Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

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Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

29. Arbeitstreffen der Ravensbrück-Forschung: #Ravensbrück: Lagergeschichte und Geschlecht in populären Geschichtsdarstellungen

03. November bis 04. November 2017 – 12:00 bis 18:00 Uhr

Die Versuche, die komplexe Geschichte des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück zu erzählen, sind zahlreich: Sei es in der Memoirenliteratur, in Filmen, sei es in Form von Romanen, Drehbüchern, audiovisuell dokumentierten Interviews oder – in jüngster Zeit – auch in Comics. In den letzten Jahren sind eine Reihe neuer Ravensbrück-Romane erschienen, u.a. „Lilac Girls“ (2015) von Martha Hall Kelly oder auch „Kinderzimmer“ (2014) von Valentine Goby. Auch neue populär-wissenschaftliche Darstellungen liegen vor, allen voran der 2015 publizierte, über 700 Seiten umfassende Band der britischen Journalistin Sarah Helm „If this is a woman“, mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzt.

 

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was die populären Geschichtsdarstellungen charakterisiert und warum sie so erfolgreich sind. Was genau unterscheidet sie im Einzelnen von der wissenschaftlich fundierten Befassung mit der Ravensbrücker Lagergeschichte?

Populäre Diskurse suchen Komplexität zu reduzieren, sie arbeiten mit scharfen Gegenüberstellungen, dramatisieren und verfolgen in der Regel einen moralisch begründeten Anspruch auf Wahrhaftigkeit. Populäre Geschichtsdarstellungen argumentieren mit Hilfe gefälliger Sprachmuster und tradierter Geschlechterbilder, wozu ein Frauen-Konzentrationslager offenbar besonderen Anlass zu geben scheint.

Welche Geschlechterstereotypen sind virulent in den populären Darstellungen von Ravensbrück, beispielsweise der aus politischen Gründen verfolgten Häftlinge einerseits und der als „asozial“ stigmatisierten andererseits? Warum sind die Geschlechterbilder, die sich an die weiblichen SS-Angehörigen knüpfen und die vom Bild der blonden Bestie bis hin zum Mannweib reichen, in der europäischen Populärkultur derart weit verbreitet? Welche Kapitel der Ravensbrücker Lagergeschichte erfahren in den verschiedenen Geschichtsdarstellungen stete Neuauflagen und welche Aspekte kommen nur selten bis gar nicht vor?

 

Das 29. Arbeitstreffen der Ravensbrück-Forschung ist diesen Fragen gewidmet. Thema sind die literarischen Diskurse zu Ravensbrück, aber auch die von ehemaligen Häftlingen verfasste Memoirenliteratur. Darüber hinaus geht es um die Bildproduktionen zu Ravensbrück im Film, im Comic und in den sozialen Medien.

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