Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Veranstaltungen

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Symposium "Identitätspolitik und Gedenken. Schwul-Lesbische Erinnerungskulturen in der Diskussion"

20. April bis 21. April 2017 – 16:00 bis 19:30 Uhr

Symposium im Kontext des 72. Jahrestages der Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers

Veranstalterin: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Schirmherrin: Monika von der Lippe, Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg

 

Gedenkstätten an Orten ehemaliger Konzentrationslager sind von jeher gefragte Orte für geschichtspolitisches Handeln. Gedenkzeichen, die staatlicherseits, aber auch von zivilgesellschaftlichen Initiativen gesetzt werden können, suchen spezifische historische Verfolgungskontexte sichtbar zu machen. Zugleich artikulieren sie aber immer auch gegenwartsbezogene Ansprüche auf Sichtbarkeit und Anerkennung.

In Folge der schwul-lesbischen Emanzipationsbewegungen werden seit Anfang der 1980er Jahre Gedenkzeichen in KZ-Gedenkstätten gesetzt, die an das Schicksal männlicher homosexueller Häftlinge erinnerten; auch für die Erinnerung an lesbische Häftlinge hat es verschiedene Gedenkinitiativen gegeben. Indes war dieser Prozess von Anbeginn von einer Kritik begleitet: Ziele, so eine der Vermutungen, die Praxis des Gedenkens an diesen Orten nicht auf eine Konstruktion von „Vorfahren“ und „Ahnen“, die allesamt in der NS-Zeit verfolgt wurden? Und stellt nicht eben diese Praxis die heutigen „Nachkommen“ quasi in eine Tradition der Unschuld? Inwieweit begeben sich schwul-lesbische Initiativen in die Falle einer identitären Besetzung des Vergangenen, in der beispielsweise die Homosexualität im Milieu der SS-Täterinnen und Täter vollends aus dem Blick gerät?

Gleichwohl stellt sich die Frage, ob identitätspolitische Motive nicht grundsätzlich konstitutiver Bestandteil von Akten öffentlichen Gedenkens sind. Sind Entscheidungen über die Legitimität von Gedenkzeichen nicht immer auch Entscheidungen darüber, welche sozialen Gruppen in ihrem Anspruch auf gesellschaftliche Sichtbarkeit unterstützt werden und welche nicht? Das geplante Symposium ist diesen Fragen gewidmet. Anlass ist die Kontroverse um die Legitimität öffentlichen Gedenkens lesbischer Frauen, die erstmals in aller Schärfe in den 1990er Jahren um das Denkmal für verfolgte Schwule und Lesben im Berliner Tiergarten geführt wurde und derzeit in der Gedenkstätte Ravensbrück eine Fortsetzung findet. Das Symposium sucht Aktivistinnen, Geschichts- und KulturwissenschaftlerInnen, MultiplikatorInnen und Interessierte miteinander ins Gespräch zu bringen.

 

Programm

 

Donnerstag, 20. April 2017

 

16 Uhr Begrüßungen

Insa Eschebach, Gedenkstätte Ravensbrück

Monika von der Lippe, Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg

 

16.20 Uhr Grußworte

Diana Golze, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg

Bettina Dziggel und Marinka Körzendörfer, Aktivistinnen, Berlin

Irmes Schwager, Initiative Autonome Feministische Frauen Lesben aus Deutschland und Österreich

 

17.30 Uhr - 19 Uhr

Moderation: Gabriele Kämper, Leiterin der Geschäftsstelle Gleichstellung des Senats von Berlin

Insa Eschebach, Gedenkstätte Ravensbrück: Zur Einführung: Geschichte und Gedenken homosexueller Frauen und Männer im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück

Anna Hajkova, University of Warwick: Gleichgeschlechtliches Verhalten im Ghetto Theresienstadt, 1941-45: Prolegomena einer queeren Geschichte des Holocaust

 

19 Uhr Empfang

 

20 Uhr Ausstellungseröffnung

Eröffnung der Ausstellung der Initiative Autonome Feministische Lesben Frauen aus Deutschland und Österreich: Eine Gedenkkugel für die verfolgten und ermordeten Frauen und Mädchen im KZ Ravensbrück und Uckermark.

