Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

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Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Neuzugang im Depot: Die Küchenuhr des KZ-Überlebenden Albert Christel

03. Januar 2019

Mit der Wanduhr von Albert Christel, die jahrzehntelang in seiner Küche hing, hat es eine besondere Bewandtnis: Sie zeigt die Stunde seines Todes, denn unmittelbar bevor er sich 1977 das Leben nahm, hielt er sie an.

Der 1907 in Metz geborene Christel war Lehrer, Autor und leidenschaftlicher Sammler. Er stand schon als junger Mann in Opposition zum aufkeimenden Nationalsozialismus und betrieb nach der Machtergreifung 1933 aktiven Widerstand, indem er mit kommunistischen Freunden Flugblätter und Handzettel druckte und verteilte. Er wurde jedoch bald gefasst, aus Mangel an Beweisen aber wieder freigelassen. 1934 wurde er wegen eines Verstoßes gegen § 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männer unter Strafe stellte, zu drei Jahren Gefängnishaft verurteilt und aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen.

1939 folgte nach einer Denunziation aufgrund einer kritischen Äußerung zum Hitler-Stalin-Pakt eine erneute Verhaftung, die Christel über das Polizeigefängnis Dresden als Schutzhäftling in das KZ Sachsenhausen führte. Ab Dezember 1939 wurde er dort unter der Häftlingsnummer 6153 geführt und erhielt neben dem roten Winkel für politische auch den rosa Winkel für homosexuelle Häftlinge. Nach Haftstationen in den Konzentrationslagern Flossenbürg und Neuengamme gelangte er im März 1943 wieder nach Sachsenhausen. Anfang Mai 1945 erlebte er auf dem Todesmarsch in der Nähe von Schwerin seine Befreiung.

Nach der Befreiung ging Albert Christel zu seinen Eltern und Geschwistern nach Frankfurt am Main. Schon Ende 1945 begann er mit der Niederschrift seiner Erlebnisse in der Lagerhaft. Zudem bemühte er sich um seine Anerkennung als politischer Häftling, um eine Haftentschädigung zu erlangen. Wegen seiner Vorstrafen nach § 175 blieb ihm beides jedoch die längste Zeit verwehrt.

Beruflich konnte er nur schwer Fuß fassen, ob als Pädagoge oder Autor. Nach dem Tod der Eltern und Geschwistern holte ihn die Last des Erlebten zunehmend ein. Am 26. Dezember 1977 ging Albert Christel in Frankfurt am Main in den Freitod. Seine Küchenuhr, die er zuvor angehalten hatte, erinnert bis heute an seine Todesstunde. Sein Erinnerungsbericht „Apokalypse unserer Tage“ erschien erst Jahre nach seinem Tod.

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