Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Presseinformationen

Gedenkstätte Leistikowstraße Potsdam

44/26 In der Gedenkstätte Leistikowstraße wurde heute der Inhaftierten des sowjetischen Untersuchungsgefängnisses gedacht

15. August 2026

Nr.: 44/2026

In der Gedenkstätte Leistikowstraße in Potsdam wurde heute mit einer Gedenkveranstaltung und einer Kranzniederlegung an die zahllosen Menschen erinnert, die zwischen 1945 und 1991 im Untersuchungsgefängnis des sowjetischen Militärgeheimdienstes in der Potsdamer Leistikowstraße inhaftiert waren. Zugleich wurde die Wanderausstellung „frauenHAFT. Sowjetische Repression und DDR-Strafvollzug (1945-1956)“ eröffnet, die auch Schicksale inhaftierter Frauen des Gefängnisses in der Leistikowstraße thematisiert.

Gedenkstättenleiterin Ines Reich erklärte: „Ich freue mich, dass es mittlerweile zur guten Tradition geworden ist, am 15. August jeden Jahres im Rahmen einer zentralen Feierstunde der Opfern der Militärspionageabwehr zu gedenken. Mit der Eröffnung der Ausstellung „frauenHAFT“ würdigen wir in diesem Jahr besonders das Schicksal der inhaftierten Frauen, die in besonderer Weise den unmenschlichen Haftbedingungen ausgesetzt waren. Außerdem erinnern wir an das bürgerschaftliche Engagement, ohne das die Gedenkstätte in ihrer heutigen Form nicht existieren würde.“

Annemarie Link, die 1949 im sowjetischen Speziallager in Sachsenhausen geboren wurde, berichtete von ihrem persönlichen Schicksal: „Sehr lange wusste ich nichts über meine Herkunft. Ein Ausflug nach Potsdam mit meinem Mann brachte mich 2010 ganz zufällig in die Gedenkstätte Leistikowstraße. Wir besichtigten unter anderem die Gefängniszellen im muffigen Keller. Wir waren sehr betroffen. In der zweiten Etage stand damals im Rahmen der historischen Aufarbeitung ein Computer mit weiterführenden Informationen. Dort entdeckte ich voller Erstaunen den Namen meiner Mutti, Erna Dachs. Es schnürte mir den Hals zu. Sie war also hier, an diesem unheimlichen Ort. Heute stehe ich hier im Gedenken an sie und an meine leibliche Mutter, aber auch an all jene, die hier ebenso verzweifelt, hilf- und schutzlos waren.“

Im Mittelpunkt der Ausstellung „frauenHAFT“ stehen die 1.119 Frauen und 25 Kinder, die am 11. Februar 1950 im Kontext der Auflösung des Speziallagers in Sachsenhausen an die DDR übergeben und in die Strafanstalt Hoheneck verbracht wurden. Unter ihnen befanden sich auch Annemarie Link und ihre Pflegemutter Erna Dachs. Annemaries Mutter Gerda Musold war 1949 über das Gefängnis in der Leistikowstraße in das sowjetische Speziallager in Sachsenhausen gelangt, wo sie ihre Tochter Annemarie zur Welt brachte. Nach dem Tod ihrer Mutter kümmerte sich die mitinhaftierte Erna Dachs um das Kleinkind. Anhand von Fotos, Berichten und Erinnerungsstücken stellt die Ausstellung „frauenHAFT“ zwölf Frauen biografisch dar, unter ihnen auch Erna Dachs. Ihre Schicksale erzählen ein fast vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte, das von Verfolgung, Unrecht, Leid und Selbstbehauptung geprägt war.

Das alljährliche Gedenken am 15. August hat einen doppelten Anlass: Am 15. August 1945 nahm die sowjetische Militärspionageabwehr das ehemalige Pfarrhaus in der Potsdamer Leistikowstraße als Geheimdienstgefängnis in Betrieb. Wie viele Frauen und Männer bis 1991 gefangen gehalten wurden, ist bis heute unbekannt. Ebenfalls am 15. August erfolgte 1994 der Abzug der letzten russischen Truppen aus dem vormaligen Geheimdienstareal. Damit begann ein breites bürgerschaftliches Engagement zum Erhalt des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses als Gedenkstätte, das 2008 zur Gründung der Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam führte. Heute ist die Gedenkstätte Teil der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Die Ausstellung „frauenHaft“ ist bis zum 15. Januar 2027 zu den bekannten Öffnungszeiten zu sehen.

Eine Ausstellung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten unter Beteiligung der Gedenkstätten Sachsenhausen, Leistikowstraße Potsdam, Brandenburg an der Havel und Lieberose in Jamlitz.

Gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 e. V und den Förderverein Gedenkstätte Leistikowstraße Potsdam e. V.

Gedenkstätte Leistikowstraße Potsdam

Leistikowstraße 1 | 14469 Potsdam

Information: www.leistikowstrasse-sbg.de

Kontakt:
Dr. Horst Seferens | Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Heinrich-Grüber-Platz | 16515 Oranienburg | T +49 3301 810920
seferens(at)stiftung-bg.de | www.stiftung-sbg.de

 

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

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