Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

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Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

36/2021: Die ungarische Überlebende Judit Varga ist zu Gast in der Gedenkstätte Ravensbrück

20. September 2021

Nr.: 36/2021

Die Ravensbrück-Überlebende Judit Varga wird vom 21. bis 24. September 2021 in der Gedenkstätte Ravensbrück zu Gast sein. Der Besuch findet in Vorbereitung des internationalen und kulturellen Bildungsprojektes „Silence is no longer here because of us“ statt, das in diesem Jahr vom 7. bis 15. Oktober 2021 digital abgehalten wird. In diesem Zusammenhang wird ein Interview mit Judit Varga aufgezeichnet, bei dem es vor allem um die Erinnerung innerhalb ihrer Familie gehen wird und mit dem sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bildungsprojets auseinandersetzen werden.

Judit Varga (94) wird bei ihrem Besuch von ihrer Enkelin Diana Gróo und von Eva Lázár begleitet, der Tochter von Magda Lázár (1922–2005), mit der sie gemeinsam im Außenlager Retzow-Rechlin inhaftiert war. Diana Gróo ist eine bekannte ungarische Filmemacherin („Regina“), die derzeit an einem Filmprojekt über ihre eigene Familiengeschichte arbeitet und in Ravensbrück und Retzow-Rechlin Dreharbeiten durchführen wird.

Ein weiterer Schwerpunkt des Programms ist der gemeinsame Besuch des ehemaligen Außenlagers Retzow-Rechlin (Mecklenburg-Vorpommern), wo am 23. September 2021 am dortigen Gedenkort eine Gedenkveranstaltung stattfinden wird. „Die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung bedeutet meiner Familie sehr viel. Für meine Großmutter wird es die Möglichkeit sein, mit einem sehr schmerzhaften Kapitel ihrer Vergangenheit abzuschließen“, so die Enkelin Diana Gróo.

Judit Varga war mit 17 Jahren als ungarische Jüdin zunächst nach Auschwitz, später nach Ravensbrück deportiert worden. Im Februar 1945 wurde sie in das Außenlager Retzow-Rechlin verschleppt. Dort verlor sie ihre Mutter Helén Hoffmann: „Eines Tages“, berichtet Judit Varga, „sagte mir ein Mithäftling, dass meine Mutter mich bittet zu kommen. Ich ging zu ihrer Pritsche. Dort lag sie, abgemagert bis auf die Knochen. Ihre Worte werde ich nie vergessen. ‚Mein Kind‘, sagte sie, ‚ich werde jetzt sterben. Du wirst das Ende des Krieges erleben. Wenn du zurückkehrst, sammle, was von unseren Sachen übrig ist.‘ Dann zählte sie auf, bei wem ich was finden könne. Ihr verdanke ich es, dass ich die Tagebuchhefte meines Vaters gefunden habe.“ Judit Varga hat das Tagebuch ihres Vaters im Jahre 2001 veröffentlicht.

Mit 18 Jahren kehrte Judit Varga vollkommen auf sich allein gestellt nach Budapest zurück. Ihr Vater war in Auschwitz ermordet worden, der Bruder Sándor während der dortigen Evakuierungen gestorben. Judit Varga wurde Anwältin und gründete eine Familie. Bis heute lebt sie in Budapest.

Das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück war das zentrale Konzentrationslager für Frauen im Deutschen Reich. Es wurde 1939 am Vorabend des Zweiten Weltkrieges gegründet. In seinem sechsjährigen Bestehen waren hier etwa 120.000 Frauen und Kinder sowie 20.000 Männer aus über 30 Ländern inhaftiert. Geschätzte 28.000 Menschen starben oder wurden von der SS getötet. Zum Lagerkomplex gehörten über 40 Nebenlager, die vor allem an Produktionsstätten der Rüstungsindustrie errichtet wurden.

Information: www.ravensbrueck-sbg.de
 

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