Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
62/26: Handwerk trifft Erinnerung: Bremer Auszubildende engagieren sich in der Gedenkstätte Sachsenhausen
08. Oktober 2026
Nr.: 62/2026
Noch bis morgen sind 28 Auszubildende aus Bremen im Rahmen des Projekts „Lernen und Arbeiten im ehemaligen KZ Sachsenhausen“ zu Gast in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Seit Montag unterstützen die angehenden Glaser, Maurer, Malerinnen und Maler, Tischlerinnen und Tischler sowie Zimmerinnen und Zimmerer die Gedenkstätte durch praktische handwerkliche Arbeit beim Erhalt der originalen Bausubstanz und verbinden dies mit historischer Bildung.
Am Eingang zum Neuen Museum haben die Maurer und Zimmerinnen lockere Treppenstufen neu verlegt. Ein Team verschiedener Gewerke arbeitet die historischen Fenster in einer Baracke des ehemaligen Krankenreviers auf. Ein weiteres Team kümmert sich um die großformatigen Sprossenfenster in den Werkhallen des ehemaligen Industriehofs. Fachmännisch werden morsche Teile durch selbstgefertigte passgenaue Sprossen mit Nut und Feder ersetzt. Historische Türen, in denen die Füllung fehlte, haben die Tischler und Zimmerer mit Originalbrettern instandgesetzt.
Die handwerkliche Arbeit wird durch ein umfangreiches Bildungsprogramm ergänzt. Bei einer Führung, einem Workshop, Gesprächsrunden und der eigenständigen Erkundung des historischen Ortes und der Ausstellungen setzen sich die Teilnehmenden mit der Geschichte des Konzentrationslagers Sachsenhausen (1936–1945) und des sowjetischen Speziallagers (1945–1950) auseinander.
Der angehende Tischler Tony Colbach (23) berichtet: „Ich bin dabei, weil mir der Erhalt von Gedenkstätten sehr wichtig ist. Ich bin auch gelernter Restaurator und sehr interessiert an Denkmalschutz. Ich glaube, es ist unsere Aufgabe, so viel wie möglich zu erhalten und die originale Substanz zu restaurieren, damit man in Verbindung treten kann mit diesem Ort und sich in Erinnerung rufen kann, was die Häftlinge hier erlebt haben. Dann wird einem das Privileg bewusst, dass man am Abend wieder gehen und sich in sein eigenes Bett legen kann.“
Jule Helmers (20), Tischlerin im 2. Lehrjahr: „Wir reparieren die Fenster der Krankenstation. Wir tauschen die alten Glasscheiben, die kaputt sind, und kitten neue ein. Und die Fenster, die nicht mehr aufgehen, die reparieren wir, und was morsch ist, das machen wir neu. Es ist merkwürdig und ganz anders, hier zu arbeiten. An sich ist man immer bedrückt, wenn man an diesem Ort ist. Aber dann kommt man wieder in diesen Arbeitsflow rein, dann ist man wieder happy und kann lachen. Und dann fällt einem wieder ein, wo man ist, und dann ist man wieder geerdet. Es ist ein Auf und Ab der Gefühle, aber ich nehme mit, dass es wichtig ist, was wir hier machen.“
Kai Konrad (22), Maler und Lackierer im 2. Lehrjahr: „Ich bin aus Interesse an Geschichte hier und weil ich etwas Gutes tun kann zum Erhalt der Gedenkstätte. Außerdem lerne ich etwas, auch von den anderen Gewerken, gerade weil wir sehr intensiv miteinander arbeiten. Vom Kopf her ist es teilweise sehr bedrückend. Man muss differenzieren zwischen der Arbeit und wenn man sich eine Stunde Zeit nimmt, um sich eine Ausstellung anzuschauen. Und es gibt sehr viel, was man sich anschauen kann. Dann kommt wieder dieses mulmige Gefühl, gerade weil ich Vorfahren habe, die Auschwitz nicht überlebt haben. Alles in allem ist es eine tolle Erfahrung.“
Nach Abschluss der Projektwoche halten die Auszubildenden ihre Eindrücke und Erfahrungen in persönlichen Berichten fest. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte eröffnet dabei auch den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und die Bedeutung von Demokratie und Menschenrechten in der Gegenwart. Das Projekt wurde 1994 vom Schulzentrum an der Alwin-Lonke-Straße in Bremen ins Leben gerufen. Unterbrochen durch die pandemiebedingten Ausfälle, findet das Projekt 2026 zum 29. Mal statt.
Information: www.sachsenhausen-sbg.de
Kontakt:
Dr. Horst Seferens | Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
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