Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
15/26: Eine neue Publikation informiert über aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus in Gedenkstätten
18. März 2026
Nr.: 15/2026
In Anwesenheit des Antisemitismusbeauftragten des Landes Brandenburg, Andreas Büttner, wird heute in der Gedenkstätte Sachsenhausen eine vom Bundesverband RIAS (Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V.) herausgegebene Publikation zu antisemitismuskritischen Zugängen für NS-Gedenkstätten vorgestellt. Im Anschluss diskutieren Expertinnen und Experten aus der Gedenkstättenarbeit über Möglichkeiten und Grenzen historisch-politischer Bildung an Gedenkstätten im Kampf gegen Antisemitismus.
Andreas Büttner, Antisemitismusbeauftragter des Landes Brandenburg: „Wer an Orten, die an die Schoa erinnern, antisemitisch handelt, verhöhnt nicht nur die Opfer – er stellt sich bewusst gegen die Grundwerte dieses Landes. Und spätestens seit dem 7. Oktober wissen wir: Antisemitismus ist nicht abstrakt, er ist konkret, er ist gewaltbereit und er richtet sich direkt gegen Jüdinnen und Juden – auch hier in Deutschland. Wer heute noch relativiert, wer aus Bequemlichkeit schweigt oder meint, man müsse ‚differenzieren‘, wenn Judenhass sichtbar wird, der steht nicht neutral – der steht auf der falschen Seite. Antisemitismus ist keine Meinung. Er ist ein Angriff. Und darauf kann es nur eine Antwort geben: Null Toleranz. Keine Ausnahmen. Kein Wegducken. Sondern klare Haltung und konsequentes Handeln – politisch, gesellschaftlich und auch ganz persönlich.“
Tanja Kinzel, leitende Bildungsreferentin des Bundesverbandes RIAS: „NS-Gedenkstätten sehen sich angesichts einer Zunahme antisemitischer Vorfälle mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Um zunehmende Angriffe auf die Erinnerung und Störungen adäquat zu begegnen, braucht es Fortbildungs- und Unterstützungsangebote für Mitarbeitende. Mit unserer Broschüre geben wir dafür konkrete Impulse.“
Lara-Maria Myller, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Netzwerks Zeitgeschichte der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten: „In der Gedenkstätte Sachsenhausen haben rechtsextremistische, antisemitische und israelfeindliche Vorfälle in den letzten Jahren deutlich zugenommen, und zwar von zwölf im Jahr 2022 auf 48 im Jahr 2025. Diese Angriffe sind eine konkrete Behinderung der Arbeit in der Gedenkstätte und stellen Mitarbeitende vor große Herausforderungen. Präventive Sicherheitsmaßnahmen und ein erhöhter Weiterbildungsbedarf beanspruchen Zeit und Mittel, die eigentlich für die Bildungs- und Vermittlungsarbeit vorgesehen sind. Diese zusätzlichen Belastungen bleiben nicht folgenlos – der psychische Druck auf freie Guides und pädagogisch Mitarbeitende nimmt zu.“
Die Geschichte antisemitischer Vorfälle an NS-Gedenkstätten ist lang. Seit ihrem Bestehen sind Erinnerungsorte für die Opfer der Schoa mit vielfältigen Anfeindungen und Schlimmerem konfrontiert wie dem Brandanschlag auf die „jüdischen Baracken“ in der Gedenkstätte Sachsenhausen 1992. Diese Angriffe zielen darauf ab, die präzedenzlosen Verbrechen in Zweifel zu ziehen, das Gedenken an die Ermordeten zu stören und den gesellschaftlichen Auftrag dieser historischen Orte in Frage zu stellen. Seit den Massakern vom 7. Oktober 2023 durch die Hamas und andere Terrororganisationen in Israel ist die Zahl der Vorfälle in Deutschland drastisch gestiegen – auch an NS-Gedenkstätten.
Diesen aktuellen Kontext greift die Publikation des Bundesverbandes RIAS mit dem Titel „…dass wir Verantwortung übernehmen, liegt in der Logik des Ortes“ auf. Die darin versammelten Texte machen zum einen aktuelle antisemitische Vorfälle in Gedenkstätten sichtbar. Zum anderen sensibilisieren sie für die verschiedenen Erscheinungsformen des Antisemitismus und bieten Handlungsempfehlungen für eine antisemitismuskritische Bildungsarbeit nicht nur in Gedenkstätten.
Die Publikation steht als kostenloser Download zur Verfügung: https://report-antisemitism.de/offers/#memorials
Information:
www.gedenkstaette-sachsenhausen.de
Kontakt:
Dr. Horst Seferens | Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Heinrich-Grüber-Platz | 16515 Oranienburg | T +49 3301 810920
seferens(at)stiftung-bg.de | www.stiftung-sbg.de
Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.