Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Presseinformationen

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Bis 2020 wird die Gedenkstätte Ravensbrück um umfangreiche Flächen des ehemaligen Konzentrationslagers erweitert

08. Februar 2017

Nr.: 8/2017

Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück wird bis 2020 um wesentliche historische Bereiche des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers erweitert. Das teilte Gedenkstättenleiterin Dr. Insa Eschebach heute bei der Vorstellung des Projekts zur Erschließung und Gestaltung der rund 10 Hektar großen Flächen des ehemaligen südlichen Lagerbereichs in der Gedenkstätte Ravensbrück mit. Anwesend waren dabei auch Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski, Ministerialdirigent Ansgar Hollah, Gruppenleiter „Geschichte; Erinnerung“ bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, und weitere Gäste.

Insa Eschebach sagte: „Wir freuen uns außerordentlich, dass die Gedenkstätte künftig das gesamte historische Lagerareal, das sich innerhalb der Lagermauer befand, umfassen wird, so dass die Größe und die Dimension des KZ-Komplexes für die Besucher erfahrbar werden. Wir streben eine minimalistische Gestaltung des Geländes an, so dass die Spuren der unterschiedlichen Nutzungen erkennbar bleiben. Vor allem sollen auch Jugendliche im Rahmen der pädagogischen Arbeit die Möglichkeit haben, das Gelände aktiv mitzugestalten. Unser großer Dank gilt den Mittelgebern von Land und Bund, denn nur dank ihrer großzügigen Förderung ist dieser Meilenstein bei der Sanierung und Neugestaltung der Gedenkstätte Ravensbrück überhaupt möglich.“

Staatssekretärin Daniela Trochowski erklärte: „Mit der Integration des Südgeländes in die Gedenkstätte Ravensbrück wird zukünftig der tatsächliche Umfang des ehemaligen Häftlingslagers, in dem zeitweise bis zu 50 000 Männer, Frauen und Kinder gleichzeitig untergebracht waren, für die Besucherinnen und Besucher sichtbar und erfahrbar werden. Dieses Gedenken an Menschen und Orte wird immer wichtiger, weil Rechtsextremismus in unserem Land zu einem drängenden Problem geworden ist. Die Zahl der neonazistischen Straftaten ist erschreckend hoch und genau so erschreckend ist es, dass rechtsextreme Auffassungen sich in der Mitte unserer Gesellschaft wieder etablieren. Deshalb freue ich mich, dass wir im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Bund eine Lösung für die Finanzierung der geplanten Fertigstellung des Südgeländes gefunden haben und nunmehr einen weiteren wichtigen Mahn- und Gedenkort in seiner ganzen Umfänglichkeit erhalten.“

Ministerialdirigent Ansgar Hollah sagte: „Ich freue mich, dass der Bund auf der Grundlage seiner Gedenkstättenkonzeption 350.000 € für die Verwirklichung dieses wichtigen Vorhabens in Aussicht stellen konnte. Gerade heute, da die Stimmen der Zeitzeugen nach und nach verstummen, werden die authentischen Orte als verbleibende Zeitzeugnisse immer wichtiger. Deren Erhalt und Sicherung sind zentrale Voraussetzungen für die künftige historisch-politische Bildungsarbeit in den Gedenkstätten. Dazu braucht es auch neue pädagogische Konzepte, weshalb ich den innovativen Ansatz des Projektes, Jugendliche aktiv an der Gestaltung des historischen Südgeländes zu beteiligen, besonders begrüße.“

Vera Dehle-Thälmann, Sprecherin der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e. V., betonte: „Die Überlebenden des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück wünschen sich schon seit vielen Jahren, dass endlich das gesamte Lagerareal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dass dieser Schritt jetzt getan wird, freut uns sehr.“

Die 1959 eröffnete Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück befand sich außerhalb der historischen Lagermauern, da weite Teile des historischen KZ-Komplexes seit 1945 von der Roten Armee genutzt wurden. Nach dem Abzug des Militärs 1994 wurden zunächst die zuerst errichtete sogenannte Lagerstraße 1 mit zwei Barackenreihen und Teile des Industriehofes mit den Hallen der Textilfabrik in die Gedenkstätte integriert. Das jetzt hinzukommende Südgelände wurde 2015 in das Eigentum der Gedenkstättenstiftung übernommen. Zuvor hatte der bisherige Eigentümer, die Brandenburgische Bodengesellschaft, im Rahmen von Konversionsmaßnahmen umfangreiche Überformungen der militärischen Nutzung beseitigt (2003) sowie kontaminierte Kellerbereich von Ölschlamm beräumt und verfüllt (2011 bis 2013).

Im Südgelände befanden sich die seit 1940 errichteten Erweiterungen des Häftlingslagers mit drei zusätzlichen Barackenreihen. Hier stand auch ein im Herbst 1944 errichtetes Zelt, in dem 4.000 Frauen zusammen gepfercht wurden und das infolge systematischer Verelendung durch die SS zu einem Ort des Massensterbens wurde. Auf dem Südgelände befanden sich außerdem das 1941 errichtete Männerlager, wo etwa 20.000 Männer aus ganz Europa inhaftiert waren, sowie das SS-Bekleidungswerk. Von den historischen Gebäuden sind heute nur noch Bodenplatten, Keller und Fundamente vorhanden.

Nach dem Abschluss der Planungen bis Ende 2017 sollen die Baumaßnahmen 2018/19 umgesetzt werden. Im Rahmen eines zurückhaltenden Gestaltungskonzepts sollen vorhandene Wege gekennzeichnet und neue Wege angelegt, Gefahrenbereich wie etwa einsturzgefährdete Unterkellerungen eingefriedet und die vorhandene Vegetation teilweise entfernt werden. Außerdem sollen im Rahmen des derzeitigen Besucherleitsystems 40 weitere Informationsträger die Besucher durch das Südgelände begleiten. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 700.000 Euro, die jeweils zur Hälfte vom Land Brandenburg und von der Bundeskulturbeauftragten zur Verfügung gestellt werden.

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