Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

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Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

46/206: Mit einem zweitägigen Veranstaltungsprogramm wird in der Gedenkstätte Sachsenhausen an die Einrichtung des sowjetischen Speziallagers vor 81 Jahren erinnert

21. August 2026

Nr.: 46/2026

Mit einem zweitägigen Veranstaltungsprogramm erinnern die Gedenkstätte Sachsenhausen und die Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 e. V. am 29. und 30. August 2026 an die Einrichtung des sowjetischen Speziallagers in Sachsenhausen vor 81 Jahren. Am Samstag, 29. August, wird um 15.00 Uhr das Bildungsprojekt „Doc.LAB. Zeitgeschichte forschend und künstlerisch erkunden“ vorgestellt. Im Rahmen des Projekts wird ein pädagogisches Format entwickelt, das sich auch an russisch oder ukrainisch sprechende Jugendliche richtet, die sich anhand von historischen Quellen mit der Geschichte des sowjetischen Speziallagers auseinandersetzen und die gewonnen Eindrücke künstlerisch verarbeiten. 

Nach einem Grußwort von Franziska Kuschel (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) und einer Videobotschaft von Andriy Kohut (Direktor des Historischen Archivs des Sicherheitsdienstes der Ukraine) wird die Kuratorin Vera Yarilina das Projekt „Doc.LAB“ vorstellen. Im Anschluss diskutieren Lina Hesse (Künstlerin im Projekt Doc.LAB), Ilona Safyanenko (Integrationskoordinatorin der Stadt Oranienburg für geflüchtete Menschen aus der Ukraine), Kuratorin Vera Yarilina und Elena Zhemkova (Geschäftsführerin Zukunft Memorial) über innovative und transnationale Ansätze in der historisch-politischen Bildungsarbeit zur Geschichte der Speziallager. Am gleichen Tag um 13.00 Uhr lädt die Gedenkstätte Sachsenhausen zu einem Künstlerischer Workshop zur Geschichte des sowjetischen Speziallagers für Familien mit ukrainischem, deutschem oder russischem Hintergrund ein. Bereits um 11.00 Uhr findet eine Führung zur Geschichte des Speziallagers in Sachsenhausen für russisch und ukrainisch sprechende Gäste statt. Für den Workshop und die Führung wird um Anmeldung gebeten unter: heitzer(at)gedenkstaette-sachsenhausen.de.

Am Sonntag, 30. August, findet um 11.00 Uhr eine Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof im ehemaligen Kommandantenhof statt, wo sich ein Massengrab mit rund 7.000 der insgesamt 12.000 Opfer des Speziallagers befindet. Nach der Begrüßung durch Stiftungsdirektor Axel Drecoll und den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Joachim Krüger, werden Tobias Dünow (Staatssekretär des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg) und Uwe Feiler (Mitglied des Deutschen Bundestages) zu den Anwesenden sprechen. Außerdem wird eine Videobotschaft von Annemarie Krause eingespielt. Die heute 94-Jährige war fast fünfeinhalb Jahre in Haft und von Juni 1949 bis Februar 1950 im Speziallager Sachsenhausen inhaftiert. Im Anschluss an ein Gebet, das Pfarrer Friedemann Humburg (Evangelische Kirchengemeinde St. Nicolai Oranienburg) sprechen wird, werden am Gedenkort auf dem Friedhof am ehemaligen Kommandantenhof Kränze niedergelegt. Die Veranstaltung wird musikalisch vom Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde begleitet.

Um 14.00 Uhr lädt die Gedenkstätte interessierte Gäste zu einer Führung zur Geschichte des sowjetischen Speziallagers in Sachsenhausen ein.

Hintergrund
Im Zuge der Verlegung des sowjetischen Speziallagers Nr. 7 von Weesow (bei Werneuchen) kamen am Abend des 16. August 1945 mehr als 5.000 von der Haft geschwächte Häftlinge nach einem Fußmarsch von rund 40 Kilometern in den Baracken des ehemaligen KZ Sachsenhausen an. Der Jahrestag der Ankunft der ersten Inhaftierten in Sachsenhausen wird von den ehemaligen Häftlingen und ihren Angehörigen seit Anfang der 1990er Jahre als Gedenktag für die Opfer des Speziallagers begangen.

Die sowjetische Besatzungsmacht errichtete in ihrer Zone zehn Speziallager, die sowohl Instrumente der Entnazifizierung als auch der stalinistischen Herrschaftssicherung waren. In den Speziallagern Weesow und Sachsenhausen waren bis zur Auflösung des Lagers im Frühjahr 1950 rund 60.000 Menschen inhaftiert, unter ihnen bis zu 5.000 Frauen. 12.000 Inhaftierte starben an Hunger und Krankheiten. Im Lager waren vorwiegend Angehörige unterer Funktionsränge des NS-Regimes, aber auch Beschäftigte aus Verwaltung, Polizei, Justiz, Wirtschaft sowie SS-Personal aus den Konzentrationslagern inhaftiert. Zu den Häftlingen zählten außerdem politisch Missliebige und willkürlich Verhaftete sowie von sowjetischen Militärtribunalen Verurteilte, Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Prägung, darunter Deutsche und Nichtdeutsche, Rotarmisten und Wehrmachtsangehörige, Männer und Frauen, Alte und Junge, NS-Belastete und Unbelastete.

Das Projekt Doc.LAB wird in Kooperation mit Zukunft Memorial und dem Historischen Archiv des Sicherheitsdienstes der Ukraine realisiert und von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur im Rahmen des Bundesprogramms „JUGEND erinnert“ des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

 

Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Straße der Nationen 22 | 16515 Oranienburg

 

Information: www.sachsenhausen-sbg.de

 

Kontakt:
Dr. Horst Seferens | Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Heinrich-Grüber-Platz | 16515 Oranienburg | T +49 3301 810920
seferens(at)stiftung-bg.de | www.stiftung-sbg.de

 

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

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