Einführung: Wiebke Haß und Susanne Kuntz

 

21 Uhr Warum wir so gefährlich waren. Geschichten eines inoffiziellen Gedenkens

Dokumentarfilm, Deutschland 2006, 50 Minuten

In den 1980er Jahren versuchten Frauen der Ostberliner Gruppe „Lesben in der Kirche“ an mehreren Gedenkveranstaltungen der Gedenkstätte Ravensbrück teilzunehmen. Zwanzig Jahre später erinnern sich vier dieser Frauen an die Geschehnisse und ihre Motive, an die harschen staatlichen Reaktionen und an die politische Arbeit in der Gruppe. Der Dokumentarfilm entstand 2006 am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.

Einführung: Bettina Dziggel und Marinka Körzendörfer

 

Freitag, den 21. April 2017

 

9.15 Uhr - 10.45 Uhr

Moderation: Claudia Schoppmann, Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Thomas Rahe, Gedenkstätte Bergen-Belsen: Die Verfolgung weiblicher und männlicher Homosexueller im ‚Dritten Reich‘: Formen und Kontexte des Gedenkens in den deutschen KZ-Gedenkstätten

Lutz van Dijk, Kapstadt / Amsterdam: Erinnern an Rosa Winkel Häftlinge – auch in Polen, auch in Auschwitz ? Überlegungen zum Forschungsstand und zu politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen

 

11.15 Uhr - 12.45 Uhr

Moderation: Matthias Heyl, Gedenkstätte Ravensbrück

Thomas Lutz, Stiftung Topografie des Terrors: Gedenken und Identitätspolitik: Opfergruppen des NS-Regimes zwischen Anerkennung und Verdrängung

Corinna Tomberger, Freie Universität Berlin: Die Ordnung des Gedenkens. Soziale Ein- und Ausschlüsse in der Erinnerungskultur

 

Mittag

 

14 - 15.30 Uhr

Moderation: Birgit Bosold, Schwules Museum* Berlin

Gabriele Dietze, Humboldt-Universität Berlin: Opferkonkurrenz. Von sichtbaren, unsichtbaren und ungewollten Opferpositionen

Sabine Hark, TU Berlin: Vom prekären Status lesbischer Identitäten im Feld der Geschichtspolitiken

 

16 - 18 Uhr Podium: Die Zukunft des Gedenkens

Moderation: Matthias Heyl, Gedenkstätte Ravensbrück

TeilnehmerInnen: Carola Sachse, Mitglied Fachkommission der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten; Lisa Steininger, Initiative Autonome Feministische Frauen Lesben aus Deutschland und Österreich; Thomas Lutz, Beiratsvorsitzender der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten; LSVD Berlin-Brandenburg; Jeanine Bochat, Internationales Ravensbrück Komitee

 

18.30 - 19.30 Uhr Abendessen

 

Ende

 

Die Teilnahme an dem Symposium ist kostenfrei. Um Anmeldung bis zum 15. April 2017 wird gebeten.

Zur Anmeldung nutzen Sie bitte das Online-Formular oder kontaktieren die Gedenkstätte per Mail unter info@ravensbrueck.de.

 

Übernachtung im Mehrbettzimmer und Vollpension in der benachbarten Jugendherberge Ravensbrück: 41,00 € pro Tag

Zimmervermittlung in Fürstenberg/Havel über die Touristeninformation Tel.: +49 33093 32254 info@fuerstenberger-seenland.de

 

Anreise Bahn: Der Regional-Express fährt stündlich von Berlin-Hauptbahnhof nach Fürstenberg/Havel (Richtung: Stralsund / Rostock). Vom Bahnhof Fürstenberg 2 km Fußweg oder per Taxi. Ein Transfer wird auf Anfrage organisiert.

PKW: Fürstenberg liegt ca. 80 km nördlich von Berlin an der B 96 Berlin-Stralsund; in Fürstenberg der Beschilderung folgen

 

Das Symposium wird gefördert durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg und durch die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg.

Kontakt

Adresse
Gedenkstätte Ravensbrück
Straße der Nationen
16798 Fürstenberg/Havel
Telefon
033093-60813
Zurück zur Übersicht