954 aus dem Frauenzuchthaus in Hoheneck entlassen.

2002 veröffentlichte Erika Riemann ihre Erinnerungen unter dem Titel „Die Schleife an Stalins Bart“. Das Buch, das sie auch in der Gedenkstätte vorstellte, wurde ein großer Erfolg und erreichte zahlreiche Auflagen. Es handelt sich um einen der bekanntesten Erinnerungsberichte zu den sowjetischen Speziallagern in Deutschland, in dem sie schonungslos von den Strapazen der unmenschlichen Haft und vom Miteinander der Häftlinge berichtet, aber auch heikle Themen nicht ausspart. Für ihr „Engagement für Freiheit und Demokratie und für die Aufarbeitung des SED-Unrechts“ erhielt sie 2009 das Bundesverdienstkreuz.

Seit den 1990er Jahren stand Erika Riemann im Kontakt mit der Gedenkstätte Sachsenhausen. Stiftungsdirektor Axel Drecoll würdigte Erika Riemann als wichtige Unterstützerin der Gedenkstätte der Aufarbeitung: „Als Zeitzeugin hat sie sich viele Jahre für die Erinnerung an die sowjetischen Speziallager engagiert. Mit ihren Büchern, Zeitzeugengesprächen und TV-Auftritten hat sie das Thema einer breiten Öffentlichkeit nähergebracht.“

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