Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald
Die Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um Simcha Applebaum (1927-2026)
30. Juni 2026
Die Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um Simcha Applebaum. Der Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Sachsenhausen ist am Dienstag vergangener Woche im Alter von 99 Jahren in Israel verstorben. Simcha Applebaum war häufig in der Gedenkstätte Sachsenhausen und in der Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald zu Gast, wo er als ebenso liebenswürdiger wie eindrucksvoller Zeitzeuge zu erleben war. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Naomi, seinen Kindern, Enkeln und Urenkeln.
Simcha Applebaum wurde 1927 im heutigen Weißrussland geboren. Nach der Besetzung seines Dorfes durch deutsche Truppen wurde er im November 1941 mit seinen Eltern und seiner Schwester Ela in das Ghetto von Pruzhany deportiert. Simcha gelang es zunächst, sich jüdischen Partisanen anzuschließen, doch er kehrte zu seiner Familie in das Ghetto zurück. Bei dessen Auflösung wurde die Familie in das KZ Auschwitz deportiert. Während seine Eltern und seine Schwester dort umkamen, musste Simcha Zwangsarbeit leisten. Aus dem Siemens-Außenlager in Bobrek gelangte er im Januar 1945 über das KZ Buchenwald in das KZ Sachsenhausen und von dort in das Außenlager Berlin-Haselhorst. Zurück im Hauptlager in Oranienburg, wurde er Ende April 1945 zusammen mit rund 30.000 Häftlingen auf einen Todesmarsch geschickt. Am 3. April 1945 wurde er in der Nähe von Schwerin von Soldaten der US-Armee befreit.
1946 wanderte Simcha Applebaum nach Israel aus, wo er mit anderen Holocaust-Überlebenden den Kibbuz Netzer Sereni gründete. Er nahm am Unabhängigkeitskrieg teil, wurde Offizier der Reserve und zeichnete sich besonders im Jom-Kippur-Krieg 1973 aus. Im Ruhestand engagierte er sich als Zeitzeuge. Er begleitet Jugendgruppen nach Polen und berichtete vor Schulklassen und Einheiten der israelischen Armee über seine Erfahrungen im Holocaust. Bei mehreren Jahrestagen der Befreiung war er in der Gedenkstätte Sachsenhausen zu Gast und nahm 2015 am Gedenkstättenbesuch von Sportlerinnen und Sportlern der Europäischen Makkabi Spiele in Berlin teil. Zuletzt wirkte er in dem Dokumentarfilm „Nicht verrecken“ (2021) von Marin Gressmann mit, einer eindrucksvollen Spurensuchen entlang der Routen des Sachsenhausen-Todesmarsches.
In einem Nachruf zitiert die israelische Zeitung „Haaretz“ Simcha Applebaum mit den Worten: „Mein Vater Jakob starb in meinen Armen im Lager Birkenau. Er sagte zu mir: Du musst am Leben bleiben, mein lieber Sohn, um der Welt zu erzählen, was hier geschehen ist. Ich legte zwei Gelübde ab: eine Siedlung im Land Israel zum Gedenken an meine Eltern zu errichten und beim Aufbau eines Staates für das jüdische Volk mitzuhelfen. Ich hatte das Glück, beide Gelübde erfüllen zu können.“
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