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Die Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um Jonny Valentin (1924-2019)

23. January 2019

Die Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um Jonny Valentin. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der Überlebende des KZ Sachsenhausen bereits am 12. Januar 2019 im Alter von 94 Jahren in Magdeburg verstorben. „Mit Jonny Valentin verlieren wir nicht nur einen Zeitzeugen, der viele junge Menschen in der Gedenkstätte und anderswo mit seinen Erzählungen über seine KZ-Haft beeindruckt und bewegt hat“, erklärte Stiftungsdirektor Axel Drecoll. „Wir verlieren auch einen großen Freund der Gedenkstätte und liebenswerten Menschen, der uns sehr fehlen wird. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, vor allem seiner Frau Helga, die ihn bei seinen Besuchen in der Gedenkstätte stets begleitet hat“, so Drecoll.

Der 1924 in Hamburg geborene Jonny Valentin musste 1933 im Alter von neun Jahren mit seiner Mutter nach Dänemark emigrieren. Sein Vater war bereits zuvor nach mehrmonatiger Haft im Zuchthaus Fuhlsbüttel wegen seiner Tätigkeit als Funktionär der kommunistischen Partei dorthin geflüchtet. 1936 musste die Familie nach Norwegen ausreisen. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Norwegen Anfang April 1940 floh sein Vater nach England. Dem nunmehr 16jährigen Jonny gelang es, bei einer deutschen Firma eine Arbeit als Dolmetscher zu finden. Bald danach schloss er sich dem Widerstand an und half bei der Herstellung und Verteilung von Antikriegsflugblättern.

Am 15. März 1942 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet, wurde Jonny Valentin in das Polizeihäftlingslager Grini nahe Oslo gebracht und am 19. November 1942 in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Dort musste er im Waldkommando unter unmenschlichen Bedingungen Baumstubben roden und Eisenbahnwaggons entladen. Durch das Bemühen eines politischen Häftlings gelangte der körperlich sehr geschwächte Jonny in das Kellnerkommando im SS-Offizierskasino. Die dort herrschenden Arbeitsbedingungen ermöglichten ihm das Überleben.

Im August 1943 wurde Jonny Valentin aufgrund einer Einberufung in die Wehrmacht aus dem KZ Sachsenhausen entlassen, wenig später jedoch ausgemustert, da er an einer aus der KZ-Haft resultierenden Lungen-Tbc erkrankt war. Die zwei letzten Kriegsjahre verbrachte er in einer Lungenheilstätte im Harz. Nach dem Krieg besuchte er eine Polizeischule in Erfurt und studierte Jura in Leipzig. Bis zu seiner Rente 1987 arbeitete er als Justiziar. Bis zuletzt war Jonny Valentin Mitglied im Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V., dessen Vorstand er viele Jahre lang angehörte.

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