Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

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Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Die Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um Hubert Polus (1930-2022)

06. Mai 2022

Die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen trauert um Hubert Polus, der am 11. April 2022 im Alter von 92 Jahren verstorben ist. Polus, der als Jugendlicher im sowjetischen Speziallager in Sachsenhausen inhaftiert war, war der Gedenkstätte seit mehr als 30 Jahren eng verbunden. Stiftungsdirektor Axel Drecoll würdigte Hubert Polus als Unterstützer der Gedenkstätte und der Aufarbeitung: „Als Zeitzeuge hat sich Hubert Polus beharrlich für die Erinnerung an die sowjetischen Speziallager engagiert. Trotz großer gesundheitlicher Einschränkungen nahm er bis zuletzt an der Arbeit der Gedenkstätte regen Anteil.“

Hubert Polus wurde am 2. Februar 1930 in Völpke bei Haldensleben geboren. Am 10. April 1946 verhaftete ihn die Operativgruppe Potsdam des sowjetischen Geheimdienstes in Senzig unter dem Vorwurf, der nationalsozialistischen Werwolf-Organisation anzugehören. Am 12. Juli 1946 wurde er ohne Urteil ins sowjetische Speziallager Nr. 7 in Sachsenhausen eingewiesen. Am 28. April 1948 schlug eine sowjetische Kommission seine Entlassung vor. Eine „praktische Tätigkeit“ habe ihm „nicht nachgewiesen werden“ können. Hubert Polus kam am 11. August 1948 frei.

Bereits Ende 1989 nahm Hubert Polus Kontakt zur Gedenkstätte Sachsenhausen auf, um bei der Aufarbeitung der in der Zeit der DDR verschwiegenen Geschichte des Speziallagers mitzuwirken. Sein Interview eröffnet mit der Nr. 1 die Sammlung der Audiokassetten mit Zeitzeugeninterviews mit ehemaligen Häftlingen des Speziallagers. Später kam ein Videointerview hinzu. Er übergab der Gedenkstätte neben Fotos und Dokumenten wertvolle Erinnerungsstücke an seine Haftzeit, darunter ein Püppchen und ein Herz, das er im Sommer 1948 kurz vor seiner Entlassung von einer Mitinhaftierten im Speziallager erhalten hatte. Sein Schicksal wird in den pädagogischen Angeboten der Gedenkstätte thematisiert.

Hubert Polus war der Gedenkstätte bis zu seinem Tode eng verbunden. Er stand für Zeitzeugengespräche zur Verfügung, kam bis zuletzt zu Jahrestagen oder erschien manchmal überraschend bei öffentlichen Führungen zur Geschichte des Speziallagers, die er mit seinen persönlichen Erinnerungen bereicherte.

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