Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam
36/25: Gedenken an die Inhaftierten des sowjetischen Gefängnisses Leistikowstraße in Potsdam
15. August 2025
Nr.: 36/2025
In der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam wurde am heute mit einer Gedenkveranstaltung und einer Kranzniederlegung an das Leid der Inhaftierten des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses der sowjetischen Militärspionageabwehr erinnert. Gedenkstättenleiterin Ines Reich, Gisela Rüdiger, Vorstandsmitglied des Vereins Gedenk- und Begegnungsstätte ehem. KGB-Gefängnis Potsdam e.V., und Andreas Schlüter, Vorstandsmitglied des Fördervereins Gedenkstätte Leistikowstraße e.V., begrüßten die zahlreichen Gäste, unter denen sich auch Angehörige ehemaliger Gefangener des Gefängnisses befanden. Anschließend sprach Rainer Genilke, Vizepräsident des Landtags Brandenburg, zu den Anwesenden. Horst-Adolf Hennig berichtete von den Erinnerungen an seine Haft im Gefängnis Leistikowstraße. Im Anschluss wurden an der Gedenktafel im Gedenkstätteninnenhof Kränze niedergelegt.
Rainer Genilke betonte die erinnerungskulturelle Bedeutung der Gedenkstätte Leistikowstraße: „Moderne Gedenkstätten wie diese sind mehr als pädagogische Lernorte. Ohne Forschung gäbe es keine Führungen, keine Ausstellungen, keine Aufklärung. Die Arbeit hier ist aufwendig, oft unter schwierigen Bedingungen. Der Zugang zu sowjetischen Archiven wird wieder restriktiver. Umso wichtiger ist die kontinuierliche Unterstützung. Politisch, gesellschaftlich, aber – mehr als bisher – auch finanziell. Diese Gedenkstätte steht für einen Teil des stalinistischen Terrors in der SBZ und DDR. Sie steht für die Opfer, denen wir heute unseren Respekt erweisen. Sie steht aber auch für eine Aufgabe: Geschichte im Gedächtnis halten, um Demokratie zu schützen.“
Horst-Adolf Hennig, der ab November 1950 rund acht Monate im Untersuchungsgefängnis der sowjetischen Militärspionageabwehr verbringen musste, berichtete von den zermürbenden Vernehmungen: „Bei jedem Verhör habe ich die einzelnen Vorwürfe bestritten und mich geweigert, die vom Oberleutnant handschriftlich angefertigten Protokollseiten zu unterschreiben. Dann begann eine neue Verhörvariante. Ich wurde jetzt am Tag und in der Nacht zu Verhören geholt. Wenn ich in die Zelle zurückgebracht wurde, war das Essen bereits ausgegeben. Ich begann abzumagern und wurde durch die Nacht-Verhöre und den damit verbundenen Schlafentzug immer apathischer und lethargischer. Ich habe mich immer öfter bei dem Gedanken ertappt, dem Ganzen endgültig ein Ende zu machen.“
Zur selben Zeit waren auch seine Eltern Ida und Karl Otto Hennig in der Leistikowstraße in Haft. Ein Sowjetisches Militärtribunal verurteilte Horst-Adolf Hennig in einem Gruppenprozess wegen Spionage zu 25 Jahren Haft. Im Sommer 1951 verbrachte der Geheimdienst den 17-Jährigen in ein Jugendstraflager in der Mordwinischen Republik. Erst im Oktober 1955 gelangte er in die Bundesrepublik in die Freiheit.
Hintergrund: Die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße begeht ihren jährlichen Gedenktag am 15. August. Das Datum markiert die Inbetriebnahme des ehemaligen Pfarrhauses durch die sowjetische Militärspionageabwehr im Jahr 1945 als Untersuchungsgefängnis, die sich in diesem Jahr zum 80. Mal jährt. Der Geheimdienst hielt an diesem Ort bis 1991 vor allem sowjetische Staatsbürgerinnen und -bürger, im ersten Nachkriegsjahrzehnt jedoch auch viele Deutsche unter unmenschlichen Bedingungen gefangen. Der 15. August ist außerdem das Datum der Rückgabe des Gebäudes an den Alteigentümer, den Evangelisch-Kirchlichen Hilfsverein, im Jahr 1994 und den damit verbundenen Beginn bürgerschaftlichen Engagements zum Erhalt des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses als Gedenkstätte. Heute ist die Gedenk- und Begegnungsstätte Teil der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.
Information:
www.instagram.com/leistikowstrasse.potsdam
www.facebook.com/leistikowstr/
Verantwortlich:
Dr. Horst Seferens | Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
16515 Oranienburg | Heinrich-Grüber-Platz | T +49 3301 810920
seferens(at)stiftung-bg.de | www.stiftung-sbg.de
Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.
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